Differentielle Psychologie - Persönlichkeitstheorien

Kapitelübersicht


Kapitel 1

Einführung


Zusammenfassung

Das grundsätzliche Ziel von Persönlichkeitstheorien besteht in einer umfassenden Beschreibung und Erklärung der menschlichen Natur sowie der Einzigartigkeit des Individuums. Diese Einzigartigkeit kann sowohl mit der individuellen genetischen Ausstattung als auch mit den individuellen Erfahrungen, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens macht, in Verbindung gebracht werden. Als Vorläufer der heutigen Persönlichkeitspsychologie kann die Temperamentslehre von Hippokrates sowie deren Weiterentwicklung, z. B. durch Immanuel Kant und Wilhelm Wundt, betrachtet werden. Vorwissenschaftliche Methoden zur Persönlichkeitsdiagnostik stellen sogenannte psychognostische Verfahren wie die Physiognomik, die Phrenologie und die Grafologie dar, die aufgrund ihrer methodischen Mängel in der modernen Persönlichkeitsforschung keine Verwendung mehr finden.

 

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Kapitel 2

Freuds psychoanalytische Theorie der Persönlichkeit


Zusammenfassung

Psychoanalyse ist nicht nur die Wissenschaft vom Unbewussten, sondern stellt gleichzeitig eine Methode zur Erforschung der tieferen Schichten der Seele und eine Methode zur Behandlung nervöser Erkrankungen dar. Die grundlegenden Hypothesen der Psychoanalyse sind das Prinzip der psychischen Determiniertheit sowie die Annahme, dass uns die Motive unseres Verhaltens meist nicht bewusst sind. Die Struktur der Persönlichkeit wird von den drei Instanzen Es, Ich und Über-Ich gebildet, wobei dem Ich die Rolle des Vermittlers zwischen den Erfordernissen der Umwelt, den Triebimpulsen des Es sowie den Forderungen des Über-Ichs zukommt. Droht das Ich durch einen starken Ansturm von Reizen aus der Umwelt, dem Es oder dem Über-Ich überwältigt zu werden, entsteht Angst, die je nach Art des Konflikts als Realangst, neurotische Angst oder moralische Angst bezeichnet wird. Als eine Möglichkeit des Ichs, mit der Angst fertig zu werden, stehen ihm verschiedene Abwehrmechanismen zur Verfügung. Die psychosexuelle Entwicklung der Persönlichkeit verläuft in Stufen, wobei die Bewältigung des Ödipuskomplexes während der phallischen Phase zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr von ganz besonderer Bedeutung ist. Durch Fixierung oder Regression kann es zur Manifestation von Persönlichkeitsmerkmalen kommen, die als symptomatisch für die jeweilige psychosexuelle Entwicklungsstufe betrachtet werden können. Obwohl die Psychoanalyse bis heute einen nachhaltigen Einfluss auch auf die Persönlichkeits- und Differentielle Psychologie hat, gibt es zahlreiche Vorbehalte und Kritikpunkte gegenüber Freuds Theorie.

 

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Kapitel 3

Psychoanalytische Ansätze in der Zeit nach Freud


Zusammenfassung

Unter den vielen Entwicklungslinien innerhalb der Psychoanalyse in den Jahrzehnten nach Freud sind zwei Entwicklungen für die Persönlichkeitspsychologie von besonderer Bedeutung. In beiden Fällen steht der Einfluss von kognitiven Schemata, die weitgehend implizit oder nicht bewusst ihre Wirkung auf das Verhalten entfalten, im Mittelpunkt.

 

Die erste Entwicklung bezieht sich auf den Stellenwert der frühen Beziehungserfahrungen des Kindes und ihre Folgen für das Selbstkonzept, das Selbstwertgefühl und seine Erwartungen an andere. Alfred Adler hat vor allem den pädagogischen Einfluss der Eltern auf kindliche Gefühle der Minderwertigkeit und Schwäche betont. Heinz Kohut interpretiert die frühen Beziehungserfahrungen im Lichte des Narzissmus und beschreibt die Bedingungen, unter denen ein stabiles Selbstwertgefühl entstehen kann. Im Mittelpunkt der Bindungstheorie stehen kognitive Schemata (working models), die die frühkindlichen Bindungserfahrungen repräsentieren und in Form von Bindungsstilen die späteren Beziehungen einer Person sowie ihren Umgang mit emotionalen Belastungen prägen. In allen Fällen gilt eine sensible Zuwendung der Eltern bzw. der frühen Bezugspersonen, die auf die kindlichen Bedürfnisse nach Sicherheit, Schutz und Wertschätzung eingehen, als Voraussetzung für eine ungestörte Entwicklung der Persönlichkeit.

