Diagnostische Erhebungsverfahren

Fragen zum 2. Kapitel


Frage 1

Welche Merkmale weist der „eng gefasste Entwicklungsbegriff“ auf?


Antwort zu Frage 1

Die Entwicklungsdiagnostik orientiert sich an einem eng gefassten Entwicklungsbegriff, wobei sich die Erhebung des Entwicklungsstandes eines Kindes an folgenden Prinzipien orientieren muss:

  1. 2.    Sequenzialität (Veränderung vollzieht sich in geordneter Abfolge von Stufen/Stadien),
  2. 3.    Irreversibilität (Abfolge dieser Schritte ist nicht umkehrbar),
  3. 4.    Unidirektionalität (Veränderungen verlaufen in eine Richtung),
  4. 5.    Universalität (bei allen Menschen weitgehend identische Entwicklungsverläufe, die sich aber im Entwicklungstempo unterscheiden) und
  5. 6.    Strukturalismus (bei jeder neuen Entwicklungsstufe ergeben sich im Vergleich zur vorangegangenen Stufen qualitativ-struktureller Veränderungen).


Frage 2

Was versteht man unter Meilensteinen der Entwicklung?


Antwort zu Frage 2

Das Meilensteinkonzept beinhaltet Fähigkeiten, die die Mehrheit der Kinder einer definierten Altersgruppe bereits beherrschen. Damit erfolgt eine Orientierung an der „typischen“, „durchschnittlichen“ Entwicklung.



Frage 3

Auf welche Entwicklungsbereiche beziehen sich Entwicklungstests?

Nennen Sie Beispiele für Fertigkeiten, die diesen Bereichen zugeordnet sind.


Antwort zu Frage 3

Entwicklungstests greifen typischerweise die folgenden Entwicklungsbereiche auf:

  • •    Körpermotorik (Grobmotorik; z.B. Kopf- und Rumpfkontrolle, Gehen und Laufen, Balance, Koordination bei komplexen Bewegungsabläufen, Ballfertigkeiten),
  • •    Handmotorik (Feinmotorik, Visuomotorik; z.B. zielgerichtetes Greifen, dosiertes Loslassen, Handhabung von Materialien und Gegenständen, Stiftfertigkeiten),
  • •    Wahrnehmung (z.B. visuell: Erkennen von Farben, Formen, Figur-Grund-Diskriminierung; auditiv: Unterscheiden von Geräuschen oder Lauten; taktil: Erkennen und Unterscheiden von Formen durch Erfühlen),
  • •    Kognitive Entwicklung (z.B. Gedächtnis, Lernen, schlussfolgerndes Denken, Handlungsstrate-gien, Kategorisieren, Zahl- und Mengenverständnis; Symbol- bzw. Als-ob-Spiele),
  • •    Sprachentwicklung (z.B. Sprachverständnis, Laut-, Wort und Satzproduktion, Grammatik),
  • •    Sozial-emotionale Entwicklung (z.B. Umgang mit anderen Personen, emotionale Regulation),
  • •    Lebenspraktische Fertigkeiten (z.B. Nahrungsaufnahme, Kleidung, Hygiene, Umgang mit All-tagsgegenständen, Verhalten in alltäglichen Situationen).


Frage 4

Wodurch unterscheiden sich allgemeine und spezifische Entwicklungstests?


Antwort zu Frage 4

Bei einem allgemeinen Entwicklungstest wird versucht, möglichst alle wesentlichen Bereiche der Entwicklung abzubilden. In einem spezifischen Entwicklungstest  wird nur ein Merkmal (z.B. die Sprachentwicklung) erfasst.



Frage 5

Nennen Sie einige wichtige Entwicklungsbereiche, für die spezifische Entwicklungstests erstellt wurden.


Antwort zu Frage 5

Spezifische Entwicklungstests gibt es vor allem für den Bereich der Sprachentwicklung, sie finden sich jedoch auch für die Bereiche Motorik und Wahrnehmung. Sie liefern im Vergleich zu einem allgemeinen Entwicklungstest besonders aussagekräftige Hinweise für die Planung von Förder- und Therapieprogrammen.



Frage 6

Was versteht man unter einem Entwicklungsscreening?


