Allgemeine Psychologie - Denken und Sprache

Übungen zum 7. Kapitel


Übung 1

Gegeben sind fünf falsche Gleichungen der Streichholz-Arithmetik (aus Knoblich et al., 1999). Jede falsche Gleichung kann durch Umlegen eines Hölzchens in eine richtige Gleichung umgewandelt werden. Versuchen Sie zunächst, die Aufgaben selbst zu lösen:

 

 

Welche Aufgaben sollten nach der Schwierigkeitsanalyse von Knoblich et al. (1999) auf Seite 145 für eine Person, die solche Streichholzrätsel zum ersten Mal bearbeitet, eher leicht sein, welche mittelschwer und welche schwer?


Lösung zu Übung 1

Für eine Person, die keine Vorerfahrung mit streichholz-arithmetischen Rätseln hat, sollten die Aufgaben (1) und (5) dennoch eher leicht sein, weil bei der Umformung nur die Wertbeschränkung und ein loser Chunk betroffen sind:

 

 

Die Aufgaben (2) und (4) sollten mittelschwer sein, weil neben der Wertbeschränkung auch die Operatorbeschränkung und ein mittlerer Chunk betroffen sind:

 

 

Aufgabe (3) sollte am schwersten sein, weil neben der Operatorbeschränkung und einem mittleren Chunk auch die Tautologiebeschränkung betroffen ist:

 



Übung 2

Stellen Sie sich vor, eine wissenschaftliche Problemstellung würde von Personen alleine bearbeitet und von Paaren von Personen in Kooperation. Wer sollte mehr Hypothesen explorieren, sie besser begründen, breitere Evidenz suchen und deshalb insgesamt erfolgreicher sein – die Einzelpersonen oder die Paare? Begründen Sie Ihre Antwort in Analogie zum Selbsterklärungseffekt (Kapitel 6, Seite 133).


Lösung zu Übung 2

Okada und Simon (1997) verglichen Einzelpersonen und Paare von Personen in der Bearbeitung wissenschaftlicher Problemstellung und fanden einen Vorteil für Paare: Paare konstruierten und explorierten mehr Hypothesen, sie begründeten diese besser, sie versuchten häufiger, die Gültigkeit durch Erklärungen zu belegen, sie suchten breitere Evidenz und waren insgesamt erfolgreicher.

 

In Analogie zum Selbsterklärungseffekt ergibt sich die Überlegenheit von Paaren daraus, dass man in einer kooperativen Situation leichter auf Verständnis- und Wissenslücken stößt – nämlich eigene und fremde – und die kooperative Situation der natürlichen Erklärungssituation mit Fragen und Antworten entspricht. Hat der Partner eine Wissenslücke und man selbst hat das Wissen dazu, so kann man direkt eine Erklärung geben. Dabei ist zu überwachen, ob die Erklärung verstanden wird (Monitoring). Gegebenfalls muss nachgefragt werden, bis die Wissenslücke geschlossen ist. Hat man selbst dieselbe Wissenslücke wie der Partner, so kann man gemeinsam versuchen, eine Erklärung zu finden. Beides fördert die Umstrukturierung von Wissen, stößt Lernprozesse an und trägt so zum größeren Erfolg von Paaren bei.

 

Literatur

Okada, T. & Simon, H. A. (1997). Collaborative discovery in a scientific domain. Cognitive Science, 21, 109–146.



Übung 3

Viele Forscher präsentieren sich selbst inzwischen im Internet. Wählen Sie eine Forscherpersönlichkeit aus, deren Arbeiten in diesem Lehrbuch referiert werden und die Sie inhaltlich interessiert, und suchen Sie nach Informationen zu dieser Person. Was erfahren Sie über ihren wissenschaftlichen Werdegang? Zu welchen Themengebieten hat die Person bisher geforscht und gelehrt? Gibt es Hinweise auf besondere Forschungsmethoden, Leistungen, Produkte oder Publikationen? Gibt die Person auch Privates preis? Erstellen Sie aus dem Material, das Sie finden, ein kurzes Porträt dieser Person. Eventuell finden Sie sogar Informationen, die auf neue wissenschaftliche Einsichten schließen lassen.


Lösung zu Übung 3

Für diese Übung gibt es keine spezifischen Lösungshinweise.



Übung 4

Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und Stifte für eine Zeichnung. Stellen Sie sich vor, sie stießen irgendwo im Weltall auf einen anderen Planeten, der sehr verschieden von der Erde ist, und fänden dort ein Tier vor. Zeichnen Sie dieses Tier von vorne und von der Seite. Zeichnen Sie anschließend nochmals ein Exemplar derselben Art sowie ein Exemplar einer anderen Art von diesem Planeten. Werten Sie dann die drei Zeichnungen ihrer Tiere nach der Anleitung aus, die Sie bei den Lösungshinweisen zu diesem Kapitel finden.


Lösung zu Übung 4

In dieser Aufgabe galt es, kreativ zu sein, sich Tiere eines fremden Planeten vorzustellen und diese zu zeichnen.

 

Typischerweise findet man bei dieser Aufgabe, dass die gezeichneten Tiere in beträchtlichem Ausmaß Merkmale von Tieren auf der Erde aufweisen. Prüfen Sie zunächst, in welchem Umfang dies für Ihre Zeichnungen zutrifft. Sind die Tiere rechts-links symmetrisch in der Frontalansicht, haben sie Extremitäten wie Arme, Beine, Flügel oder Schwänze und haben sie Sinnesorgane wie Augen, Ohren, Nasen und Münder? Prüfen Sie dann, worin sich die zwei Exemplare derselben Art unterscheiden und welche Merkmale zwischen den Exemplaren der zwei verschiedenen Arten variieren. Welchen Bezug sehen Sie zum Geneplore-Modell?

 

Folgende Ergebnisse erhielt Ward (1994; Experiment 1) in einer solchen Studie: Von den zuerst gezeichneten Tieren waren 89 % rechts-links symmetrisch, 92 % hatten mindestens ein Sinnesorgan (Auge, Ohr oder Nase) und 84 % hatten mindestens eine Art von Extremität (Arme, Beine oder Flügel). Allerdings wiesen auch 65 % der gezeichneten Tiere mindestens einen Unterschied zu Tieren auf der Erde auf.

 

Die beiden Exemplare derselben Art wurden am häufigsten in der Größe variiert (in 54 % der Fälle), und nur selten in der allgemeinen Gestalt (11 %), den Extremitäten (16 %) oder den Sinnesorganen (24 %). Die Exemplare unterschiedlicher Arten variierten viel stärker, und zwar sowohl in der allgemeinen Gestalt (95 %), in den Extremitäten (76 %) und in den Sinnesorganen (59 %), am wenigsten noch in der Größe (40 %).

 

Die kreative Schaffung fiktiver Tiere basiert demnach auf einer Variation und Neukombination bereits bekannter Merkmale (Generieren und Repräsentieren) und ist eingeschränkt dadurch, welche Merkmale und Formen überhaupt als „tierisch“ gelten (Aufgabenanforderungen). Ähnliche Variationen kann man übrigens auch bei den Lebewesen in Science-Fiction-Filmen beobachten.

 

Literatur

Ward, T. B. (1994). Structured imagination: The role of category structure in exemplar generation. Cognitive Psychology, 27, 1–40.

 



 

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