Entwicklungspsychologie – Kindes- und Jugendalter (2., überarb. Aufl.)

Kapitelübersicht


Kapitel 1

Gegenstand und Aufgaben der Entwicklungspsychologie


Zusammenfassung

Gegenstand der Entwicklungspsychologie ist die Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Optimierung der psychischen Entwicklung. Unter psychischer Entwicklung versteht man hierbei die geordnete, gerichtete und längerfristige Veränderung des Erlebens und Verhaltens über den gesamten Lebenslauf.

Die psychische Entwicklung wird vom Zusammenspiel von biologischen Faktoren, sozialen Faktoren und der Eigenaktivität des Individuums beeinflusst. Auch wenn die Entwicklungspsychologie als Wissenschaft erst vor etwa 135 Jahren entstand, hat sie seitdem einen rasanten Aufschwung genommen.

 

PDF-Kapitelübersicht 1Initiates file download



Kapitel 2

Methoden der Entwicklungspsychologie


Zusammenfassung

Eine Möglichkeit zur Datengewinnung besteht darin, Kinder in einem experimentellen Kontext oder in einer natürlichen Situation zu beobachten. Die beobachteten Daten in experimentellen Kontexten umfassen im Säuglingsalter meist das Blickverhalten oder spezifische, vorher festgelegte Handlungen. Bei Beobachtungen in natürlichen Kontexten werden zeit- oder ereignisabhängige Stichproben des Zielverhaltens festgehalten. Daten können ebenfalls gewonnen werden durch den Einsatz von altersangepassten Interviews, Fragebögen und Tests. Um Aufschluss über den Zusammenhang zwischen dem kindlichen Verhalten und seinen psychophysiologischen Reaktionen zu erhalten, werden in der Entwicklungspsychologie auch psychophysiologische Methoden eingesetzt wie die Erfassung von Herzschlag, Blickbewegungen, ereigniskorrelierten Potenzialen oder die Umsetzung funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) oder funktioneller Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS). Um Zusammenhänge zwischen den gewonnenen Daten zu ermitteln, werden Korrelationsstudien durchgeführt. Erkenntnis über die Verursachung ermittelter Daten wird durch experimentelle Studien gewonnen. Dem Hauptanliegen entwicklungspsychologischer Forschung, altersbezogene Veränderungen zu ermitteln, kommen längs- und querschnittliche Untersuchungen sowie Kohortensequenzstudien nach.



PDF-Kapitelübersicht 2Initiates file download



Kapitel 3

Entwicklung von Wahrnehmung und Motorik


Zusammenfassung

Aufgrund der sich noch in den ersten Lebensmonaten vollziehenden Ausreifung des visuellen Systems, unterliegt die visuelle Wahrnehmung einer Vielzahl von Veränderungen, die im Wesentlichen im Laufe des ersten Lebensjahres stattfinden. Grundlegende Fähigkeiten der Akkomodation, Konvergenz und Farberkennung sind in den ersten 3 Lebensmonaten fast abgeschlossen. Der Erwerb komplexerer Fähigkeiten zur Tiefenwahrnehmung, Muster- und Objekterkennung erstreckt sich hingegen bis zum Ende des ersten Lebensjahres.

Auditive sensorische Fähigkeiten sind früher voll entwickelt als die visuellen Fähigkeiten. Die Fähigkeit zur auditiven Raumwahrnehmung gelingt schon in den ersten Lebensmonaten und verfeinert sich beständig innerhalb der ersten 18 Monate. Die Wahrnehmung von Musik ist zu Beginn der Entwicklung unabhängig von der Musikkultur sehr differenziert, spezialisiert sich später hingegen immer stärker auf die Unterschiede der umgebenden Musikkultur.

Die Wahrnehmungsbereiche des Fühlens, Riechens und Schmeckens sind schon nach der Geburt nahezu voll entwickelt.

Rapide Entwicklungen geschehen in der Motorik des ersten Lebensjahres. Aus einem mit Reflexen ausgestatteten, sich noch recht unkoordiniert bewegenden Neugeborenen, das die Welt vor allem aus der horizontalen Lage heraus wahrnimmt, entwickelt sich ein Kind, das aufrecht stehen kann, die ersten Schritte tut und in der Lage ist, zielgerichtet mit seinen Händen die Welt zu erkunden. Der größte Teil motorischer Fähigkeiten ist ungefähr am Ende des 5. Lebensjahres voll entwickelt.

