Klinische Psychologie – Intervention und Beratung

Fragen zum 1. Kapitel


Frage 1

Was versteht man unter klinisch-psychologischen Interventionen? Wozu dienen sie?


Antwort zu Frage 1

Klinisch-psychologische Interventionen sind theoretisch begründete Maßnahmen, welche präventiv, kurativ oder rehabilitativ („Wann“) bei Problemen mit psychischem Leidensdruck bis hin zu psychischen Störungen („bei Wem“) angewandt werden. Sie finden zumeist in Form eines Gespräches („Wie“) mit einem professionellen Behandler („Wer“) statt und unterscheiden sich weiterhin hinsichtlich der Ausbildungsvoraussetzungen und der jeweiligen Zielsetzung und Funktionen („Wozu“): Vorsorge, akute Behandlung oder Nachsorge. Je nach Klient und spezifischer Problemsituation lassen sich in der klinischen Psychologie als verschiedene, angebrachte Interventionsformen unterscheiden: Beratung, Mediation, Psychotherapie, Psychoedukation, Prävention oder Rehabilitation. Gerade in letzter Zeit gewinnen Online-Interventionen von Bedeutung, welche als Ersatz oder ergänzend zu „Face-to-face“-Kontakten angeboten werden.



Frage 2

Ordnen Sie klinisch-psychologische Interventionen in den therapeutischen Prozess ein!


Antwort zu Frage 2

Einer Intervention geht eine ordentliche Diagnostik voraus. Es muss also erst diagnostisch festgestellt werden, um welches Problem bzw. welche Problemkonstellation es sich handelt. Die (differenzielle) Indikation dient der Bestimmung der entsprechend erfolgversprechendsten Interventionsform. Währen der Intervention ist die Frage von Bedeutung, ob die therapeutische Strategie geändert muss oder beibehalten werden kann (adaptive Indikation). Schließlich unterliegen klinisch-psychologische Interventionen dem Kriterium der wissenschaftlichen Überprüfbarkeit, weshalb sie einer anschließende Evaluation unterzogen werden um festzustellen, ob die Behandlung wirksam war.



Frage 3

Welche Rolle spielt Ethik bei Interventionen in der klinischen Psychologie?


Antwort zu Frage 3

Ethische Aspekte weisen auf Grenzen und Gefahren in der Beziehung zwischen Behandler und Klient hin. Da klinisch-psychologische Interventionen dem Wohl des Klienten dienen, weisen ethische Überlegungen auf mögliche Konfliktsituationen hin, in denen das Wohl in Gefahr gerät. Als Beispiel lässt sich Missbrauch nennen, ob in sexueller (auch wenn der Klient die Initiative ergreift und Einwilligung zeigt) oder ökonomischer Hinsicht (um durch mehr Behandlungsstunden mehr zu verdienen), weil der Behandler ein eigenes Bindungsbedürfnis durch eine unnötige Verlängerung der Behandlung befriedigen will oder weil er aufgrund einer Überbewertung des eigenen Ansatzes den Klienten vom Aufsuchen einer alternativen Behandlungsform abhalten will. Eine weitere Konfliktsituation stellt eine Zwangseinweisung eines Patienten in eine Psychiatrie dar, bei der „Respekt der Autonomie“ und das „Fürsorge“-Prinzip in einem Spannungsverhältnis stehen können. Diese beiden Prinzipien sind Teil des „common sense“ nach Beauchamp und Childress (1979), zusammen mit „Nichtschädigung“ und „Gerechtigkeit und Gleichheit“. Diese Prinzipienethik gibt eine Orientierung zu ethisch verantwortlichem Handeln bei klinisch-psychologischen Interventionen, ebenso wie das Konzept der informierten Zustimmung von Faden und Beauchamp (1986).



Frage 4

Stellen Sie kurz mindestens vier Formen klinisch-psychologischer Intervention dar. Gehen Sie dabei ggf. auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede ein und geben Sie ein Anwendungsbeispiel!


Antwort zu Frage 4

Vgl. auch Tabelle 1 (Seite 30) für eine Darstellung anhand der W-Fragen.

