Klinische Psychologie – Grundlagen

Fragen und Antworten zum 9. Kapitel


Frage 1

Nennen und erläutern Sie die Kriterien für die Einteilung von Gruppen psychischer Störungen.


Antwort zu Frage 1

Die folgenden vier Kriterien sind für die Einteilung psychischer Störungen in Störungsgruppen maßgebend:

 

• Vorhandene Akzeptanz bei Experten (face validity).

• Ähnliche Symptommuster.

• Ähnliche Ätiologie und Verlauf.

• Ähnliche Prognose und therapeutische Ansprechbarkeit.

 



Frage 2

Kennzeichnen Sie die Hauptsymptomatik der Alzheimer-Demenz.


Antwort zu Frage 2

Die Alzheimer-Demenz gehört zu den sogenannten organischen psychischen Störungen und ist durch die Entwicklung von Gedächtnisstörungen (z.B. Vergessen des früheren Gedächtnisbesitzes oder Amnesie), weiterer kognitiver Defizite (z.B. Aphasie, Agnosie und Apraxie) sowie Verhaltensänderungen (z.B. Unruhe, unbegründete Affektausbrüche) gekennzeichnet. Die Alzheimer-Demenz geht oft mit einschneidender Beeinträchtigung im beruflichen, sozialen und familiären Leistungsniveau einher und ist mit erhöhter Mortalität assoziiert.

 



Frage 3

Wie ist die Abhängigkeitsstörung allgemein definiert, d.h. nicht bezogen auf eine substanzinduzierte oder nicht stoffgebundene Sucht- und Abhängigkeitsstörung?


Antwort zu Frage 3

Abhängigkeit geht mit einem unangepasst hohen Gebrauch einher; Kennzeichen sind Toleranzentwicklung, Entzugssymptome, Kontrollverlust bei Einnahme, Craving, ausserordentlicher Zeitaufwand für Beschaffung und Konsum bzw. Erholung davon, sowie Beeinträchtigung im sozialen und/oder beruflichen Kontext.

 

Möglicher Zusatz: Als nicht stoffgebundene Sucht- und Abhängigkeitsstörung wird derzeit die sogenannte „Verhaltenssucht“ diskutiert; darunter werden exzessive Verhaltensweisen, welche alle Merkmale einer psychischen Abhängigkeitsstörung aufweisen, verstanden; Beispiele hierfür sind Pathologisches Spielen (Glücksspielsucht), Pyromanie, Kleptomanie und Trichotillomanie.

 

Nach DSM-IV werden in diesem Zusammenhang sogenannte Impulskontrollstörungen („Störungen der Impulskontrolle, nicht andernorts klassifiziert“) aufgeführt; allgemeine Merkmale davon sind das Versagen, Impulsen, Trieben oder Versuchungen zu wiederstehen, wobei ausgeführte Handlungen für die Person oder andere schädlich sind; derlei Handlungen gehen zunehmende Spannung- und Erregungsgefühle voran, wobei während oder nach der Handlung zunächst Vergnügen, Befriedigung oder Entspannungsgefühle erlebt werden, gefolgt von Reue und Schuldgefühlen.



Frage 4

Was bedeutet Craving?


Antwort zu Frage 4

Unter Craving wird unbezwingbares Verlangen verstanden; i. e. S. auch Suchtdruck, sowie heftiges Verlangen nach einem Suchtmittel. Es tritt als Symptom auf bei Abhängigkeitsstörungen und ihr Vorkommen wird auch bei der Essstörung Bulimie diskutiert.



Frage 5

Neben den Hauptsymptomen wie Halluzination, Wahn, formalen Denkstörungen u.a. gibt es weitere wichtige allgemeine Kriterien für eine schizophrene Psychose. Wie lauten diese?


Antwort zu Frage 5

Allgemeine Kriterien für eine schizophrene Psychose sind:

• Ausgeprägte soziale und berufliche Leistungseinbussen.

• Anhalten der Symptome für mind. einen Monat.

• Leistungseinbussen von mind. sechs Monaten.

