Diagnostische Erhebungsverfahren

Fragen zum 7. Kapitel


Frage 1

Welche Vorteile liegen in einer ressourcenorientierten Diagnostik?


Antwort zu Frage 1

Ressourcen können auch als Schutzfaktoren oder Resilienzen bezeichnet werden.

Ressourcen helfen dabei, alltägliche und lebensphasenspezifische Herausforderungen zu bewältigen. Sie lassen sich in personen- und umweltbezogene Ressourcen untergliedern. Zu den personenorientierten Ressourcen zählen u.a. positive Temperamentsmerkmale, hohe Anstrengungsbereitschaft, Selbstständigkeit beim Lernen oder spezifische Fähigkeiten und Fertigkeiten. Umweltbezogene Ressourcen beziehen sich u.a. auf die Unterstützung innerhalb und außerhalb der Familie oder auf sozioökonomische Faktoren.

Im Rahmen diagnostischer Erhebungsverfahren können Ressourcen in unterschiedlicher Weise operationalisiert werden. Ein ressourcenorientiertes Erhebungsverfahren, das auf den Schulkontext ausgerichtet ist, stellt die Lehrereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten dar. Mit diesem Verfahren können Lehrkräfte schulbezogenes Sozial- und Lernverhalten von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 19 Jahren einschätzen.



Frage 2

Welche Dimensionen sind bei der Erfassung der Leistungsmotivation wichtig?


Antwort zu Frage 2

Will man Leistungsmotivation genauer bestimmen, muss man vorher klären, welche Aspekte differenziert erfasst werden sollen. Es muss geklärt werden, ob Leistungsmotivation aus mehreren Komponenten oder Dimensionen  besteht und wie diese erhoben werden  können. Diese Frage ist aktuell schwer zu beantworten. So wurde in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl unterschiedlicher Theorien und Konzepte entwickelt, die bisher jedoch unzureichend integriert sind.

Im Folgenden sollen einige Beispiele angeführt werden, wie man im Kontext der pädagogisch-psychologischen Diagnostik Leistungsmotivation anhand einer Schülerbefragung (also durch Selbstbeurteilungsverfahren) erheben kann.



Frage 3

Nennen Sie wichtige Schritte des diagnostischen Prozesses bei der Abklärung einer Rechenstörung.


Antwort zu Frage 3

Besteht bei Rechenproblemen der Verdacht auf das Vorliegen einer Rechenstörung, wird eine ausführliche multimodale Diagnostik zur Feststellung eines Förderbedarfs zwingend notwendig.

Dazu wird eine Unterteilung der Diagnostik in drei zeitlich aufeinander aufbauende Ebenen vorgenommen, wobei anhand der Erkenntnisse aus einer Ebene stets über die Weiterführung der Diagnostik entschieden werden kann.

Ebene 1: Anamnese und Exploration. Auf der ersten Ebene geht der Diagnostiker der Frage nach, ob es überhaupt begründete Hinweise auf das Vorliegen einer Rechenstörung gibt. Liegen ausreichend Hinweise für das Vorliegen einer Rechenstörung vor, kann mit der Vereinbarung einer Basisdiagnostik die zweite Diagnostikebene eingeleitet werden.

Ebene 2: Basisdiagnostik. Durch den Einsatz standardisierter diagnostischer Erhebungsverfahren werden die auf Ebene 1 gewonnenen Hinweise quantifiziert. Dies geschieht durch den Einsatz eines Intelligenztests und standardisierter Rechentests zur Beurteilung der Rechenleistung sowie Lese- und Rechtschreibtests zur Beurteilung anderer Lernleistungen. Darüber hinaus sollten Informationen zur sozialen, motivationalen und emotionalen Situation des Kindes eingeholt werden.

Ebene 3: Differenzialdiagnostik. Liegen Hinweise auf weitere, mit der Rechenleistung in Verbindung stehende Funktionsbeeinträchtigungen (wie z.B. Störung des Arbeitsgedächtnisses, Aufmerksam-keitsstörung) vor, sollten spezifische diagnostische Erhebungsverfahren durchgeführt werden.

Ebene 4: Umfassendes Befundgespräch. Nach Abschluss der Ebenen 1 bis 3 erfolgt ein umfassendes Befundgespräch mit den Eltern, wobei die durchgeführten Tests ausführlich beschrieben und ihre Ergebnisse für die Eltern nachvollziehbar besprochen werden. Dem schließt sich eine störungsspezifische Beratung und eine Empfehlung für das weitere Vorgehen an.



