Allgemeine Psychologie - Denken und Sprache

Übungen zum 2. Kapitel


Übung 1

Aus dem Universum der 81 Objekte von Bruner et al. (1986; s. Seite 29) sehen Sie unten zwei Instanzen (+) eines gesuchten Konzepts. Welche konjunktiven Konzepte sind damit vereinbar?

 

                     


Lösung zu Übung 1

Aus dem Universum der 81 Objekte von Bruner et al. (1986; s. Buch Seite 29) waren die folgenden zwei Instanzen (+) eines gesuchten Konzepts gegeben:

 

 

                            

 

Gefragt war, welche konjunktiven Konzepte damit vereinbar sind. Insgesamt sind sieben Konzepte möglich:

  • • ein Konzept, das drei Merkmale kombiniert: genau eine Umrandung
       und drei blaue Objekte;
  •  
  • • drei Konzepte, die zwei Merkmale kombinieren: genau eine Umrandung
       und blaue Objekte, genau eine Umrandung und drei Objekte sowie
       drei blaue Objekte;
  •  
  • • und schließlich drei Konzepte, die nur ein einzelnes Merkmal
       berücksichtigen, denn auch solche werden zu den konjunktiven
       Konzepten gezählt: genau eine Umrandung, nur blaue Objekte sowie
       genau drei Objekte.

 

Literatur

Bruner, J. S., Goodnow, J. & Austin, G. (1986). A study of thinking. New York: Wiley. [Nachdruck der Ausgabe von 1956]



Übung 2

Eine Person wählt nach einer ersten Instanz (1; +) ein Testobjekt (2) nach der Strategie des riskanten Fokussierens:

 

 

 

(a) Wie lautet die Konzepthypothese, wenn Objekt (2) eine Instanz des Konzepts ist?

 

(b) Was sollte die Person tun, wenn Objekt (2) keine Instanz ist?


Lösung zu Übung 2

Nach der ersten Instanz für ein Konzept (1; +) hat eine Person nach der Strategie des riskanten Fokussierens das Testobjekt (2) gewählt:

 

            

 

Nach dieser Strategie nimmt man für die erste Hypothese alle Merkmale der ersten Instanz, in diesem Fall also: zwei schwarze Kreise mit zwei Umrandungen. Beim nächsten Testobjekt verändert man mehr als ein Merkmal. Beim Testobjekt (2) wurden die Farbe und die Zahl der Kreise verändert.

 

 

a) Gefragt war nun, wie die Konzepthypothese lautet, wenn sich auch Testobjekt (2) als Instanz des Konzepts erweist. In diesem Fall sind alle veränderten Merkmale irrelevant. Die veränderte Hypothese würde dann lauten: Kreise mit zwei Umrandungen.

 

 

b) Was sollte eine Person tun, wenn das Testobjekt (2) keine Instanz ist? Ist es keine Instanz, so weiß die Person nicht, welches der veränderten Merkmale (Farbe oder Zahl der Kreise) für dieses Ergebnis verantwortlich ist. Dies muss sie dann für jedes dieser Merkmale mit einem separaten Testobjekt prüfen. So könnte die Person etwa mit Objekt (3) „ein schwarzer Kreis mit zwei Umrandungen“ testen, ob die Anzahl der Kreise relevant ist, und mit Objekt (4) „zwei blaue Kreise mit zwei Umrandungen“, ob die Farbe der Kreise relevant ist.

 

 



Übung 3

Gegeben seien folgende drei Paare von kategoriebasierten induktiven Schlüssen. Welches Argument

(a oder b) würden Personen in jeder Aufgabe als den sichereren Schluss wählen und warum?

 

1.         a)        Spatzen haben Serotonin als Neurotransmitter.
                        =>        Strauße haben Serotonin als Neurotransmitter.

            b)         Spatzen haben Serotonin als Neurotransmitter.
                         =>        Amseln haben Serotonin als Neurotransmitter.