Schon ab dem ersten Lebensmonat stellen Säuglinge sowohl Beziehungen zwischen einzelnen Sinnesbereichen her als auch zwischen einem Sinnesbereich und ihrem motorischen System.

 

PDF-Kapitelübersicht 3Initiates file download



Kapitel 4

Entwicklung des Denkens


Zusammenfassung

Gemäß der Theorie Jean Piagets durchlaufen Kinder vier aufeinander aufbauende Denkstadien, wobei jedes Stadium eine charakteristische Art und Weise ihres Denkens zum Ausdruck bringt. Im Laufe des sensumotorischen Stadiums werden sensumotorische Erfahrungen verinnerlicht, wodurch Denken in Gang kommt. Im präoperationalen Stadium wird das kindliche Denken zunehmend symbolisch. Die Denkoperationen sind aber noch nicht vollständig, sodass typische Denkfehler auftreten. Im konkret-operationalen Stadium sind Kinder fähig, vollständige Denkoperationen durchzuführen, die sich jedoch ausschließlich auf konkret beobachtbare Inhalte beziehen. Erst im formal-operationalen Stadium sind die Denkoperationen in hohem Maße abstrakt, sodass zur Problemlösung systematisch Hypothesen getestet werden können. 

 

Im Gegensatz zur Theorie Piagets gehen die domänenspezifischen Theorien davon aus, dass der Mensch nach der Geburt mit einem spezifischen Kernwissen und mit spezifischen Lernmechanismen ausgestattet ist, mit deren Hilfe schnell neues Wissen erworben wird. Dabei kann das kindliche Wissen im Wesentlichen drei Bereichen zugeordnet werden: Wissen über das Verhalten und die Anzahl von Objekten (Physik), von Menschen (Psychologie) und von nicht menschlichen Lebewesen (Biologie). Man geht davon aus, dass Kinder durch Erfahrungen mit der Umwelt ihr Wissen nicht einfach nur ansammeln, sondern dass sie ihr gewonnenes Wissen mit dem schon bestehenden Wissen immer zu einem kohärenten Ganzen organisieren, das für sie insgesamt Sinn ergibt. Eine solche Organisation kann wie eine Art Theorie aufgefasst werden, die die Kinder implizit über einen Wissensbereich aufgestellt haben.

 

Anders als die domänenspezifischen Theorien und die Theorie Piagets wird in Wygotskis Theorie das Kind in erster Linie als soziales Wesen betrachtet, welches sein Denken im Kontext des Denkens anderer Personen entwickelt. Er geht davon aus, dass das Intermentale, der Austausch zwischen Kind und einer anderen Person, zum Intramentalen, der Gedankenwelt innerhalb eines Kindes wird. Wygotski betrachtet das Kind in der sogenannten Zone der proximalen Entwicklung, die das Entwicklungspotenzial eines Kindes ausdrückt. Wygotski nimmt an, dass sich das Kind selbst mithilfe psychologischer Werkzeuge formt. Die Sprache ist für ihn das wichtigste psychologische Werkzeug.


PDF-Kapitelübersicht 4Initiates file download



Kapitel 5

Entwicklung der Informationsverarbeitung


Zusammenfassung

Bei der Erforschung der Entwicklung der Informationsverarbeitung wird an jeder Stelle des Informationsflusses durch das kognitive System analysiert, wie und warum Veränderungen der Informationsverarbeitung mit fortschreitendem Alter geschehen und wie sie miteinander interagieren. Für Veränderungen der kindlichen Informationsverarbeitung sind Veränderungen des kindlichen Gedächtnisses zentral. Die kindlichen Wiedererkennensleistungen fallen schon früh hoch aus, während ihre Reproduktionsleistungen sich erst allmählich einstellen und kontinuierlich zunehmen. Wesentliche Faktoren für die Zunahme der Reproduktionsleistungen sind die sich vergrößernde Verarbeitungsspanne, das Erlernen und der effektive Einsatz von Strategien, zunehmendes allgemeines und spezifisches Wissen und das sich entwickelnde Metagedächtnis.

 

Wichtige Veränderungen der Informationsverarbeitungsprozesse geschehen ebenfalls beim kindlichen Problemlösen. Solche Veränderungen hängen damit zusammen, dass Kinder zunehmend planvoller Probleme lösen. Hierbei lernen sie, Regeln zu verwenden und diese flexibel einzusetzen. Das Lösen von Problemen wird beständig erfolgreicher, weil Kinder mehr und mehr lernen, Ähnlichkeiten zwischen verwandten Problemstellungen zu erkennen und Probleme aufgrund analoger Schlüsse zu bewältigen. Ebenfalls unterstützend für das sich verbessernde Problemlöseverhalten ist, dass Kinder immer erfolgreicher deduktiv und wissenschaftlich zu denken imstande sind.