Frage 4

Wann sind mit Schulnoten reliable Aussagen möglich?


Antwort zu Frage 4

Eine hohe Reliabilität innerhalb der Notenvergabe liegt dann vor, wenn zwischen wiederholten Bewertungen und Beurteilungen eine hohe Übereinstimmung herrscht.

Wenn ein Schüler in einem Test, den er zweimal hintereinander durchführt, beide Male dasselbe Ergebnis erzielen würde, kann man von hoher Reliabilität sprechen. Die Reliabilität in einer Prüfungssituation kann allerdings durch verschiedene Faktoren gemindert werden. Dazu gehören u.a. Zufall, Konzentrationsmangel, Motivation, Wohlbefinden.



Frage 5

Was versteht man unter Schulleistungstests und nennen Sie einige Beispiele.


Antwort zu Frage 5

Schulleistungstests stellen standardisierte, psychometrische Verfahren dar. Damit kann der Leistungsstand von Schülern bezogen auf unterschiedliche schulische Gebiete (z.B. Lesen, Rechtschreiben, Rechnen) erfasst werden.

Schulleistungstests sind auf ihre Testgütekriterien (Objektivität, Reliabilität, Validität) hin geprüft worden. Sie liefern Bewertungsmaßstäbe, mit deren Hilfe individuelle Testergebnisse mit den Leistungen einer Vergleichsgruppe (normorientierte Tests) oder einem Kriterium (kriteriumsorientierte Tests) verglichen werden können.

Die Ergebnisse von Schulleistungstests sind nicht beeinflusst vom Leistungsniveau der Klasse, Schule oder Schulform. Lehrereinschätzungen oder Lernzielkontrollen orientieren sich dagegen eher am Leistungsstand der Klasse. Schulleistungstests liefern daher zuverlässigere Aussagen über den Leistungsstand der Schüler.
Beispiele für Schulleistungstests sind der Deutsche Mathematiktest für dritte Klassen (DEMAT 3+), die Hamburger Schreib-Probe (HSP 1-10), das Salzburger Lese-Screening für die Klassenstufen 5-8 (SLS 5-8) oder der Würzburger Lesestrategie-Wissenstest für die Klassen 7-12 (WLST 7-12).



Frage 6

Welche nicht kognitiven Merkmale beeinflussen Begabungspotenziale?


Antwort zu Frage 6

Welche Leistung tatsächlich gezeigt wird, hängt von verschiedenen motivationalen und emotionalen Faktoren ab. Darüber hinaus spielen Persönlichkeitsmerkmale wie Ausdauer, Belastbarkeit und Frustrationstoleranz eine Rolle.

Verschiedene nicht kognitive Merkmale wie Interesse, Motivation, Leistungsbereitschaft, Selbstkonzept oder Prüfungsangst haben einen Einfluss darauf, wie Begabung in Leistung umgesetzt werden kann.



Frage 7

Kann man eine Diagnose „Hochbegabung“ schon im Vorschulalter stellen und welche Probleme treten dabei auf?


Antwort zu Frage 7

Bei der Diagnosestellung im frühen Kindesalter ist Vorsicht geboten. Nur wenige Kinder, die im Alter von 4 Jahren einen IQ ≥ 130 erzielt haben, konnten dieses Ergebnis bei Re-Testungen im Schulalter wiederholen.

Es finden sich zwar eine relativ hohe Stabilität und gute langfristige Prognosemöglichkeiten der Intelligenzentwicklung ab etwa dem 6. Lebensjahr, dennoch weist der IQ in der frühen Entwicklung eine geringe Merkmalsstabilität auf. Die Gründe liegen auch in altersbedingten Veränderungen in den kognitiven Fähigkeiten.

Da eine frühe Hochbegabungsdiagnose zu überzogenen Erwartungen führen kann und gleichzeitig auch die Tendenz begünstigt, soziale Schwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten auf die vermeintlich außergewöhnliche kognitive Leistungsfähigkeit zurückzuführen, sollte man bei jungen Kindern besser von kognitiven Entwicklungsvorsprüngen als von Hochbegabung sprechen.



 

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