Klinische Psychologie – Grundlagen

Fragen und Antworten zum 8. Kapitel


Frage 1

Mittels welcher Normkonzepte lässt sich psychisch auffälliges Verhalten von psychisch unauffälligem Verhalten unterscheiden?


Antwort zu Frage 1

Psychisch auffälliges und unauffälliges Verhalten lässt sich anhand vier verschiedener Normkonzepte voneinander unterscheiden. Dazu zählen neben der idealen Norm die soziale, statistische und funktionelle Norm. Nach der idealen Norm gelten diejenigen Menschen als normal, die ohne Beschwerden leben. Die soziale Norm erfüllen alle Personen, die entsprechend gesellschaftlicher Erwartungen leben. Die statistische Norm bezeichnet diejenigen Personen als normal, wenn sie der Mehrheit aller Personen angehören. Nach der funktionellen Norm gelten alle Menschen dann als normal, wenn sie die ihnen zugedachten Aufgaben erfüllen.



Frage 2

Welches sind die spezifischen Merkmale von umschriebenen und tiefgreifenden Entwicklungsstörungen?


Antwort zu Frage 2

Umschriebene Entwicklungsstörungen zeichnen sich insbesondere durch Leistungsbeeinträchtigungen in eindeutig begrenzten Funktionsbereichen, wie zum Beispiel der Sprache oder Motorik, aus. Spezifisches Merkmal einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung ist hingegen der Mangel an Kompetenzen, die für den Erwerb bestimmter kognitiver, sprachlicher und motorischer Fertigkeiten erforderlich sind. Zusätzlich lassen sich für die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen qualitative Beeinträchtigungen in zwischenmenschlichen Beziehungen, der verbalen und nonverbalen Kommunikation sowie ein eingeschränktes Aktivitäts- und Interessenrepertoire beobachten.



Frage 3

Erläutern Sie, welche drei allgemeinen Merkmale allen Entwicklungsstörungen gemein sind.


Antwort zu Frage 3

Nach der ICD-10 weisen alle Entwicklungsstörungen folgende drei Merkmale auf:

 

• ausnahmsloser Störungsbeginn im Kleinkindalter oder in der Kindheit,

 

• die Einschränkungen oder Verzögerungen der Entwicklung von Funktionen sind eng mit der biologischen Reifung des zentralen Nervensystems verknüpft,

 

• ein stetiger Verlauf ohne die für psychische Störungen typischen Remissionen oder Rezidive.



Frage 4

Beschreiben Sie die Prinzipien der Diskrepanz- und Normalitätsannahme.


Antwort zu Frage 4

Diskrepanzannahme: Die Leistungen eines Kindes in einem Test zur Erfassung sprachlicher, motorischer oder schulischer Leistungen weicht deutlich von der Altersnorm sowie dem allgemeinen Leistungsniveau des Kindes ab.

 

Normalitätsannahme: Den umschriebenen Entwicklungsstörungen liegen ursächlich keine erkennbaren neurologischen, sensorischen oder kognitiven Defizite (Non-verbaler IQ > 70) zugrunde. Weiterhin kann das Vorliegen einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung klar ausgeschlossen werden.



Frage 5

Was versteht man unter dem Begriff Verhaltensstörung? Welche Hauptformen lassen sich unterscheiden?


Antwort zu Frage 5

Der Begriff „Verhaltensstörung“ bezeichnet eine Gruppe massiver, entwicklungsabhängiger Verhaltensabweichungen. Allgemein lässt sich zwischen externalisierenden und internalisierenden Verhaltensstörungen unterscheiden. Zu den externalisierenden Störungen zählen insbesondere hyperkinetisches, oppositionelles und aggressiv-dissoziales Verhalten; den internalisierenden Störungen werden vor allem die verschiedenen Angststörungen zugeordnet.



Frage 6

Welche vier Aspekte sind bei der Diagnostik von Verhaltens- und emotionalen Störungen von besonderer Bedeutung?

 


Antwort zu Frage 6

Bei der Diagnostik von Verhaltens- und emotionalen Störungen kommt folgenden vier Aspekten eine besondere Bedeutung zu:

 

• Anzahl der beobachteten Symptome,

 

• Beginn oder Verlauf der Symptomatik,

 

• klinische Bedeutsamkeit,

 

• Ausschlusskriterien.

 

Anzahl der beobachteten Symptome: Um eine spezifische Störung diagnostizieren zu können, muss eine klar definierte Mindestanzahl von Symptomen beobachtbar sein.

 

Beginn oder Verlauf der Symptomatik: Bei manchen Störungsbildern stellt der Beginn oder der Verlauf der Störung ein besonders charakteristisches Merkmal dar.

 

Klinische Bedeutsamkeit: Damit eine Verhaltensstörung als klinisch bedeutsam gilt, ist es erforderlich, dass diese ein deutliches Leiden oder eine wesentliche Beeinträchtigung in der sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit eines Kindes hervorruft.

 

Ausschlusskriterien: Bestimmte Kriterien sind auszuschließen, weil sonst unter Umständen eine andere (als die vermutete) Störung zu diagnostizieren wäre.



 

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