Klinische Psychologie – Intervention und Beratung

Kapitelübersicht


Kapitel 1

Definition und Grundlagen klinisch-psychologischer Intervention


Zusammenfassung

Interventionen in der klinischen Psychologie zielen darauf ab, Verhaltens- und Einstellungsänderungen bei Personen zu bewirken, welche ein Problem von psychischem Belastungswert haben. Sie sind gekennzeichnet durch psychologische Kommunikationsmittel („Wie“), lassen sich hinsichtlich der jeweiligen Funktionen und Intentionen unterscheiden („Wozu“), bezwecken Vorsorge, akute Behandlung oder Nachsorge („Wann“), werden abhängig von Klienten- oder Patientenmerkmalen und individuellen Problemkonstellationen („bei wem“) auf einer theoretischen und empirischen Fundierung eingesetzt und von psychologischen Experten („Wer“) durchgeführt. Diese „W-Fragen“ können verwendet werden, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den hier vorgestellten Interventionen zu finden.

Grundlegend für alle diese Interventionsformen sind rechtliche, ethische, psychologische und wissenschaftstheoretische Aspekte. Die Ausbildung und Zulassung zum Beruf, Bedarfs- und Versorgungsplanung sowie zivil- und strafrechtliche Konsequenzen (z. B. bei Verletzung der Schweigepflicht) sind rechtlich festgeschrieben. Da sich jedoch im Rahmen klinisch-psychologischer Interventionen Situationen ergeben können, für die Rechtsvorschriften keine eindeutigen Handlungsanweisungen bieten, sind Fragen der Ethik („Wie soll ich handeln?“) von essenzieller Bedeutung, gerade da Prinzipien der Nichtschädigungen, Fürsorge, Autonomiewahrung und Gleichheit/Gerechtigkeit in Konflikt stehen können. Vor dem Hintergrund einer Asymmetrie zwischen Behandler und Klient ist vor Missbrauch in jeder Hinsicht (sexuell, ökonomisch, zur Deckung von Bindungsbedürfnissen des Behandlers) zu warnen. Da psychologische Mittel das „Wie“ klinisch- sychologischer Interventionen markieren, sind die Rolle von Kommunikation und aktiv zuhörender Gesprächsführung zu betonen, ebenso die Bedeutung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung. Die theoretische Fundierung und die Durchführung von Interventionen beruht auf Wissen. Dabei machen wissenschaftstheoretische Unterscheidungen in nomologisches, nomopragmatisches und Tatsachenwissen deutlich, dass Erfahrungen mit anderen Patienten allein keine Begründung therapeutischen Handelns darstellen können.

Psychologische Beratung dient der Unterstützung zur Orientierung und Entscheidungsfindung bei klar eingegrenzten Problemsituationen. Psychotherapie ist eine Intervention zur Behandlung psychischer Störungen mit erforderlicher Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin bzw. zum psychologischen Psychotherapeuten. Mediation ist eine Interventionsform, bei der lösungsorientiert zwischen streitenden Parteien (z. B. bei Ehepaaren) vermittelt wird. Psychoedukative Maßnahmen dienen der Informationsvermittlung und als Hilfe zum Umgang mit psychischen Belastungen für Betroffene und deren Angehörige. Dabei werden u. a. Störungsmodell, Entstehungsbedingungen und aufrechterhaltende Faktoren erläutert, was z. B. häufig einen ersten Baustein psychotherapeutischer Behandlungen darstellt. Mit Prävention wird der Bereich vorbeugender oder risikoverringernder Interventionen bezeichnet (z. B. Aufklärungskampagnen), während Rehabilitation Maßnahmen zur Nachsorge und Wiedereingliederung (z. B. nach Unfällen, körperlichen Erkrankungen oder psychischen Belastungen) umfasst. Online-Interventionen finden zumeist in Form von psychoedukativen, beratenden oder nachsorgenden Programmen über das Internet statt. Der Begriff einer Online-„Therapie“ ist ausgehend von der in diesem Kapitel vorgestellten Psychotherapiedefinition als problematisch zu erachten.

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Kapitel 2

Grundkonzeption klinisch-psychologischer Intervention


Zusammenfassung

In diesem Kapitel wurden die vier großen Grundorientierungen klinisch-psychologischer Intervention vorgestellt. Daran anschließend wurde ausblickartig auf integrative Ansätze hingewiesen. Wissenschaftlich und sozialrechtlich anerkannt sind bisher die Psychoanalyse bzw. tiefenpsychologische Verfahren und die Verhaltenstherapie.

In der psychoanalytischen Theorie wird angenommen, dass sich die Struktur der Persönlichkeit im Wesentlichen unbewusst durch Verinnerlichung zwischenmenschlicher Beziehungen entwickelt. Freud entwickelte die Psychoanalyse Ende des 19. Jahrhunderts u. a. aus Erkenntnissen über Hypnose. Er entwickelte ein topisches Modell der Psyche. Wichtige Konzepte stellen die Begriffe Übertragung, Gegenübertragung und Widerstand dar, die Kern psychoanalytischer Behandlung sind. Weiterentwicklungen fanden z. B. in Form der Ich-Psychologie und der Objektbeziehungstheorie statt.