PDF-Kapitelübersicht 5Initiates file download



Kapitel 6

Entwicklung der Sprache


Zusammenfassung

Beim Spracherwerb bauen die Kinder Wissenssysteme über die Phonologie, ein Lexikon, die Grammatik und die Sprachpragmatik auf. Die Wahrnehmung der Phonologie startet mit einer angeborenen Präferenz für die Phoneme natürlicher Sprachen. Sie ist von Beginn an kategorial, wobei zunächst eine Offenheit für die Phoneme sämtlicher Sprachen besteht, die sich gegen Ende des 1. Jahres auf die umgebende Sprache einschränkt. Die Produktion von Phonemen vollzieht sich von Vokal- und Konsonant-Äußerungen über Konsonant-Vokal-Verbindungen (Lallstadium) bis hin zur Produktion des ersten Wortes mit ungefähr einem Jahr. Das Lexikon der Kinder enthält mit 18 Monaten durchschnittlich 50 Wörter (meist soziale Wörter), die gesprochen werden, und 200 Wörter, die verstanden werden können. Danach setzt bei den meisten Kindern ein Vokabelspurt ein, der sich zuerst auf den Erwerb von Substantiven und später von anderen Wortarten bezieht. Es wird davon ausgegangen, dass die meisten Kinder ihre Schlussfolgerungen über die Benennung eines Objekts unter bestimmten constraints treffen, dem Ganzheitsconstraint, Taxonomieconstraint und Disjunktionsconstraint. Die Grammatik der Kinder beginnt damit, dass sie mit ungefähr 18 bis 20 Monaten systematisch zwei Wörter in einer Pivot-Grammatik miteinander kombinieren. Danach werden die Sätze länger, indem verschiedene Wortarten in die Sätze einfließen. Parallel zum zunehmenden Wissen über die Kombination verschiedener Worte entwickelt sich der Erwerb der Morphologie. Während schon 2-Jährige zwischen verschiedenen Zeiten und dem Aktiv und Passiv unterscheiden können, erstreckt sich die Entwicklung des Gebrauchs noch bis zum Schulalter. Einfache Formen der Sprachpragmatik (z. B. sich beim Sprechen abwechseln) entwickeln sich früh, bereits ab dem Gebrauch von Sprache, während sich differenzierte Formen der Sprachpragmatik im Kontext der allgemeinen sozial-kognitiven Entwicklung, v. a. im Vorschulalter, einstellen. Als Erklärungen für die Sprachentwicklung dienen Ansätze, die die Bedeutsamkeit der Biologie, des Lernens und Denkens sowie des soziokulturellen Umfeldes herausarbeiten.


PDF-Kapitelübersicht 6Initiates file download



Kapitel 7

Entwicklung der Motivation und Handlungsregulation


Zusammenfassung

Während ein rudimentärer Kern impliziter Motive bereits angeboren ist, entwickeln sich in Kindheit und Jugendalter die expliziten Motive. Am Beispiel der Leistungsmotivation wurde gezeigt, dass sowohl das Verständnis von Einflüssen auf Verhaltensergebnisse, die wahrgenommenen eigenen Kompetenzen als auch die Verhaltensantriebe deutlichen Veränderungen unterliegen. Ab dem Vorschulalter kann man von leistungsmotiviertem Handeln sprechen. Allerdings entwickelt sich die Fähigkeit, unterschiedliche Faktoren bei der Aufgabenwahl und der Leistungsbewertung zu berücksichtigen, weiter bis zum Erreichen des Jugendalters. Globale Einschätzungen der eigenen Leistungsfähigkeit, die Lernfreude und zum Teil das schulische Engagement verschlechtern sich im Mittel während der Schulzeit. Allerdings gibt es auch bedeutsame interindividuelle Unterschiede im Entwicklungsverlauf, die u. a. durch Einflüsse der Eltern, der Schule und der Gleichaltrigen erklärt werden können. Die Selbstregulation des Verhaltens entwickelt sich im Spannungsverhältnis von willentlichen und impulsiven Prozessen. Fähigkeiten zur Ausrichtung des Verhaltens auf die Befriedigung von Interessen und Zielen nehmen in der Kindheit zu. Im Jugendalter nehmen impulsive Prozesse (wie die Sensitivität für unmittelbare Belohnungen) erst einmal schneller als willentliche Prozesse zu, was zu vorübergehend mehr Selbstkontrollproblemen führen kann.


