Forschungsmethoden der Psychologie

Fragen und Antworten – Kapitel 9


Fragen


1. Inwieweit können Vortests die Konstruktvalidität einer Studie beeinträchtigen?

2. Welche Vor- und Nachteile gehen mit dem Entfernten-Treatment-Design einher?

3. Aus welchen Gründen ist das nicht äquivalente Nur-Nachtest-Design nicht empfehlenswert?

4. Wodurch ist das Solomon-4-Gruppen-Designs charakterisiert?




Antworten

1. Durch Vortests kann bei den Versuchsteilnehmern das Bewusstsein erzeugt werden, Teil einer Untersuchung zu sein, sodass ihr nachfolgendes Verhalten von dem üblicherweise gezeigten Verhalten abweicht. Vortests können entscheidend dazu beitragen, dass die Untersuchungsteilnehmer den Versuch als künstliche experimentelle Anordnung erleben und Vermutungen über die Hypothesen anstellen, die der Versuch überprüfen soll. Solche reaktiven Versuchsanordnungen stellen eine starke Bedrohung für die Generalisierbarkeit der Ergebnisse dar.

2. Zu den Vorteilen des Entfernten-Treatments-Designs zählt die Tatsache, dass die Versuchsteilnehmer in diesem Design ihre eigene Kontrollgruppe bilden. Durch die Einführung, Entfernung und Wiedereinführung der Manipulation kann ein Effekt der Manipulation bei denselben Versuchsteilnehmern repliziert werden, was besonders überzeugend ist für die Demonstration funktionaler Beziehungen zwischen dem Verhalten und den Bedingungen, die es kontrollieren. Insgesamt ist die interne Validität dieses Versuchsplans relativ hoch, da beispielsweise der Einfluss von parallel stattfindenden Ereignissen, die die Ergebnisse verzerren können, weitgehend ausgeschaltet wird. Dies beruht darauf, dass es unwahrscheinlich ist, dass diese externen Ereignisse sowohl mit der ersten Einführung der Manipulation als auch mit ihrer zweiten Einführung zeitgleich stattfinden.
Ein Problem für dieses Design kann das Wegbleiben von Teilnehmern darstellen, etwa wenn zum Zeitpunkt O4 wesentlich weniger Teilnehmer vorhanden sind als zum Zeitpunkt O1 oder O2. Durch die vier Messungen und die zweifache Durchführung der Manipulation kann zudem eine Sensibilisierung der Teilnehmer für die zugrunde liegende Hypothese hervorgerufen werden, was negative Auswirkungen auf die Konstruktvalidität hat. Außerdem kann die Entfernung der Manipulation Groll bei den Untersuchungsteilnehmern auslösen, wenn es sich um eine positive Verstärkung handelt, die wegfällt.

3. Dadurch, dass im nicht äquivalenten Nur-Nachtest-Design die Versuchspersonen nicht randomisiert der Experimental- und Kontrollgruppe zugeordnet werden, ergeben sich plausible Alternativhypothesen für etwaige gefundene Effekte. Eine besondere Rolle spielt hierbei der Selektionseffekt. Ferner ist es möglich, dass der Ausfall von Teilnehmern nach der Manipulation in beiden Versuchsgruppen unterschiedlich stark ausfällt. So könnte es etwa sein, dass die Mitglieder der Kontrollgruppe enttäuscht sind, dass mit ihnen keine konstruktiven Maßnahmen durchgeführt werden, sodass sie Groll empfinden. Insgesamt ist die interne Validität dieses Designs gering.

4. Das Solomon-4-Gruppen-Design kombiniert den randomisierten Nur-Nachtest-Versuchsplan zum Vergleich von Experimental- und Kontrollgruppe mit dem Vortest-Nachtest-Kontrollgruppendesign. Dieser Versuchsplan kontrolliert sowohl Testeffekte als auch die Interaktion von Testeffekten mit der experimentellen Manipulation. Es ist intern valide und hat zudem den Vorteil, dass der Effekt der experimentellen Manipulation gleich viermal repliziert wird (durch die Vergleiche O2 – O1, O2 – O4, O5 – O6 und O5 – O3). Das Solomon-4-Gruppen-Design lässt sich als 2 x 2(Manipulation ja/nein x Vortest ja/nein)-faktorielles Design auswerten. Somit kann erfasst werden, ob sich die unabhängige Variable auswirkt und ob durch den Vortest eine Bedrohung der internen Validität gegeben ist. Neben den beiden Haupteffekten kann auch überprüft werden, ob der Vortest mit der Manipulation interagiert



 

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