 

Die zweite Entwicklung betrifft die Rolle der Abwehrmechanismen und damit die Annahme, dass Erfahrungen, die eine Bedrohung für eine Person und insbesondere ihr Selbstkonzept darstellen, nicht nur durch bewusste Strategien, sondern auch durch nicht bewusste, defensive Prozesse bewältigt werden. Die Bedeutung defensiver Prozesse wird vor allem in Forschungsarbeiten zum Selbstkonzept und zur Emotionsregulation untersucht, dabei in der Regel nicht unter der alten Bezeichnung der Abwehrmechanismen nach Freud, sondern unter neuen Namen.

 

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Kapitel 4

Behavioristische Ansätze


Zusammenfassung

Behavioristische Ansätze sind durch ihre Orientierung am objektiv beobachtbaren Verhalten und eine streng experimentell ausgerichtete Forschungsmethodologie gekennzeichnet.

 

Zum Zeitpunkt der Geburt verfügt der Mensch über ungelernte elementare Verhaltensweisen, mit denen der Säugling auf Reize reagieren kann. Mittels klassischer und operanter Konditionierungsprozesse entstehen aus diesen elementaren Verhaltensweisen zunehmend komplexere Verhaltensweisen bzw. Gewohnheitssysteme, die letztendlich die Persönlichkeit eines Menschen bilden.

 

Individuelles Verhalten kann vorhergesagt werden, wenn die wirksamen Umweltreize, die das Verhalten kontrollieren, bekannt sind. Die Stärke einer Reiz-Reaktions-Verknüpfung wird entscheidend von der jeweiligen Verstärkung beeinflusst. Neben der primären Verstärkung, die sich auf die direkte Befriedigung eines physiologischen primären Bedürfnisses bezieht, kommt der sogenannten sekundären Verstärkung im Laufe der individuellen Entwicklung eine zunehmend größere Bedeutung zu.

 

Beim operanten Konditionieren ist die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Verhaltensweise abhängig von den nachfolgenden Konsequenzen, wobei zwischen positiver Verstärkung, negativer Verstärkung, Bestrafung und Löschung unterschieden wird. Wie schnell neue Verhaltensweisen erworben werden und wie löschungsresistent diese sind, ist u. a. eine Frage des jeweils angewandten Verstärkungsplans.

 

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Kapitel 5

Soziale Lerntheorie


Zusammenfassung

Zu den einflussreichen Vertretern der sozialen Lerntheorie zählen Julian B. Rotter, Albert Bandura und Walter Mischel.

 

Mit seiner sozialen Lerntheorie der Persönlichkeit betont Rotter die Bedeutung von Erwartung und Verstärkungswert für das individuelle Verhaltenspotenzial und damit für die Auftretenswahrscheinlichkeit einer bestimmten Verhaltensweise. Sein Konzept der psychologischen Situation verweist darauf, dass der subjektive Bedeutungsgehalt einer sozialen Situation – und nicht objektive Umweltreize – entscheidend für die Art und Weise ist, wie ein Individuum reagiert. Zusätzlich wird das menschliche Verhalten von spezifischen und generellen Erwartungen beeinflusst. Eine generalisierte Erwartung von zentraler Bedeutung stellt nach Rotter die internale vs. externale Kontrollüberzeugung dar.

 

Im Mittelpunkt der sozial-kognitiven Theorie von Bandura stehen soziale und kognitive Einflussfaktoren auf Prozesse des Verhaltenserwerbs und der Verhaltensregulation. Bandura sieht im Lernen durch Beobachtung von Modellen die wesentliche Quelle erworbener Verhaltensmuster. Die Ausführung gelernten Verhaltens hängt von den Verhaltenszielen einer Person, ihren Kompetenzen und ihren Erwartungen ab. Unter den Erwartungen hebt Bandura Ergebniserwartungen und die Erwartung von Selbstwirksamkeit hervor. Die Erwartung von Selbstwirksamkeit bezieht sich auf die Erwartung, ein Verhalten erfolgreich ausführen zu können. Sie steht in der jüngeren Zeit im Mittelpunkt der Arbeiten von Bandura.