 

 

2.         a)         Rotkehlchen haben BCC im Blut.
                         =>        Gänse haben BCC im Blut.

            b)         Gänse haben BCC im Blut.
                        =>        Rotkehlchen haben BCC im Blut.

 

 

3.         a)         Wölfe können Stacheldraht durchbeißen.
                         =>        Schäferhunde können Stacheldraht durchbeißen.

            b)         Pudel können Stacheldraht durchbeißen.
                         =>        Schäferhunde können Stacheldraht durchbeißen.


Lösung zu Übung 3

Gegeben waren drei Paare von kategoriebasierten induktiven Schlüssen. Gefragt war danach, welchen Schluss Personen (vermutlich) als sicherer betrachten würden und wie dies erklärt werden kann.

 

Aufgabe 1

Das erste Paar lautete:

 

            a)         Spatzen haben Serotonin als Neurotransmitter.
                        =>        Strauße haben Serotonin als Neurotransmitter.

            b)         Spatzen haben Serotonin als Neurotransmitter.
                        =>        Amseln haben Serotonin als Neurotransmitter.

 

Typischerweise wird Argument (b) als der sicherere Schluss gewählt. Nach dem Similarity-coverage-Modell ist der indirekte Weg der induktiven Übertragung – also die Abdeckung der übergeordneten Kategorie Vögel durch die Prämisse Spatzen – in beiden Argumenten gleich. Relevant ist also der direkte Weg: Die Ähnlichkeit zwischen der Prämisse und der Konklusion. Diese ist in Argument (b) höher als in Argument (a), weil Spatz und Amsel (anders als Strauße) beides kleine Singvögel sind und beide zu den typischen Vögeln gehören (s. Osherson et al., 1990, Phänomen 5).

 

Aufgabe 2 

Das zweite Paar lautete:

 

            a)         Rotkehlchen haben BCC im Blut.
                        =>        Gänse haben BCC im Blut.

            b)         Gänse haben BCC im Blut.
                        =>        Rotkehlchen haben BCC im Blut.

 

Als der sicherere Schluss wird hier in der Regel Argument (a) gewählt. Nach dem Similarity-coverage-Modell ist diesmal die direkte Ähnlichkeit zwischen Rotkehlchen und Gans in (a) und (b) gleich, aber Argument (a) hat die bessere Abdeckung über den indirekten Weg: Das Rotkehlchen ist als prototypischer Vogel der übergeordneten Kategorie Vögel ähnlicher als die Gans, und von typischen Vögeln wird leichter verallgemeinert als von untypischen (s. Osherson et al., 1990, Phänomen 8, und Heit, 2000, S. 573).

 

Aufgabe 3

Das letzte Paar lautete:

 

            a)         Wölfe können Stacheldraht durchbeißen.
                        =>        Schäferhunde können Stacheldraht durchbeißen.

            b)         Pudel können Stacheldraht durchbeißen.
                        =>        Schäferhunde können Stacheldraht durchbeißen.

 

Als der sicherere Schluss wird Argument (b) gewählt. Der Grund liegt darin, dass hier kausales Wissen eine Rolle spielt: Schäferhunde sind auf jeden Fall stärker als Pudel, aber nicht unbedingt stärker als Wölfe. Deshalb wird die Bissstärke mit größerer Sicherheit vom schwachen Pudel auf den starken Schäferhund verallgemeinert (s. Heit, 2000, S. 582), obwohl Pudel in Größe und Aussehen dem Schäferhund weniger ähnlich sind als Wölfe dem Schäferhund.

 

Literatur

Heit, E. (2000). Properties of inductive reasoning. Psychological Bulletin & Review, 7, 569–592.

Osherson, D. N., Wilkie, O., Smith, E. E., López, A. & Shafir, E. (1990). Category-based induction. Psychological Review, 97, 185–200.



 

Ihr Suchergebnis leitet Sie auf die Website www.testzentrale.de.