Biologische Psychologie (2., akt. Aufl.)

Fragen zum 8. Kapitel


Frage 1

Welche nicht deklarativen Gedächtnistypen gibt es und welche Hirnregionen sind für die einzelnen Gedächtnisarten relevant?


Antwort zu Frage 1

Bei den nicht deklarativen (impliziten) Gedächtnistypen werden das prozedurale Gedächtnis, die Bahnung und die klassische Konditionierung unterschieden. Bei der Bahnung unterscheidet man zudem perzeptuelle und konzeptuelle Bahnung. Für das prozedurale Gedächtnis sind die Basalganglien relevant. Bei der perzeptuellen Bahnung spielen die sensorischen Assoziationsareale des Cortexes eine wichtige Rolle. Bei der konzeptuellen Bahnung sind der präfrontale Cortex sowie die Zugangsstrukturen zum Hippocampus von Bedeutung. Das Gedächtnis für die klassische Konditionierung entsteht in den Überlappungszonen des CS und des UCS. Bei der Lidschlagkonditionierung ist dies z. B. das Kleinhirn.



Frage 2

Was sind die Hauptunterschiede zwischen prozeduralem und deklarativem Gedächtnis?


Antwort zu Frage 2

Prozedurales Gedächtnis   

  • schwierig zu beschreiben
  • kann ohne Beteiligung des Bewusstseins erworben und ausgeführt werden
  • braucht Übung  
  • entsteht durch die Interaktion von Cortex und Basalganglien


Deklaratives Gedächtnis

  • verbal vermittelbar
  • geht sowohl beim Lernen als auch beim Abrufen mit einer Bewusstseinsbeteiligung einher
  • kann in einem einzigen Ereignis erworben werden
  • entsteht durch die Interaktion von Cortex und Hippocampus


Frage 3

Welche drei Stufen durchläuft der Konsolidierungsprozess des prozeduralen Gedächtnisses?


Antwort zu Frage 3

Die erste Phase ist die kognitive Stufe, in der wir Instruktion brauchen, uns auf Details konzentrieren müssen und eine Bewusstseinsbeteiligung benötigen. Die zweite Phase ist die assoziative Stufe, in der wir die Instruktion aus unserem deklarativen Gedächtnis abrufen können, aber ansonsten agieren wie in der kognitiven Stufe. Die dritte und letzte Phase ist die autonome Phase, in der wir ohne Bewusstseinsbeteiligung in einem automatisierten Ablauf die Handlungen durchführen.



Frage 4

Was sind die neuralen Prozesse, die während des Lernens einer prozeduralen Aufgabe ablaufen?


Antwort zu Frage 4

Striatumneurone sind bei allen Handlungen beteiligt. Das Striatum wird massiv von dopaminergen Fasern innerviert. Die Freisetzung von Dopamin im Striatum wird reduziert, wenn das Ergebnis der Handlung schlechter war als erwartet. Ist das Ergebnis aber besser als erwartet, erhöht sich die Dopaminfreisetzung im Striatum. Diese sofortige positive oder negative dopaminerge Rückmeldung stärkt die gerade aktiven Synapsen bei Erfolg oder schwächt sie bei Misserfolg. Somit ermöglichen die dopaminergen Rückmeldungen immer bessere Prädiktionen der eigenen Handlungen. Die Zellen des Striatums lernen die erfolgreiche Handlung schneller und fungieren als „Lehrer“ für den Cortex. Langsam entsteht somit im Kreislauf zwischen Cortex und Basalganglien das Gedächtnis für eine Handlung, die wir von nun an in automatisierter Form abrufen können, während unser Bewusstsein anderen Gedanken nachhängt.



Frage 5

Warum sind Parkinson-Patienten bei prozeduralen Aufgaben gestört?


Antwort zu Frage 5

Bei Parkinson-Patienten kommt es zum Tod der Dopaminneurone im Mittelhirn. Dadurch kann die Rückmeldung über die Güte der eigenen Handlung an das Striatum nicht mehr erfolgen.



Frage 6

Wie funktioniert der Gollin-Figurentest und was passiert in welchen Arealen des Gehirns einer Versuchsperson, die diesen Test durchläuft?


Antwort zu Frage 6

Beim Gollin-Figurentest wird ein immer weniger fragmentierter Stimulus mehrfach dargeboten, bis sich eine Gedächtnisspur für diesen Reiz etabliert hat. Nach einer längeren Pause wiederholt man den Versuch. Diesmal wird typischerweise beobachtet, dass die Versuchspersonen die gesuchten Gegenstände in einer wesentlich früheren und somit unvollständigeren Version erkennen können. Das heißt, es hat sich ein perzeptuelles Gedächtnis für diese Objekte gebildet. Dieses Gedächtnis bildet sich hauptsächlich in den assoziativen sensorischen corticalen Arealen.



Frage 7

Wie funktioniert konzeptuelle Bahnung und welche Hirnregionen sind hierbei relevant?


Antwort zu Frage 7

Bei der konzeptuellen Bahnung dient der wiederholt präsentierte Bahnungsreiz dazu, eine bestimmte Begriffskategorie und ihre Inhalte zu aktivieren. Nach einer Weile erkennen Versuchspersonen eher Objekte, die zu dieser Kategorie gehören. Kritische Hirnregionen sind der Präfrontalcortex und die Zugangsregionen zum Hippocampus.



Frage 8

Erläutern Sie die Hirnmechanismen der klassischen Konditionierung am Beispiel der Lidschlagkonditionierung.


Antwort zu Frage 8

Der Ton der Lidschlagkonditionierung (der CS+), wird über die Moosfasern der pontinen Kerne an den Nucleus interpositus und die Körnerzellen der Kleinhirnrinde übermittelt. Die Körnerzellen bilden mit ihren Axonen die sog. Parallelfasern, die Synapsen auf den Dendriten der Purkinjezellen bilden. Auch die inferiore Olive projiziert zum Cerebellum. Der Luftstoß auf das Auge (UCS) wird den Zellen der inferioren Olive übermittelt, die mit ihren Axonen die Kletterfasern bilden. Diese Fasern bilden sehr starke Synapsen, die das postsynaptische Neuron zum Feuern bringen. Kletterfasern bilden Synapsen auf den Neuronen des Nucleus interpositus sowie auf dem Soma und den Dendriten einer einzigen Purkinjezelle. Purkinjezellen sind inhibitorisch. Das heißt, wenn sie feuern, schweigen die Neurone des Nucleus interpositus. Wenn CS+ und UCS vergeben werden, sind Moosfasern und Kletterfasern gleichzeitig aktiv. Es kommt dadurch zu einer lernabhängigen Verstärkung der Moosfaser- und Parallelfasersynapsen auf denjenigen Nucelus-interpositus-Neuronen und Purkinjezellen, die simultan von den Kletterfasern aktiviert werden. Als Folge werden genau diese Purkinjezellen gehemmt, wenn in Zukunft der CS+ auftaucht. Da die Purkinjezellen normalerweise die Neurone des Nucelus interpositus hemmen, führt somit die Vergabe des CS+ zu einer Aktivierung der Nucleus-interpositus-Neurone. Dies wiederum führt zu einer Aktivierung des Hirnstammkerns, der den Lidschluss auslöst.



 

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