 

Walter Mischel hat in dem Kognitiv-Affektiven Persönlichkeitssystem diejenigen Personmerkmale zusammengeführt, die in besonderem Maße geeignet sind, das Verhalten einer Person zu beschreiben und zu erklären, und die sich in der Forschung als besonders fruchtbar erwiesen haben. Die fünf Merkmalsbereiche beziehen sich vor allem auf Prozesse der Verarbeitung von sozialen Informationen und die Generierung von sozialem Verhalten. Sie umfassen Enkodierungen, Erwartungen, Affekte, Ziele und Werte sowie Kompetenzen.

 

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Kapitel 6

Kognitive Persönlichkeitstheorien


Zusammenfassung

Im Mittelpunkt der Theorie der persönlichen Konstrukte von George Kelly steht die Annahme, dass Personen ihre Erfahrungen in Bezug auf die eigene Person und auf ihre Umwelt auf der Grundlage von verbalen oder präverbalen Konstrukten strukturieren und ihnen Bedeutung verleihen. Das Grundpostulat der Theorie von Kelly besagt, dass das Verhalten und Erleben einer Person dadurch bestimmt wird, wie sie Ereignisse auf der Grundlage ihrer Konstrukte antizipiert. Der Prozess der Konstruktion von Erfahrungen und seine Folgen für das Verhalten werden in 11 Korollarien spezifiziert.

 

Kelly zufolge ist eine Person prinzipiell frei, ihre Erfahrungen auch anders zu konstruieren und damit ihr Verhalten und ihr Erleben zu ändern. Er beschreibt diese Position als konstruktiver Alternativismus. Konstrukte können sich als mehr oder weniger geeignet erweisen, Erfahrungen angemessen abzubilden. Im Idealfall sind Personen – wie im prototypischen Fall des Wissenschaftlers – bereit, ihre Konstruktionen als Hypothesen zu verstehen und zu prüfen, ob sie bestätigt werden. Bewähren sie sich nicht, werden sie modifiziert oder durch angemessene Konstrukte ersetzt. Die Bereitschaft, mit Konstrukten zu experimentieren, ist auch die Grundlage der von Kelly vorgeschlagenen „fixierten Rollentherapie“.

 

Personen unterscheiden sich nach Kelly in der Art und Weise, wie sie Erfahrungen konstruieren. Die Persönlichkeit eines Menschen resultiert damit aus seinem Konstruktsystem. Die von Kelly postulierte zentrale Rolle kognitiver Schemata für das Verhalten und die individuumsspezifische Konstruktion von Erfahrungen werden in Ansätzen innerhalb der sozial-kognitiven Theorie und in Theorien zum Selbstkonzept aufgegriffen.

 

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Kapitel 7

Theorien zum Selbstkonzept


Zusammenfassung

Das Selbstkonzept wird als die mentale Repräsentation der eigenen Person verstanden. Innerhalb des globalen Selbstkonzepts lassen sich die Vorstellungen einer Person im Hinblick auf einen umgrenzten Merkmalsbereich als Selbstschemata abgrenzen. Selbstschemata stellen kognitive Generalisierungen des eigenen Erlebens und Verhaltens im Hinblick auf einen bestimmten Inhaltsbereich dar. Sie beeinflussen, wie selbstbezogene Informationen verarbeitet werden. Ein wichtiger, empirisch nachgewiesener Effekt ist die Abwehr schema-inkonsistenter Informationen, die dazu führt, dass das Selbstkonzept gegenüber Veränderungen – selbst wenn sie positiv sind – immun ist. Einer solchen Neigung zur Selbstbestätigung oder Selbstverifikation stehen Theorien und Forschungsbefunde entgegen, denen zufolge Personen bestrebt sind, ein möglichst positives Bild von sich selbst zu erhalten. Eine Reihe von Ansätzen geht davon aus, dass Personen unterschiedliche Selbstbilder von sich entwerfen. Der Pluralismus in der Selbstkonstruktion umfasst neben dem „Real-Selbst“ Selbstbildvarianten einer Person, wie sie gerne sein möchte, wie sie aus normativer Sicht sein sollte und wie sie in der Zukunft gerne sein könnte (oder gerade nicht sein möchte).