Antwort zu Frage 6

In einem Entwicklungsscreening werden einzelne Entwicklungsbereiche mit wenigen, aber besonders aussagekräftigen Aufgaben überprüft. Dabei können die Ergebnisse entweder mit einem vorab festgelegten Kriterium (Leistungs- oder Kompetenzniveau) verglichen werden oder es kann im Sinne eines kategorialen Ansatzes entschieden werden, ob eine Auffälligkeit vorliegt oder nicht (ja vs. nein).  Die Testleistungen können aber auch nach dem Grad ihrer Ausprägung bewertet werden, dann spricht man von dimensionaler Diagnostik.
Der Vorteil eines Entwicklungsscreenings liegt in seiner kurzen Durchführungszeit. Daher eignet sich dieser Test vor allem auch in der Früherkennung, um eine Risikoabschätzung für Entwicklungsbeeinträchtigungen vornehmen zu können. Auf der Basis eines Screeningbefunds allein kann noch keine Diagnosestellung erfolgen. Wird ein auffälliges Ergebnis erzielt, ist der Befund über eine differenzierte Untersuchung zu überprüfen. Dem Entwicklungsscreening kommt somit in der Früherkennung von Entwicklungsstörungen eine Filterfunktion zu.



Frage 7

Benennen Sie Merkmale der drei Testformen, auf denen alle Entwicklungstests beruhen.


Antwort zu Frage 7

Entwicklungstests lassen sich folgenden Testformen zuordnen: Stufenleiterverfahren, Testbatterien und Inventare.
Den Stufenleiterverfahren liegt die Vorstellung einer hierarchisch-linear strukturierten Entwicklung zugrunde. Daher werden die Testaufgaben innerhalb eines Entwicklungsbereichs nach der Reihenfolge des Altersdurchschnitts geordnet. Stufenleiterverfahren sind sehr übersichtlich, aber es ist nicht ausreichend belegt, ob die nach dem gemittelten Alterstrend geordnete Aufgabenfolge auch notwendige Entwicklungsschritte und klinisch aussagekräftige Entwicklungssequenzen abbilden kann, da die individuelle Entwicklung eines Kindes innerhalb der Aufgabenfolge häufig hoch variabel verläuft.


Testbatterien setzen sich aus homogenen Untertests zusammen. In einem Untertest werden dem Kind gleichartige, meist nach altersspezifischen Schwierigkeiten angeordnete Aufgaben vorgelegt.
Inventare wollen möglichst umfassend entwicklungsrelevante Leistungsmerkmale eines Kindes abbilden. Daher erfolgt eine inhaltlich weit gefasste Zusammenstellung von Testaufgaben. Inventare können die Variabilität normaler Entwicklung besser berücksichtigen als Stufenleiterverfahren.



Frage 8

Erläutern Sie den Einsatz von Entwicklungstests in der Medizin und Pädagogik.


Antwort zu Frage 8

Entwicklungstests können die medizinische Diagnostik in verschiedenen medizinischen Bereichen ergänzen. Es können Hinweise auf körperliche Erkrankungen oder funktionelle neurologische Beeinträchtigungen gewonnen werden, deren medizinischer Nachweis oft nicht oder nur mit großem apparativen Aufwand möglich ist.

Es ist aber auch möglich, Entwicklungspotenziale zu beschreiben und Entwicklungsprognosen zu formulieren, um konkrete Förderziele zu definieren und optimale Fördermaßnahmen zu verordnen. Der Verlauf der Förderung lässt sich durch den wiederholten Einsatz von Entwicklungstests durch den Kinderarzt abbilden.

In der Früh- und Sonderpädagogik stellen die Diagnostik von „Behinderungen“ und die Abschätzung der Förderpotenziale einen wichtigen Schwerpunkt dar.

Zunehmend werden auch Entwicklungstest-Ergebnisse für die Feststellung einer Behinderung herangezogen. Die Diagnose einer „Behinderung“ ist in Deutschland maßgeblich für die Art, die Dauer und den Umfang einer Förderleistung. Um einen Förderplan zu erstellen, wird eine belastbare Entwicklungsprognose vorausgesetzt. Über die Förderdauer hinweg ist zudem die Kontrolle von Entwicklungsverläufen erforderlich. Hierfür eignen sich wiederum Entwicklungstests vor allem deshalb, weil sie neben der Beschreibung einer quantitativen Leistungszunahme auch qualitative Entwicklungsfortschritte darstellen können.



 

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