Biologische Psychologie (2., akt. Aufl.)

Fragen zum 12. Kapitel


Frage 1

Welche genetischen Mechanismen entscheiden, ob ein Embryo männlich oder weiblich wird?


Antwort zu Frage 1

Das genetische Geschlecht wird durch die Anwesenheit des SRY-Gens (sex-determining region of the Y-chromosome) festgelegt. Es befindet sich normalerweise auf dem Y-Chromosom. Die Funktionsfähigkeit der Androgenrezeptoren hängt aber ebenfalls von gentischen Mechanismen ab. Wenn diese Rezeptoren nicht funktionsfähig sind, kann ein äußerlich weiblicher, genetisch aber männlicher Embryo entstehen.



Frage 2

Warum gibt es Geschlechtsunterschiede in der Häufigkeit der Rot-Grün-Schwäche?


Antwort zu Frage 2

Das Gen für die Erzeugung des Rot- und Grünpigments sitzt auf dem X-Chromosom. Männer haben nur ein solches Chromosom, Frauen zwei. Ein fehlerhaftes Rot- bzw. Grünpigmentgent kann bei Frauen durch das andere gesunde X-Chromosom ausgeglichen werden, bei Männern aber nicht. Dadurch haben Männer ca. zehnmal häufiger eine Rot-Grün-Schwäche als Frauen. Bei Frauen tritt dieses Defizit nur auf, wenn beide X-Chromosomen befallen sind.



Frage 3

Wenn das Allel für die Rot-Grün-Schwäche dominant statt re­zessiv wäre, wie wäre dann das Geschlechterverhältnis in der Häufigkeit für diese Störung?


Antwort zu Frage 3

Dann hätten Frauen häufiger die Rot-Grün-Schwäche, da sie durch ihre zwei X-Chromosomen die doppelte Chance haben, ein fehlerhaftes Rot-Grün-Gen zu erwischen.



Frage 4

Wie entsteht bei einer Androgenresistenz ein weiblicher Phänotyp bei einem männlichen Genotyp?


Antwort zu Frage 4

Bei der Androgenresistenz sind die Rezeptoren für Androgene nicht mehr funktionsfähig. Da ein Y-Chromosom vorliegt, besitzt die Person ein SRY-Gen und erzeugt embryonal das TDF-Protein. Dieses wandelt die primären Gonaden in Hoden um, sodass Androgene und das Anti-Müller-Hormon gebildet werden. Das Anti-Müller-Hormon löst die weiblichen inneren Geschlechtsorgane auf, die sich sonst aus dem Müller’schen Gang bilden würden. Die Androgene würden normalerweise an die Androgenrezeptoren des Wolff’schen Ganges binden und diesen an der Selbstauflösung hindern. Da diese Rezeptoren aber nicht funktionieren, löst sich auch der Wolff’sche Gang und somit große Teile der männlichen Geschlechtsorgane auf. Die äußeren Geschlechtsorgane besitzen ebenfalls Androgenrezeptoren. Wenn sie nicht aktiviert werden, entwickeln sie sich in die weibliche Form. Da die Androgene an diese Rezeptoren nicht binden können, entsteht somit auch äußerlich ein weibliches Baby. Später, wenn die Hoden in der Pubertät beginnen, größere Mengen von Testosteron zu produzieren, wird ein Teil dieses Hormons in Östradiol umgewandelt, welches zur Entwicklung breiter Hüften und einer weiblichen Brust führt.



Frage 5

Was sind der Müller’sche und der Wolff’sche Gang?


Antwort zu Frage 5

Müller’scher und Wolff’scher Gang sind embryonale Anlagen, die das Potenzial haben, sich jeweils in weibliche oder männliche Geschlechtsorgane zu verwandeln. Bei weiblichen Embryonen werden aus dem Müller’schen Gang die Vorläufer der weiblichen inneren Geschlechtsorgane (Eileiter, Uterus, Schleimhautfransen am Übergang vom Eierstock zum Eileiter sowie der innere Teil der Vagina). Bei männlichen Embryonen werden aus dem Wolff’schen Gang die Nebenhoden, der Samenleiter und die Bläschendrüse.



Frage 6

Welche kognitiven Unterschiede beobachtet man häufig zwischen Männern und Frauen?


Antwort zu Frage 6

Bei Männern gibt es deutliche Überlegenheiten in räumlichen Aufgaben, in denen Objekte im Geist mental rotiert werden müssen. In anderen räumlichen Aufgaben ist ihre Überlegenheit recht schwach ausgeprägt. Bei Frauen zeigt sich eine schwache bis moderate Überlegenheit in verschiedenen sprachlichen Testverfahren und in ihrer Wahrnehmungsgeschwindigkeit.



Frage 7

Durch welche Mechanismen lassen sich kognitive Geschlechtsunterschiede modifizieren?


Antwort zu Frage 7

Gesellschaftliche Faktoren, die selektive Übungseffekte oder Erwartungen erzeugen, können kognitive Leistungen verändern. Auch hormonelle Prozesse haben dieses Potenzial. Dadurch verändern sich kognitive Geschlechtsunterschiede während der Pubertät, während des Monatszyklusses, im Verlaufe des Alterns, oder im Rahmen von Hormonvergaben.



Frage 8

Wie verläuft die Entwicklung verschiedener Hirnregionen bei Männern und Frauen?


Antwort zu Frage 8

Die geschlechtstypische Veränderung des Gehirns kristallisiert sich vor allem am Zeitpunkt der Pubertät heraus. Der Anstieg von Testosteron bei Jungen führt zu einer Vergrößerung der Amygdala, sodass junge Männer am Ende der Pubertät eine größere Amygdala besitzen als junge Frauen. Für den Hippocampus hat Testosteron einen negativen und Östradiol einen positiven Einfluss auf das Größenwachstum. Dadurch besitzen am Ende der Pubertät junge Frauen einen größeren Hippocampus als junge Männer.



Frage 9

Was sind die Ergebnisse der Studien mit geschlechtstypischem Kinderspielzeug, das Affenkindern gegeben wird?


Antwort zu Frage

Auch Affenkinder zeigen ähnliche geschlechtstypische Präferenzen in der Wahl des Spielzeugs wie Menschenkinder. Dies macht es wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil der Geschlechtsunterschiede in der Spielzeugwahl biologische Wurzeln hat.



 

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