 

Die wesentlichen Quellen für die Entwicklung des Selbstkonzepts sind sozialer Natur. Dazu gehören direkte Rückmeldungen und Merkmalszuschreibungen von anderen und der soziale Vergleich mit anderen. Eine besondere Rolle spielt der Prozess des reflected appraisal, bei dem eine Person aus dem Verhalten eines Interaktionspartners erschließt, wie sie wahrgenommen wird und diese vermutete Einschätzung in ihr Selbstkonzept übernimmt. Die affektiv-bewertende Komponente des Selbstkonzepts wird als Selbstwertgefühl bezeichnet, das sich in summarischer Form auf die gesamte Person oder spezifisch auf einzelne Inhaltsbereiche beziehen kann. Höhe und Stabilität des Selbstwertgefühls gelten als wichtige Einflussfaktoren auf das subjektive und soziale Wohlbefinden.

 

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Kapitel 8

Humanistische Persönlichkeitstheorien


Zusammenfassung

Humanistische Persönlichkeitstheorien sind durch eine phänomenologisch orientierte Perspektive gekennzeichnet und betonen das positive Wachstumspotenzial des Individuums. Nach Rogers bildet das Erfahrungsfeld einer Person ihr inneres Bezugssystem. Die angeborene Selbstaktualisierungstendenz in Verbindung mit dem organismischen Bewertungsprozess sowie das „Bedürfnis nach positiver Wertschätzung durch andere“ und das „Bedürfnis nach Selbstachtung“ als zwei durch Lernerfahrung erworbene Belohnungssysteme dienen der Entwicklung des Selbstkonzepts. Eine voll funktionierende Person ist charakterisiert durch eine weitgehende Übereinstimmung zwischen der angeborenen organismischen Bewertung und den erworbenen Bewertungen von Erfahrungen. Die gestörte oder fehlangepasste Person zeichnet sich durch eine mehr oder weniger starke Inkongruenz bei der Bewertung von Erfahrungen aus.

 

Maslow postuliert in seiner Motivationstheorie der Persönlichkeit fünf hierarchisch angeordnete Bedürfnisse. Die Spitze seiner Bedürfnishierarchie bildet das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, dessen Befriedigung von einer dem Menschen innewohnenden positiven Wachstumstendenz abhängig ist, wohingegen tiefer stehenden Bedürfnisse Mangelbedürfnisse darstellen.

 

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Kapitel 9

Neuhumanistische Ansätze


Zusammenfassung

Die Theorie der Selbstdetermination von Deci und Ryan geht von drei angeborenen und universellen menschlichen Grundbedürfnissen aus, den Bedürfnissen nach Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit. Deren Befriedigung erachten sie als Voraussetzung für eine positive Entwicklung der Persönlichkeit, die durch Wachstum und Integration, d. h. ein kohärentes Selbst und die Einbindung der Person in ihren sozialen Kontext gekennzeichnet ist, die wiederum Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden sind. In den vier „Mini-Theorien“ innerhalb der Theorie der Selbstdetermination werden die personalen und situativen Bedingungen spezifiziert und empirisch überprüft, unter denen eine positive Entwicklung gelingen kann. Im Mittelpunkt steht dabei die Förderung intrinsischer Motivation und die Internalisierung und Integration von extern vorgegebenen Aufgaben und Tätigkeiten.

 

Die Positive Psychologie versteht sich als ein Appell an die Psychologie, ihre Aufmerksamkeit vermehrt menschlichem Wohlbefinden und menschlichen Stärken zuzuwenden. Sie bietet keine eigenständige Theorie der Persönlichkeit, sehr wohl aber ein Verständnis von einer „positiven Persönlichkeit“ und wirft damit die Frage auf, inwieweit es Aufgabe der Psychologie sein kann, ein erfülltes menschliches Leben zu definieren.

 

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Kapitel 10

Konstitutionspsychologische Ansätze


Zusammenfassung

Dem konstitutionspsychologischen Ansatz liegt die mehr oder weniger explizite Annahme zugrunde, dass nicht nur der Körperbau, sondern auch die Persönlichkeit genetischen Einflüssen unterliegt. Die beiden populärsten Vertreter dieses Ansatzes, Ernst Kretschmer und William H. Sheldon, identifizierten – weitgehend unabhängig voneinander – jeweils drei grundlegende Konstitutions- und drei damit korrespondierende Temperamentstypen. Die von Kretschmer und Sheldon gefundenen Zusammenhänge zwischen Körperbau und Persönlichkeit wurden aus methodischer Sicht immer wieder kritisiert. Zudem sind neben biologisch-genetischen Einflüssen auch noch andere Vermittlungsfaktoren vorstellbar, die einen Zusammenhang zwischen Körperbau und Persönlichkeit erklären können.