PDF-Kapitelübersicht 7Initiates file download



Kapitel 8

Emotionale Entwicklung


Zusammenfassung

Die emotionale Entwicklung umfasst Veränderungen im Erleben und Ausdruck von Emotionen, im Emotionswissen, der Fähigkeit zum Erkennen von Emotionen und in der Emotionsregulation. Entwicklungsfortschritte in diesen Bereichen beeinflussen sich wechselseitig und ein Zuwachs an Emotionswissen erleichtert z. B. die Entwicklung von Strategien zur Emotionsregulation. Die emotionale Entwicklung wird von Merkmalen des sozialen Umfelds (wie anfängliche Hilfen der Eltern bei der Emotionsregulation) beeinflusst und schafft selbst wiederum wichtige Voraussetzungen für die Gestaltung sozialer Beziehungen (etwa beim Umgang mit sozialen Konflikten).



PDF-Kapitelübersicht 8Initiates file download



Kapitel 9

Soziale Entwicklung


Zusammenfassung

In Kindheit und Jugendalter vollziehen sich bedeutsame Veränderungen in den sozialen Beziehungen. Hierbei ist die Herausbildung der Bindung an die Eltern ein wichtiger Entwicklungsschritt. Die Bindungsqualität und die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung zeigen ein gewisses Ausmaß an Kontinuität, können aber durch kritische Lebensereignisse – wie elterliche Scheidung – und das Streben nach Autonomie im Jugendalter auch verändert werden. Interesse an Gleichaltrigen beginnt im Kleinkindalter, Freundschaften gewinnen aber als enge Beziehungen erst ab dem Jugendalter richtig an Bedeutung. Im späten Jugendalter schließlich werden Liebesbeziehungen immer wichtiger. Soziale Ausgrenzung hat langfristige negative Konsequenzen.



PDF-Kapitelübersicht 9Initiates file download



Kapitel 10

Moralische Entwicklung


Zusammenfassung

In Kindheit und Jugend treten bedeutsame Veränderungen in der moralischen Urteilsfähigkeit auf (von heteronomer zu autonomer Moral bzw. von präkonventioneller zu konventioneller Moral). Nur eine Minderheit der Erwachsenen erreicht die höchsten Stufen des moralischen Urteilens nach Kohlberg (postkonventionelle Moral). In Bezug auf die moralische Entwicklung in der Kindheit sind nicht nur Fortschritte in der moralischen Urteilsfähigkeit, sondern auch die Entwicklung der Empathie wichtig. In Kindheit und Jugend werden eine Zunahme der moralischen Motivation und – in westlichen Ländern – eine Zunahme der Konsistenz zwischen dieser Motivation und dem Verhalten beobachtet. Moralische Entwicklung wird gefördert durch ein Elternverhalten, das die Aufmerksamkeit des Kindes auf die Folgen seines Verhaltens für andere Menschen lenkt und durch die aktive Diskussion moralischer Themen und Konflikte.



PDF-Kapitelübersicht 10Initiates file download



Kapitel 11

Entwicklung der Persönlichkeit und des Selbstkonzepts


Zusammenfassung

Studien zur Veränderung der Persönlichkeit finden geringe bis mäßige Zusammenhänge von Temperamentsmerkmalen in den ersten Lebensjahren mit der Persönlichkeit im Jugend- und Erwachsenenalter. Im Kindes- und Jugendalter wird im Mittel eine zunehmende Reife der Persönlichkeit beobachtet (etwa im Sinne von wachsender emotionaler Stabilität und Selbstsicherheit), wobei aber das Ausmaß der Veränderungen zwischen den Personen variiert. 

 

Anfänge des Selbsterkennens sind bereits im 4. Lebensmonat nachzuweisen. Selbstbeschreibungen sind im Vorschulalter auf konkrete, beobachtbare Merkmale bezogen und werden im Verlauf der Kindheit zunehmend abstrakter, kohärenter und integrierter. Selbstbewertungen sind in der mittleren Kindheit oft noch unrealistisch positiv. Studien zur Identitätsentwicklung finden im Jugendalter eine Zunahme der Exploration und des Eingehens von Festlegungen, aber die Exploration ist erst um das 20. Lebensjahr am stärksten ausgeprägt und das Eingehen von Festlegungen steigt danach noch weiter an. Interindividuelle Unterschiede in Persönlichkeitsmerkmalen und dem Selbstkonzept werden im Laufe von Kindheit und Jugend gefestigt.