Ausschlusskriterien: keine andere psychotische Störung, kein Substanzeinfluss und kein Vorliegen anderer medizinische Krankheitsfaktor.



Frage 6

Nennen und erläutern Sie die Verlaufsphasen einer schizophrenen Psychose.


Antwort zu Frage 6

Die Verlaufsphasen einer schizophrenen Psychose unterteilen sich in: Prodromalphase (zeitlich und inhaltlich äußerst variabel, unmittelbar dem Störungsbeginn vorangehende einzelne Symptome; Funktionstüchtigkeit oft noch vorhanden, beginnende soziale Beeinträchtigung), Akute oder floride Phase/Episode (auftreten der Positivsymptomatik; Dauer variabel, meist keine Krankheitseinsicht; auch zumeist keine Funktionstüchtigkeit mehr vorhanden) und Residual- oder Remissionsphase (variable, oft chronische Restsymptomatik; Negativsymptomatik vordergründig; Funktionskompensation bzw. Teilrehabilitation möglich).

 



Frage 7

Nehmen Sie zur Aussage Stellung, dass schizophrene Patienten in allen kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt sind.


Antwort zu Frage 7

Diese Aussage ist so nicht zutreffend: Zum einen weisen nicht alle Patienten mit Schizophrenie kognitive Einbußen auf und zum anderen sind nicht alle kognitiven Aspekte betroffen.

 

Zusammengenommen ist die kognitive Funktionstüchtigkeit bei 20 bis 25% der Betroffenen durchweg intakt („neuropsychologisch intakt“ bedeutet dabei allerdings nicht eine generelle Verminderung der Schwere der Erkrankung), wobei für den Rest der Betroffenen verminderte bzw. kognitive Einbußen postuliert werden. Die Befundlage hinsichtlich verminderter kognitiver Teilprozesse bei den Betroffenen ist höchst heterogen und diffus, sowohl hinsichtlich des Ausmaß als auch des Musters. Es bestehen Indizien, dass das Arbeitsgedächtnis, das episodisches Gedächtnis, die Prozessgeschwindigkeit, sowie die Aspekte globales verbales und auditorisches Gedächtnis, sowie das Gedächtnis allgemein betroffen sind – allerdings besteht kein klar definiertes Kerndefizit. 

Es besteht eine signifikante, jedoch moderate Assoziation zwischen der Schwere der kognitiven Symptomatik auf der einen und der Negativsymptomatik auf der anderen Seite, wobei für die Positivsymptomatik allerdings keine entsprechende Assoziation vorliegt. Demnach beeinflussen bei Patienten mit Schizophrenie neurokognitive Funktionen (nicht aber Positivsymptome) die Fähigkeiten, in der täglichen Lebensgestaltung („everydayfunctioning“), d.h. die Kapazität und der Status des „Funktionierens“ sind indessen stärker von kognitiven Leistungen als von psychopathologischen Symptomen abhängig. Mitunter liegt empirische Evidenz vor, dass sich das Üben basaler perzeptiver und kognitiver Fähigkeiten sowie das Training komplexere Aufgaben, wie z.B. verbale Kommunikation und interpersonelles Problemlösen, bei den Betroffenen durchwegs positiv auswirken kann.

 



Frage 8

Wie grenzt man die Syndrome Manie und Hypomanie voneinander ab?


Antwort zu Frage 8

Zum einen hinsichtlich des Zeitkriteriums: Für das Erfüllen einer manischen Episode müssen die Symptome über eine Woche persistieren, wohingegen bei anhaltender leicht gehobener Stimmung, gesteigertem Antrieb und Aktivität sowie einem auffallenden Gefühl von Wohlbefinden und gesteigerter Leistungsfähigkeit während mindestens vier Tage die Diagnose einer hypomanen Episode gestellt wird.

 

Zum anderen auch hinsichtlich des Schweregrades, wobei die Hypomanie im Vergleich zur Manie weniger stark ausgeprägt und einschränkend ist (vgl. Kriterien, die Hypomanie ist demnach eine mildere, abgeschwächte Form der Manie).