 

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Kapitel 11

Eigenschaftstheorie


Zusammenfassung

Die Eigenschaftstheorie stellt die dominierende theoretische Richtung in der Persönlichkeitspsychologie dar. Das Konzept der Eigenschaft steht für eine Klasse von Verhaltens- und Erlebensweisen, die eine Person über die Zeit (Stabilität) und über unterschiedliche Situationen hinweg (Konsistenz) relativ beständig zeigt. Die individuelle Ausprägung in einer Eigenschaft kann über unterschiedliche Verfahren erfasst werden. Dazu zählen Selbsteinschätzungen auf der Grundlage von Fragebögen, Fremdeinschätzungen und objektive Verhaltenstests. Selbsteinschätzungen über Fragebögen sind das Standardverfahren in der Forschung und in der angewandten Diagnostik; sie unterliegen jedoch einer Reihe von inhaltlichen und methodischen Beschränkungen.

 

Die theoretisch unterstellte Stabilität von Eigenschaften wurde in Längsschnittstudien überprüft. Die Ergebnisse aus zahlreichen Studien belegen, dass eine nennenswerte Stabilität sich erst im Erwachsenenalter einstellt, während Eigenschaften in Kindheit und Jugend noch nicht sehr stabil sind. Die empirischen Befunde zur Konsistenz zeigen in der Regel einen eher schwachen Zusammenhang zwischen der Ausprägung in einer Eigenschaft, die Personen etwa in einem Fragebogen erreichen, und ihrem Verhalten in einer konkreten Situation. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Situation einen starken Einfluss auf das Verhalten hat. Interaktionistische Ansätze tragen dem Einfluss der Situation auf unterschiedliche Weise Rechnung. Eine Möglichkeit ist die Konzeption situationsspezifischer Eigenschaften. Noch konsequenter wird das Zusammenspiel von Situation und Person in dem Modell der Verhaltenssignatur von Mischel berücksichtigt, in dem das Verhalten einer Person als personspezifische, stabile „Wenn Situation X, dann Verhalten Y“-Beziehung abgebildet wird.

 

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Kapitel 12

Ausgewählte eigenschaftstheoretische Konzepte


Zusammenfassung

In seiner Drei-Faktoren-Theorie der Persönlichkeit unterscheidet Eysenck drei grundlegende Persönlichkeitsdimensionen: Extraversion, Neurotizismus und Psychotizismus. Jede dieser Dimensionen weist eine hierarchische Struktur auf. Ausgehend von einzelnen Handlungen über Gewohnheiten und miteinander korrelierenden Persönlichkeitsmerkmalen lassen sich faktorenanalytisch die grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen extrahieren.

 

Eysencks Theorie geht über eine Beschreibung des Aufbaus der Persönlichkeit weit hinaus, indem sie überprüfbare Vorhersagen auf der Verhaltensebene erlaubt und Annahmen über zugrunde liegende biologische Mechanismen postuliert. Besonders einflussreich für die Persönlichkeitsforschung war seine Arousal-Theorie der Extraversion.

 

Der psycholexikalische Ansatz geht von der Annahme aus, dass relevante Persönlichkeitsmerkmale, in denen sich Individuen unterscheiden, Eingang in die Alltagssprache finden. Deshalb ist es möglich, über eine Analyse des Wortschatzes innerhalb einer Sprache Rückschlüsse auf grundlegende Dimensionen zur Beschreibung der Persönlichkeit zu ziehen. Psycholexikalische Untersuchungen zur Struktur der Persönlichkeit ergaben fünf Faktoren, die als Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit bezeichnet werden können. Dem generellen Vorbehalt, dass Persönlichkeitsmodelle, die auf dem psycholexikalischen Ansatz basieren, relativ beliebig seien, können Ergebnisse entgegengehalten werden, die die Universalität, Stabilität und biologische Verankerung der Big Five stützen.

 

Die (Mindest-)Anzahl von grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen zur Beschreibung von Persönlichkeit bleibt jedoch umstritten.

 

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