Forschungsmethoden der Psychologie

Fragen und Antworten – Kapitel 7


Fragen


1. Wie definiert man Einstellung und zwischen welchen Komponenten wird differenziert? Nennen und erläutern Sie diese und notieren Sie, auf welcher gemeinsamen Grundlage diese basieren.

2. Welche Skalenniveaus gibt es? Nennen Sie von zweien die Bezeichnung, die Art der Einstellungsskala und ein typisches Beispiel. Welches ist das Skalenniveau mit dem höchsten Informationsgehalt?

3. Wie wird die Relation von Einstellung und Verhalten durch die Neupositionierung in der Einstellungsforschung beschrieben? Beschreiben Sie eine einschlägige Studie zur Konsistenz zwischen Einstellung und Verhalten.

4. Was erreicht man durch die Aggregation über Einzelitems?

5. Welchen Bezug hat die Theorie des überlegten Handelns zum Thema Einstellungen?



Antworten

1. Einerseits wurde Einstellung als Bereitschaftszustand definiert, der Verhalten Richtung gibt und energetisiert (Allport, 1935). Andererseits wurde von  Thurstone (1931) eine Reduktion des Einstellungsbegriffs auf die Bewertung des Einstellungsobjekts (im Sinne von gut vs. schlecht) favorisiert.
Man unterscheidet zwischen den drei Komponenten: kognitiv, affektiv und verhaltensbezogen. Die kognitive Komponente beruht auf Information, Wissen und Meinung, die affektive Komponente auf Mögen oder Nichtmögen und die Verhaltensintention beinhaltet eine Erwartung in Bezug auf das eigene zukünftige Verhalten sowie eine Einschätzung der Fähigkeit, das Verhalten ausüben zu können.
Denken, Fühlen und Handeln basiert auf einem einzigen Prozess, nämlich dem Einstellungs- oder Handlungsprozess.


2. Es gibt vier Skalenniveaus. Dieses sind Nominal-, Ordinal-, Intervall- und Ratioskala.

Bezeichnung Nominal
Art der Einstellungsskala dichotome Ja/Nein-Skalen
Typische Beispiele Einstufung (nach Geschlecht, Gebiet oder sozialer Klasse)

Bezeichnung Verhältnis   
Art der Einstellungsskala bestimmte Skalen mit besonderen Anweisungen    Typische Beispiele Verkaufszahlen, Einkommen, produzierte Stückzahlen, Kosten, Alter

Das stärkste Skalenniveau ist die Verhältnisskala, die über einen natürlichen Nullpunkt verfügt.


3. Campbell (1963) hebt hervor, dass die Einstellung die Funktion des Zwecks in Mittel-Zweck-Relationen übernimmt, während das Verhalten das Mittel zum Zweck konstituiert.
Eine berühmte Studie der Einstellungs-Verhaltens-Relation (LaPiere, 1934) behandelte den Unterschied zwischen der Einstellung und der tatsächlichen Handlungsbereitschaft in Hinblick auf die Einstellung gegenüber Chinesen. Hotelmanager stimmten der Übernachtung eines chinesischen Geschäftsmannes mit seiner Frau, der sich an der Rezeption anmeldete, in der Regel zu, obwohl sie vorher überwiegend in einer schriftlichen Anfrage ablehnten. Das verweist auf eine scheinbare Inkonsistenz.
Ein Schlüssel zum Verständnis der Inkonsistenz liegt in einer soziokulturellen Analyse der USA in den 1930er Jahren. Damals waren Chinesen in der Regel einfache Arbeiter mit geringen sozialen Status. Viele Hotelrezeptionen achteten auf den sozialen Status der Gäste und waren kaum erfreut, wenn sich Chinesen anmeldeten. Dann war es aber so, dass der Chinese in persönlicher Interaktion als seriöser Geschäftsmann erkannt wurde, also einen hohen Status innehatte. Somit treten in beiden Fällen „Chinesen“ als Einstellungsobjekt auf, aber in einem Fall waren es Chinesen, die mit dem Stereotyp eines niedrigen Status assoziiert wurden, im anderen Fall waren es Chinesen, die hoch angesehen waren.
Eine andere Erklärung nach Campbell benennt die Bedeutung des Situationsfaktors. Die Barriere, einen Chinesen abzuweisen, war bei der schriftlichen Anfrage sehr niedrig. Hingegen war sie bei der persönlichen Begegnung sehr hoch. Außerdem fällt es schwerer, einen Wunsch abzulehnen, wenn der Bittsteller vor einem steht, als wenn er weit entfernt und weitgehend anonym ist. Bei der schriftlichen Anfrage wurden vermutlich Stereotype von Chinesen aktiviert, die eine Ablehnung nahelegten. Diese Stereotype wurden durch den konkreten Chinesen, der an der Rezeption vorsprach, widerlegt. Das heißt, die Schwelle Abzulehnen ist bei Kontakt bedeutend höher (Schwellenkonzept).

4. Durch Aggregierung wird zweierlei erreicht: die Reliabilität der Messung wird erhöht und die inhaltliche Breite wird erweitert.

5. Viele Verhaltensprognosen in Entscheidungssituationen basieren auf der Theorie des überlegten Handelns. Diese kann nämlich die Entscheidung zwischen zwei Alternativen erklären. Außerdem besteht die Möglichkeit durch die Gegenüberstellung von Meinungen die Entscheidung besser zu verstehen. Dieses ist dann besonders wichtig, wenn das Ziel der Einstellungsänderung im Vordergrund steht. Durch die Gegenüberstellung von Meinungen ergibt sich somit eine Verbindung zwischen Einstellungsforschung und Anwendung.




 

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