Frage 9

Kennzeichnen Sie die Dysthymie und grenzen Sie sie von der Major Depression ab.


Antwort zu Frage 9

Die Dysthymie ist eine chronische, mindestens zwei Jahre anhaltende affektive Störung (d.h. symptomfreie Phasen bleiben aus), welche zwar prinzipiell sämtliche Symptome einer Major Depression (MDE) umfasst, die vergleichsweise allerdings nicht derart stark ausgeprägt sind. Beide Störungen sind dennoch stark belastend; wobei dies für die Dysthymie aus deren chronischen Verlauf resultiert.



Frage 10

Nennen Sie die einzelnen Störungsdiagnosen, die zu den Angststörungen gerechnet werden.


Antwort zu Frage 10

Angststörungen:

Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie (rapide Furchtentwicklung mit oder ohne äusseren Anlass, begleitet von Panikattacken).

Generalisierte Angststörung (allgemeine und anhaltende Befürchtungen, übermässige, exzessive Sorgen und Ängste über mindestens 6 Monate hinweg).



Im Weiteren werden Angst und depressive Störungen gemischt und sonstige spezifische Angststörungen differenziert

Phobische Störungen:

Agoraphobie (Furcht vor öffentlichen Plätzen und Situationen, wie z.B. Kaufhäuser, Verkehrsmittel, Menschenmengen, bei welchen das Auftreten von Angstsymptomen oder das Verlassen der Situation als äußerst peinlich erlebt wird, wobei die entsprechenden phobischen Situationen stark vermieden werden).

Soziale Phobie (ausgeprägte und anhaltende Angst vor sozialen Situationen des menschlichen Umgangs bzw. vor Leistungssituationen, in denen Peinlichkeiten auftreten könnten).

Spezifische Phobien (Furcht vor bestimmten Objekten, wie z.B. Höhenphobie, Klaustrophobie, Spinnenphobie oder Flugphobie).

Nach dem DSM gehören auch Zwangsstörungen dazu: Dysfunktionale, stereotype Bewältigungsstrategie im Sinne wiederkehrender drangartiger Gedanken, Intentionen oder Handlungen sind zentral

Differenzierung in Zwangsgedanken/Grübelzwang und Zwangshandlungen (Zwangsrituale), wobei jedoch zumeist beide Formen gemischt vorliegen



Frage 11

Welche Merkmale haben somatoforme Störungen gemeinsam?


Antwort zu Frage 11

Bei somatoformen Störungen sind körperliche Probleme und Beschwerden sowie (krankhafte) Ängste um die körperliche Gesundheit, für welche indessen keine eindeutigen organischen Erklärungen vorliegen, kennzeichnend. Körperliches Schonverhalten, gesteigerte Einnahme von Medikamenten, erhöhte Inanspruchnahme medizinischer Dienste sowie häufige Arztwechsel sind typische mit somatoformen Störungen einhergehende Verhaltensweisen.



Frage 12

Wie sind „Traumata“ in der Psychopathologie definiert und wie unterscheidet sich diese Definition vom Alltagsverständnis dieses Begriffs?


Antwort zu Frage 12

Traumatische Ereignisse sind definiert als Einzelereignisse oder fortdauernde Extrembelastungen, welche ein Gefühl der Lebensbedrohung bei sich oder anderen, eine erlebte oder drohende schwere körperliche Verletzung oder sexuelle Gewalterfahrung mit sich bringen verbunden sind (z.B. Folter, Gefangenschaft, gewalttätige Überfälle, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Naturkatastrophen oder schwere Unfälle).

Im Alltagsverständnis werden Traumata oft mit Ängsten, depressiven Reaktionen oder einschneidenden Erlebnisse im Sinne einer akuten kurzzeitigen Belastungsreaktion in Verbindung gebracht. Der Alltagsbegriff geht weit über Erlebnisse einer direkten Lebensbedrohung, schweren körperlichen Verletzung oder sexuellen Gewalterfahrung hinaus.



Frage 13

Welche Störungsbezeichnungen sind nach den Störungsklassifikationen aktuell: Antisoziale oder dissoziale Persönlichkeitsstörung, Psychopathie, Soziopathie?


