Klinische Psychologie – Grundlagen

Fragen und Antworten zum 5. Kapitel


Frage 1

Beschreiben Sie die zentralen Ideen der Entwicklungspsychopathologie!


Antwort zu Frage 1

Die Entwicklungspsychopathologie erforscht die Ursachen und den Verlauf gesunden und abweichenden Verhaltens über die gesamte Lebensspanne. Sie vergleicht hierfür auffällige mit unauffälligen (pathologischen) Entwicklungsverläufen. Sie verfolgt dabei den bio-psycho-sozialen Ansatz; Entwicklung wird als eine kontinuierliche Wechselwirkung zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren verstanden. Darüber hinaus versucht die Entwicklungspsychopathologie (positive) Schutz- und (negative) Risikofaktoren für eine gesunde bzw. abweichende Entwicklung zu bestimmen, zu analysieren sowie deren Wechselwirkung zu erforschen. Außerdem erforscht die Entwicklungspsychopathologie, warum einige Menschen eine Vulnerabilität bzw. Resilienz gegenüber Umweltbedingungen aufweisen.



Frage 2

Worin unterscheiden sich Längsschnitt- und Querschnittstudien?


Antwort zu Frage 2

Während eine Querschnittstudie zu einem Zeitpunkt durchgeführt wird, werden in einer Längsschnittstudie die Daten an mehreren aufeinanderfolgenden Messzeitpunkten erhoben. Eine Querschnittstudie lässt keine Schlüsse über ursächliche Zusammenhänge zu, Längsschnittstudien hingegen ermöglichen es, Beziehungen zwischen einem Merkmal und zeitlichen Zusammenhängen zu identifizieren.



Frage 3

Auf welchen Annahmen basiert das Modell der Entwicklungspfade von Sroufe?


Antwort zu Frage 3

Das Modell der Entwicklungspfade von Sroufe (1997) basiert auf der Annahme, dass Störungen Abweichungen normaler Entwicklungsverläufe darstellen, sowie der Annahme, dass eine Störung keinen endgültigen Zustand darstellt, sondern dass eine Rückkehr zu einem positiven Entwicklungsverlauf grundsätzlich möglich ist.



Frage 4

Worin unterscheiden sich Äqui- und Multifinalität?


Antwort zu Frage 4

Nach dem Prinzip der Äquifinalität kann die Entwicklung verschiedener Organismen trotz unterschiedlicher Ausgangsbedingungen zum selben Entwicklungsergebnis führen. Das Prinzip der Multifinalität drückt aus, dass dieselben Voraussetzungen zu unterschiedlichen Entwicklungsergebnissen führen können.



Frage 5

Was versteht man unter Risiko- und Schutzfaktoren?


Antwort zu Frage 5

Als Risikofaktoren werden Bedingungen bezeichnet, die die Wahrscheinlichkeit einer Entwicklungsabweichung erhöhen und dadurch die Entwicklung einer Störung begünstigen. Es wird zwischen internen, externen, distalen und proximalen Risikofaktoren unterschieden. Schutzfaktoren stehen im direkten Zusammenhang mit Risikofaktoren, da sie durch das Auftreten dieser erst aktiviert werden. Das bedeutet, dass Schutzfaktoren bereits vor der Entwicklung einer Störung bestehen und ihre positive Wirkung erst ausüben, wenn ein Entwicklungsrisiko besteht. Es wird zwischen internen und externen Schutzfaktoren unterschieden.



Frage 6

Welche altersspezifischen Leitsymptome der ADHS sind Ihnen bekannt?


Antwort zu Frage 6

Im Kindesalter äußert sich die ADHS durch die Kernsymptome Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit. Im Erwachsenenalter reichen diese Kernsymptome nicht mehr aus, um die ADHS abzubilden, die nun eher durch eine innere Unruhe und dem Gefühl des „Getriebenseins“ gekennzeichnet ist. Problembereiche wie Desorganisation, Affektlabilität und Affektkontrolle, emotionale Überreagiblität spielen ebenfalls eine Rolle.



Frage 7

Welche komorbiden Störungen treten in welchen Entwicklungsphasen bei der ADHS häufig auf?


Antwort zu Frage 7

Im Kindesalter tritt oppositionelles Verhalten häufig auf. Auch treten komorbid Angststörungen, Teilleistungsstörungen (z.B. Dyskalkulie) und Ticstörungen auf. Im Jugendalter tritt zusätzlich vermehrt Substanzmittelmissbrauch auf. Im Erwachsenenalter werden häufig affektive Störungen, Angststörungen, Substanzmittelmissbrauch und die Borderline-Persönlichkeitsstörung beobachtet.



Frage 8

Welche Vorteile bringen Entwicklungspsychopathologische Modelle für die Interventionsplanung?


Antwort zu Frage 8

In Entwicklungspsychopathologischen Modellen werden Vorboten und Vorläuferstörungen sowie quantitative als auch qualitative Veränderungen in den Symptomen abgebildet. Dieses Wissen ermöglicht Zeitpunkte zu bestimmen, in denen Maßnahmen besonders wirksam eingesetzt werden können. Es lassen sich Empfehlungen ableiten, in welchem Entwicklungsabschnitt präventive Maßnahmen am effektivsten eingesetzt werden können, Interventionserfolge am nachhaltigsten erzielt werden können, wie die einzelnen Interventionsschritte aufgebaut werden sollten, wer an der Intervention teilnehmen sollte, und ob und wann eine Behandlung aufgefrischt bzw. ergänzt werden sollte.



 

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