Biologische Psychologie (2., akt. Aufl.)

Fragen zum 5. Kapitel


Frage 1

Erläutern Sie die Anordnung des somatosensorischen Homunculus.


Antwort zu Frage 1

Der somatosensorische Homunculus liegt auf dem Gyrus postcentralis (primärer somatosensorischer Cortex). Der Fuß liegt am weitesten medial an der Mittellinie des Cortex. Dann kommen die Beine, das Geschlecht, Rumpf, Arme und Hände. Danach kommt das Gesicht (zuerst die Stirn, zuletzt das Kinn). Danach kommen die Zunge und die Eingeweide. Vergrößert sind die Hände sowie Zunge und Lippen.



Frage 2

Wie konvergiert unser Gehirn Gerüche in ein Aktivierungsmuster?


Antwort zu Frage 2

Wir besitzen 350 verschiedene Geruchsrezeptoren, die jeweils nur einen Geruchsstoff wahrnehmen. Diese Rezeptoren sitzen in den olfaktorischen Zellen unserer Riechschleimhaut. Wenn wir einen Duft wahrnehmen, der z. B. aus 50 Duftkomponenten besteht, werden nur diejenigen olfaktorischen Zellen aktiviert, die einen dieser 50 Geruchsrezeptoren besitzen. Die Axone dieser Zellen transportieren dann die Aktivierung in ihre jeweiligen Glomeruli des Bulbus olfactorius (Riechkolben). In jedem Glomerulus enden nur die Fasern eines Riechrezeptortyps. Bei 50 Geruchskomponenten kommt es also zur Aktivierung von 50 verschiedenen Geruchsrezeptortypen in unserer Nasenschleimhaut und somit zur Aktivierung der entsprechenden Glomeruli. Die gleichzeitige Aktivierung dieser Glomeruli erzeugt ein räumlich verteiltes Muster innerhalb unseres Bulbus olfactorius. Dieses Aktivitätsmuster ist die geruchliche Landschaft in unserem Riechkolben, die von unserem Gehirn als Muster identifiziert wird.



Frage 3

Welche Cortexarealtypen gibt es und wie funktionieren sie?


Antwort zu Frage 3

Primär sensorische Areale: Hier wird die für den sensorischen Kanal typische sensorische Information noch sehr wenig aufgearbeitet repräsentiert. Verletzungen dieser Areale führen zu Defiziten in der Wahrnehmung dieses Sinns.

Assoziative-sensorisch Areale: Die primär sensorischen Areale projizieren zu ihren jeweiligen assoziativ-sensorischen Arealen, wo aus unverarbeiteten sensorischen Elementen echte Objektrepräsentationen dieser Sensorik entstehen. Läsionen dieser Bereiche haben zur Folge, dass Patienten einfache sensorische Leistungen (z. B. Farberkennung, Geräuschlokalisation) gelingen, sie aber Objekte in der jeweiligen Modalität nicht mehr erkennen können.

Multimodale Areale: Diese entstehen durch Zusammenschalten der Informationsströme verschiedener Modalitäten. Die größten multimodalen Areale liegen im Temporal-, Parietal- und Frontalcortex. Hier entstehen Wort- und Raumverarbeitungen sowie Handlungsplanungen. Läsionen dieser Regionen führen zu Defiziten in den jeweiligen kognitiven Leistungen.

Prämotorische Areale: Die Assoziationsareale können bei einer Handlungsintention die prämotorischen Areale aktivieren. Diese wählen Handlungsoptionen aus. Läsionen dieser Areale führen dazu, dass auf Kommando diese Handlungen nicht mehr ausgeführt werden können, aber spontan durchaus noch produziert werden.

Primär motorische Areale: Die prämotorischen aber auch die multimodalen Areale projizieren zum primären motorischen Cortex. Von hier führt die Pyramidenbahn in das Rückenmark, um Handlungen zu initiieren. Läsionen des primär motorischen Areals führen zu Lähmungen in den contralateralen Extremitäten.



Frage 4

Was ist der Unterschied zwischen apperzeptiver und assoziativer Agnosie?


Antwort zu Frage 4

Eine apperzeptive Agnosie resultiert aus einer Verletzung im posterioren Bereich des visuellen Assoziationsareals des Temporalcortexes. Die Patienten erkennen keine Gegenstände und können sie auch nicht abzeichnen, wohl aber Gegenstände aus dem Gedächtnis zeichnen. Bei einer assoziativen Agnosie liegt die Läsion etwas weiter im vorderen Bereich des visuellen Assoziationsareals des Temporalcortexes. Hierbei können die Patienten ebenfalls keine Objekte erkennen, wohl aber Gegenstände abzeichnen.



Frage 5

Wieso konnte Frau Buchner sich problemlos zwischen Möbeln bewegen ohne sie anzustoßen?


Antwort zu Frage 5

Bei Frau Buchner ist der primäre visuelle Cortex intakt (primäre visuelle Eindrücke werden verarbeitet) und ihr dorsaler visueller Pfad in den Parietalcortex ist weitestgehend funktionsfähig (räumliche Orientierung gelingt).



Frage 6

Was ist Blindsehen und wie testet man es?


Antwort zu Frage 6

Blindsehen bezeichnet die Fähigkeit, Objekte zu lokalisieren und sie zu begreifen, obwohl die betroffene Person keine bewusste Repräsentation des Gesehenen besitzt und sich als blind empfindet. Die Läsion umfasst i. d. R. den okzipitalen Cortex mit dem Brodmann-Areal 17. Wahrscheinlich wird das Blindsehen durch die retinale Projektion über den Superior colliculus des Mittelhirns zum thalamischen Pulvinar und von dort zu visuellen corticalen Arealen außerhalb des Areals 17 geleistet.



Frage 7

Wie erfolgt eine Aufmerksamkeitsverschiebung auf thalamischer Ebene?


Antwort zu Frage 7

Eine Aufmerksamkeitsverschiebung auf einen bisher nicht beachteten Stimulus führt zur Aktivierung der corticalen Repräsentation dieses Reizes. Dies führt durch die absteigenden corticalen Projektionen in den Hirnstamm zu einer Aktivierung der cholinergen Zellen, die in dem Thalamusbereich, in dem dieser Stimulus verarbeitet wird die GABAergen Interneurone hemmt und das zum Cortex projizierende Thalamusneuron aktiviert. Somit führt die corticale Aktivierung bestimmter Bereiche des Hirnstamms zu einer Verschiebung der thalamo-corticalen Signalweiterleitung in Richtung des neu zu beachtenden Reizes.



Frage 8

Was ist ein Homunculus?


Antwort zu Frage 8

Ein Homunculus bezeichnet die Repräsentation des Körpers auf dem somatosensorischen bzw. motorischen Cortex. Diese Repräsentation ist verzerrt, sodass die Hände sowie Lippen und Zunge grotesk vergrößert sind.



Frage 9

Wieso spielt der Parietalcortex bei arithmetischen Denkprozessen eine wichtige Rolle?


Antwort zu Frage 9

Der Parietalcortex spielt eine wichtige Rolle bei der Repräsentation des Raumes. Wir repräsentieren Zahlen als eine mentale Reihe, also als einen Zahlenstrahl. Dafür transformieren wir Zahlen in aufsteigende räumliche Positionen. Durch die Spezialisierung des Parietalcortexes auf räumliche Verarbeitungen entsteht somit auch eine Dominanz für Arithmetik. 



 

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