• Psychologische Beratung: Kurative oder präventive Unterstützung zur Orientierung und Entscheidungsfindung bei klar umschriebenen, belastenden Problemsituationen durch professionelle Berater. Beispiel: Erziehungsberatung.

• Psychotherapie: Kurative Maßnahmen zur Behandlung psychischer Störungen, welche sich je nach therapeutischer Grundorientierung des ausgebildeten psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten unterscheiden können. Beispiel: Kognitive Verhaltenstherapie bei Depression.

• Mediation: Lösungsorientiertes, vermittelndes Gespräch eines Mediators mit streitenden Parteien, welche von selbst keine Einigung erzielen können. Beispiel: Mediation bei Scheidungspaaren.

• Psychoedukation: Maßnahmen zur Informationsvermittlung und als Hilfe im Umgang mit psychischen Belastungssituationen oder Störungen, die häufig einen Baustein im Rahmen anderer Interventionsformen darstellen. Zielgruppe sind Patienten und ggf. deren Angehörige. Beispiel: Aufklärung über Schmerzwahrnehmung und -entstehung bei der Schmerztherapie.

• Prävention: Vorbeugende oder risikoverringernde, allgemeine oder störungsspezifische Maßnahmen bei psychischen Belastungen oder Störungen durch Veränderung und Abschwächung von Risikoverhalten und intrapersonalen Risikofaktoren. Beispiel: Präventionskampagnen zur Vorbeugung von häuslicher Gewalt.

• Rehabilitation: Häufig interdisziplinäre Maßnahmen zur Nachsorge und Wiedereingliederung nach Unfällen, körperlichen Erkrankungen oder psychischen Belastungen. Beispiel. Rehabilitative Maßnahmen zur Verarbeitung der psychischen Folgen eines schweren Unfalls mit körperlicher Behinderung.

• Online-Intervention: Interventionsprogramm via elektronischer Kommunikation über das Internet, häufig in Form von Psychoedukation, Beratung oder zur Nachsorge. Beispiel: Online-Psychoedukation bei Burn-Out.



Frage 5

In welchem Verhältnis stehen psychologische Beratung und Psychotherapie?


Antwort zu Frage 5

Beratung und Psychotherapie unterscheiden sich zunächst hinsichtlich des Behandlungsumfanges: Beratung findet in einigen wenigen Terminen statt, während eine Psychotherapie kontinuierliche Sitzungen erfordert, welche je nach Störungsbild und therapeutischer Grundorientierung von 6 bis 180 Sitzungen reichen kann. Daneben sind Beratungsangebote häufig kostenlos, während Psychotherapien privat oder von den Krankenkassen bezahlt werden. Weiterhin ist zur Ausübung des Berufes des Psychotherapeuten im Gegensatz zum psychologischen Berater eine geregelte Weiterbildung nach dem Studium erforderlich. Trotz der Unterschiede zielen beide interventionsformen auf Veränderung ab und bedienen sich häufig ähnlicher Mittel (Gesprächsführung, Beziehungsaufbau).



Frage 6

Stellen Sie Ihre Position zu Online-Interventionen dar. Kann man vor dem Hintergrund der Definition von Strotzka (1978) im Online-Setting von „Psychotherapie“ sprechen?


Antwort zu Frage 6

Ein häufiger Streitpunkt bei der Frage, ob es sich im Internet-Setting um eine Therapie handeln kann, ist die Frage nach der „therapeutische Beziehung“. Bei einer Online-Intervention ist es nicht ohne weiteres möglich, non- und paraverbale Signale des Klienten wahrzunehmen, wie z.B. Veränderungen in Stimmlage oder Körperhaltung. Videokonferenzen stellen dafür nur einen annähernden, aber keinen vollständigen Ersatz dar. Bezogen auf die kognitive Verhaltenstherapie ist das Inventar psychotherapeutischer Interventionsmethoden insofern eingeschränkt, als dass z.B. Expositionen (etwa das Aufsuchen eines großen Kaufhauses bei Agoraphobie) eines therapeutischen Beiseins bedürfen. Insofern ist die Möglichkeit einer „Online-Therapie“ als problematisch anzusehen.



 

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