Allgemeine Psychologie - Denken und Sprache

Übungen zum 11. Kapitel


Übung 1

Sie wollen einem Gesprächspartner erklären, in welchem Verwandtschaftsverhältnis Ameisen, Bienen, Eidechsen, Schweine, Kühe, Wale, Katzen und Hunde zueinander stehen. Nehmen Sie an, die Verwandtschaftsverhältnisse entsprächen grob der unten abgebildeten Baumstruktur. Wie linearisieren Sie die Informationen für diese Erklärung, und welchen prozessbezogenen Determinanten folgen Sie dabei?

 

 


Lösung zu Übung 1

In dieser Aufgabe sollten Sie einem Gesprächspartner anhand einer Verwandtschaftsstruktur erklären, in welchem Verwandtschaftsverhältnis verschiedene Tiere stehen. Die Frage dabei ist, wie man die Informationen linearisiert und welchen prozessbezogenen Determinanten man dabei folgt.

 

 

Gerade für die Linearisierung von Baumstrukturen bieten sich prozessbezogene Determinanten an, und zwar insbesondere das Prinzip der Verbundenheit (Dinge, die nahe beieinander liegen, werden nacheinander beschrieben), das Stapelprinzip (bei Verzweigungen arbeiten wir erst den einen Zweig, dann den anderen ab) und das Ökonomieprinzip (den kürzeren Zweig arbeiten wir zuerst ab, um rasch zur Verzweigung zurückkehren zu können) (Buhl et al., 2000; Levelt, 1982).

 

Konkret bedeutet dies, dass Sie vermutlich die Ameisen und Bienen als erste oder letzte Gruppe beschrieben haben, dass die Eidechsen eher in der Mitte auftauchen und dass Katzen und Hunde in relativer Nähe zu Kühen und Walen vorgekommen sind. Falls Sie anders vorgegangen sind, versuchen Sie zu identifizieren, welche Prinzipien Sie dabei angewendet haben könnten.

 

Literatur

Buhl, H. M., Katz, S., Schweizer, K. & Herrmann, T. (2000). Einflüsse des Wissenserwerbs auf die Linearisierung beim Sprechen über räumliche Anordnungen. Zeitschrift für Experimentelle Psychologie, 47, 17–33.

Levelt, W. J. M. (1982). Linearization in describing spatial networks. In S. Peters & E. Saarinen (Eds.), Processes, beliefs, and questions (pp. 199–220). Dordrecht: Reidel.



Übung 2

Nach Garretts Modell erfolgt die Produktion eines Satzes in sieben Teilprozessen. (a) Stellen Sie diese Teilprozesse für den Satz „Eine Maus jagte einen Kater“ tabellarisch dar. (b) Worin unterscheiden sich Ebene (D) und (F) voneinander?


Lösung zu Übung 2

a) In dieser Aufgabe sollten die Teilprozesse der Sprachproduktion nach Garretts (1975) Modell am Beispiel des Satzes „Eine Maus jagte einen Kater“ identifiziert werden. Die sieben Teilprozesse dieses Modells mit ihren Repräsentationen sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

 

 

b) Auf Ebene (D) wird die phonologische Repräsentation aus dem Lexikon abgerufen, allerdings nur für die Inhaltswörter. Erst in (F) werden auch die Funktionswörter und grammatischen Formen phonologisch spezifiziert (in diesem Fall die beiden Artikel „eine“ und „einen“) sowie die genaue Endung des Verbs für die Vergangenheit („jagte“). Die Unterscheidung zwischen Inhalts- und Funktionswörtern ist eine der Besonderheiten für Garretts Modell.

 

Literatur

Garrett, M. F. (1975). The analysis of sentence production. In G. Bower (Ed.), The psychology of learning and motivation (Vol. 9, pp. 133–177). New York: Academic Press.



Übung 3

Ein besonders produktiver Quell für Sprechfehler war der frühere US-Präsident George W. Bush, „the ‘misunderestimated’ president“ (BBC News, 7. 1. 2009, in Anspielung auf ein Zitat von Bush). Die nach ihm benannte Kategorie der Bushismen umfasst aber eine ganze Reihe verschiedener Sprechfehler. Versuchen Sie für die unten aufgelisteten Bushismen zu bestimmen, um welchen Fehler es sich jeweils konkret handelt und auf welcher Ebene der Sprachverarbeitung er vermutlich entstanden ist:

  1. 1. Anyway, I’m so thankful, and so gracious – I’m gracious that my
        brother Jeb is concerned about the hemisphere as well.

  2. 2. Our enemies … never stop thinking about new ways to harm our
        country, and neither do we.

  3. 3. Families is where our nation find hope, where wings take dream.

  4. 4. If the terriers and bariffs are torn down, this economy will grow.

  5. 5. We cannot let terrorists and rogue nations hold this nation hostile.

  6. 6. And there’s no doubt in my mind, not one doubt in my mind, that we
        will fail.


Lösung zu Übung 3

In dieser Aufgabe waren sechs Bushismen auf die ihnen zugrunde liegenden Sprechfehler hin zu analysieren:

  1. 1. Anyway, I’m so thankful, and so gracious – I’m gracious that my
        brother Jeb is concerned about the hemisphere as well.

  2. 2. Our enemies … never stop thinking about new ways to harm our
        country, and neither do we.

  3. 3. Families is where our nation find hope, where wings take dream.

  4. 4. If the terriers and bariffs are torn down, this economy will grow.

  5. 5. We cannot let terrorists and rogue nations hold this nation hostile.

  6. 6. And there’s no doubt in my mind, not one doubt in my mind, that we
        will fail.

Die Versprecher (1) und (5) sind Malapropismen (gracious statt grateful und hostile statt hostage), (4) ist ein Spoonerismus (terriers and bariffs statt barriers and tariffs) und (6) – vermutlich – ein Freud’scher Versprecher. Malapropismen und Freud’sche Versprecher erfolgen auf der Ebene des lexikalischen Zugriffs; das gilt analog für die Wortvertauschung in (3). Der Spoonerismus spricht eher für einen Fehler bei der phonologischen Enkodierung. Im Beispiel (2) liegt ein Fehler in der syntaktischen Planung vor: Der zweite Teilsatz „and neither do we“ wird falsch angebunden. Gemeint ist möglicherweise „and neither do we stop thinking about new ways to harm our enemies“. Wer der Ansicht ist, Bush habe seinem Land großen Schaden zugefügt, könnte (2) allerdings auch als Freud’schen Versprecher deuten.



Übung 4

Damit Dialoge einen für beide Seiten befriedigenden Verlauf nehmen können, sollten sie sich an den Grice’schen Konversationsmaximen orientieren. Entwerfen Sie ein Beispiel für einen kurzen Dialog, in dem jede Maxime mindestens einmal verletzt wird. Analysieren Sie diese Verletzungen mit Blick darauf, welche Bedeutung die jeweilige Maxime für das Sprachverständnis hat und wo entsprechende Verletzungen im Alltag zu Schwierigkeiten führen können.


Lösung zu Übung 4

Zu dieser Übung gibt es keine objektive Lösung – was hier zählt, ist Ihre Meinung!



 

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