PDF-Kapitelübersicht 11Initiates file download



Kapitel 12

Entwicklung der Geschlechtsidentität, geschlechtstypischer Einstellungen und geschlechtstypischer Verhaltensweisen


Zusammenfassung

Das Erkennen des eigenen Geschlechts, von dessen Stabilität über die Zeit und über verschiedene Situationen hinweg, die Entwicklung von Vorstellungen, welche Merkmale und Verhaltensweisen für die beiden Geschlechter angemessen sind, und der Erwerb des entsprechenden Verhaltens sind wichtige Entwicklungsschritte. Diese Entwicklungsprozesse werden von biologischen und sozialen Faktoren sowie von der allgemeinen kognitiven Entwicklung beeinflusst. Das Zusammenspiel dieser drei Einflussfaktoren ist allerdings noch nicht systematisch untersucht.

 

Angesichts der in vielen Staaten beobachteten Zunahme egalitärer Vorstellungen über die Rollen und Verantwortlichkeiten von Frauen und Männern verändern sich auch die Inhalte der Geschlechtsrollensozialisation. Hier ist von entwicklungspsychologischem Interesse, ob dies künftig zu einem früheren Erwerb flexibler Einstellungen der Kinder und zu weiteren Veränderungen in der Entwicklung geschlechtstypischer Einstellungen und Verhaltensweisen führen wird.


PDF-Kapitelübersicht 12Initiates file download



Kapitel 13

Entwicklungsstörungen und psychische Probleme im Kindes- und Jugendalter


Zusammenfassung

Wenn man den Zeitraum der zurückliegenden 6 Monate betrachtet, weisen etwa 17 bis 18 % der Kinder und Jugendlichen psychische Störungen auf. Entwicklungspsychopathologische Studien zeigten, dass diese Störungen meist nicht einem einheitlichen Entwicklungspfad folgen und es eine Vielzahl von oft unspezifisch wirkenden Risiko- und Schutzfaktoren gibt, deren Zusammenspiel das Auftreten und den Verlauf psychischer Störungen vorhersagt. Während tiefgreifende Entwicklungsstörungen und Substanzmissbrauch bzw. -abhängigkeit eine hohe Persistenz im Kindes- bzw. Jugendalter zeigen, sind Angststörungen in geringerem Maße zeitstabil. Psychische Symptome beeinträchtigen den Erfolg beim Lösen alterstypischer Entwicklungsaufgaben, und Misserfolge bei Vollzug alterstypischer Entwicklungsschritte tragen zum Auftreten psychischer Symptome bei. Erkenntnisse über die Entwicklung psychischer Störungen sind wichtig für die Entwicklung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen. Zudem liefern Studien über psychische Probleme und Störungen auch Erkenntnisse über die normale psychische Entwicklung, etwa über die Plastizität psychischer Eigenschaften.


PDF-Kapitelübersicht 13Initiates file download



Kapitel 14

Interventionen zur Beeinflussung von Entwicklungsprozessen


Zusammenfassung

Unterschieden werden Maßnahmen zur Förderung einer positiven Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sowie Maßnahmen zur Prävention oder Korrektur einer ungünstigen Entwicklung. Allerdings haben Programme zur Förderung einer positiven Entwicklung oft auch präventive Effekte in Bezug auf Problemverhalten. Maßnahmen können an Veränderungen der Lebenskontexte – wie Familie und Schule – ansetzen und/oder an der Förderung von Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen. Interventionen zur Beeinflussung von Entwicklungsprozessen müssen hierbei an das Alter der Teilnehmer – wie z. B. an alterstypische Bedürfnisse und Gefährdungen – angepasst werden. Die stärksten Effekte werden meist in jenen Verhaltens- und Erlebensbereichen gefunden, die im Mittelpunkt der Maßnahme stehen und somit direkt beeinflusst werden. Auch wenn viele Programmeffekte im Mittel nur klein bis moderat ausfallen, lohnen sich die Programme. Überdurchschnittliche Effekte sind vor allem dann möglich, wenn Kinder und Jugendliche viele Risikofaktoren und wenig Ressourcen aufweisen (etwa bei selektiver im Vergleich zu universeller Prävention).



PDF-Kapitelübersicht 14Initiates file download



 

Ihr Suchergebnis leitet Sie auf die Website www.testzentrale.de.