Antwort zu Frage 13

Psychopathie oder Soziopathie sind veraltete Begriffe für Persönlichkeitsstörungen, welche in älteren Diagnosesystemen die Persönlichkeitsstörungen alleine repräsentierten, heutzutage werden Persönlichkeitsstörungen dieser Art als Antisoziale oder dissoziale Persönlichkeitsstörung bezeichnet.. Der Psychopathie-Begriff hat allerdings in der letzten Zeit in der biopsychologischen Forschung einen Revival erlebt.



Frage 14

Kennzeichnen Sie wichtige Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörung.


Antwort zu Frage 14

Kennzeichen der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist vorwiegend eine Instabilität des eigenen Selbstbildes, der inneren Ziele und der subjektiven Präferenzen; charakterisiert wird das Störungsbild durch schwerwiegende Probleme der Impuls- und Affektregulation, die sich in rasch wechselnden Stimmungen, Gefühlen tiefer Leere oder explosiven aggressiven Durchbrüchen manifestieren können, sowie deutlichen Auffälligkeiten in der Gestaltung von Beziehungen, die häufig sehr intensiv, in der Regel aber auch sehr unbeständig ablaufen können. Um die Diagnose einer BPS stellen zu können, müssen mindestens fünf der neun im Folgenden genannten DSM-IV-Kriterien erfüllt sein:

  • • Verzweifeltes Bemühen, reales oder imaginäres Verlassenwerden zu verhindern.
  • Muster von instabilen aber intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen
      (gekennzeichnet durch einen Wechsel zwischen Extremen der Idealisierung und Entwertung).
  • Identitätsstörungen: ausgeprägte Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  • Vorübergehende durch Belastung ausgelöste paranoide Vorstellungen
       oder schwere dissoziative Symptome.
  • Affektive Instabilität, infolge ausgeprägter Reaktivität der Stimmung.
  • Unangemessene heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren.
  • Chronische Gefühle von Leere.
  • Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen.
  • Wiederkehrende Suiziddrohungen.


Frage 15

Was bedeutet „Purging“ bzw. „Purging-Typ“?


Antwort zu Frage 15

Purging sind sogenannte „Säuberungsmaßnahmen“, wie z.B. selbstinduziertes Erbrechen, Fasten, Abusus von Laxantien oder Diuretika sowie exzessive körperliche Betätigung. Dies sind unangemessene, einer Gewichtszunahme gegensteuernde Maßnahmen, um Folgen von „Fressattacken“ zu kompensieren. Mitunter kommt selbstinduziertes Erbrechen auch als Selbstzweck vor, wobei auch bereits nach kleinen Nahrungsmengen erbrochen wird.



Frage 16

Beschreiben Sie den Begriff Parasomnien.


Antwort zu Frage 16

Parasomnien sind sogenannte Arousalstörungen des Schlafs und werden den sogenannten „primären Schlafstörungen“ zugeordnet; Schlaf stellt die Bedingung dar, während welcher die Störung auftritt. Beispiele hierzu sind Somnambulismus, Alpträume, Pavor nocturnus / „Sleep terror“, Bruxismus und Schnarchen. Kennzeichnend ist eine Amnesie für entsprechende Episoden, wobei die Betroffenen während Parasomnien kaum auf Bemühungen anderer um sie reagieren.



Frage 17

Nennen Sie die Formen der Geschlechtsidentitätsstörung.


Antwort zu Frage 17

Formen der Geschlechtsidentitätsstörung sind Transvestitismus (Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts) und Transsexualismus (Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören), womit eine tiefgreifende Unzufriedenheit mit dem eigenen Geschlecht beschrieben wird, welche mit dem Wunsch einhergeht, die Rolle des anderen Geschlechts teilweise oder vollständig anzunehmen. Bei dieser Kategorie sexueller Störungen gibt es derzeit eine Diskussion darüber, ob sie überhaupt weiterhin diagnostiziert (d.h. als psychopathologisches Problem aufgefasst) werden soll.



 

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