Verhaltenstherapeutische Verfahren betonen die Zielsetzung der Hilfe zur Selbsthilfe und ausdrücklicher empirischer Orientierung. Psychische Störungen werden aufgrund einer dysfunktionalen Lerngeschichte bzw. Person-Umwelt-Interaktion sowie maladaptiver Kognitionen (Grundüberzeugungen, kognitive Verzerrungen) erklärt. Als verhaltenstherapeutische Verfahren sind operante Methoden, Konfrontations- und Entspannungsverfahren und Hausaufgaben zu nennen. Beispiele für kognitive Ansätze sind die Kognitive Therapie nach Beck und die rational-emotive Therapie nach Ellis. Weitere Formen sind Selbstmanagement-Verfahren, achtsamkeitsbasierte und konstruktivistische Ansätze.

Humanistische Therapieverfahren haben gemeinsame Wurzeln in der Existenzphilosophie und ihren Annahmen: phänomenologischer Ansatz, Aktualisierungstendenz, Selbstbestimmungsfähigkeit und Personenzentriertheit. Psychische Störungen können sich aus einer Diskrepanz zwischen der Erfahrung eines Menschen und seinem Selbstkonzept entwickeln. Neben der klientenzentrierten Psychotherapie/Gesprächstherapie sind Gestalttherapie, Existenzielle Ansätze und Prozess-Erlebnisorientierte Psychotherapie humanistische Psychotherapieverfahren.

Aus Familientherapieverfahren entwickelte sich ab den 1960er Jahren in verschiedenen heterogenen Phasen die Systemische Therapie. Gemeinsame philosophische Grundannahme ist der Konstruktivismus. Der Mensch kann als Teil von Systemen, sowie selbst als System gesehen werden. Neben Ressourcenaktivierung sind die therapeutischen Haltungen der Allparteilichkeit und Achtung vor bisherigen (maladaptiven) Lösungsversuchen zentrale Merkmale. Liegt in der Transgenerationalen Familientherapie der Fokus auf der Vergangenheit, werden in der Strategischen Familientherapie aufrechterhaltende Interaktionsmuster in den Mittelpunkt gerückt. In der Lösungsorientierten Kurzzeittherapie als Beispiel narrativ-systemischer Ansätze ist die Erarbeitung von Lösungen zu Problemen zentral, weniger deren Ursachen. Allgemeine und integrative Ansätze in der Psychotherapie versuchen für bestimmte Störungen und Probleme Elemente aus verschiedenen „Schulen“ einzubinden und dadurch das Vorgehen zu optimieren. Ein Beispiel eines schulenübergreifenden Verfahrens stellt das wirkfaktorenbasierte allgemeine Psychotherapiemodell von Grawe dar.

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Kapitel 3

Evaluation klinisch-psychologischer Interventionen


Zusammenfassung

In diesem Kapitel wurden wichtige Konzepte und Aspekte zur Evaluation klinisch-psychologischer Interventionen dargestellt. Es wurden dabei zentrale Evaluationsdesigns (experimentell, naturalistisch, patientenorientiert) dargestellt und deren Vor- und Nachteile zur Beantwortung unterschiedlicher Forschunsgfragen diskutiert. Es wurde dabei herausgearbeitet, dass die Evaluation einer Massnahme oder klinisch-psychologischen Intervention optimalerweise unterschiedliche Designs und Replikationsstudien benötigt. Es wurde auf verschiedene Ebenen der Betrachtung bei klinisch-psychologischen Interventionen hingewiesen. So sollten für die Beurteilung der Wirksamkeit eines Verfahrens sowohl Informationen zur klinisch-experimentellen wie naturalistischen Wirksamkeitsprüfung vorliegen. Zusätzlich ist es wünschenswert, den Behandlungsfortschritt am Einzelfall in Form von qualitätssichernden Massnahmen zu überprüfen und wirksame Prozesse einer Interventionsform herauszuarbeiten. Die Intergration dieser verschiedenen Ebenen bei der Untersuchung psychischer Veränderungen stellt die Chance und Herausforderung der modernen Interventionsforschung dar.

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Kapitel 4

Basisfertigkeiten klinisch-psychologischer Intervention


Zusammenfassung

Aufnahme einer therapeutischen Arbeitsbeziehung, die Erfassung des Behandlungsanlasses und der Ziele des Klienten, eine erste diagnostische Einschätzung und die Abklärung von Selbst- oder Fremdgefährdung. Allgemeine Gesprächsstrategien zur Förderung Klinisch-psychologische Basiskompetenzen beinhalten Wissen über psychische Störungen, Diagnostik und Interventionsverfahren, interpersonale Kompetenzen zur Herstellung einer positiven therapeutischen Beziehung zwischen Therapeut und Klient, sowie prozedurale Fertigkeiten zur Anwendung diagnostischer und  interventioneller Verfahren. Ziele eines Erstgespräches sind die einer positiven therapeutischen Beziehung umfassen aktives Zuhören, Paraphrasieren, Gefühle Verbalisieren und Validieren. Als Therapeut Offenheit, Empathie, Verständnis und Akzeptenz zu vermitteln ist hierbei ein sehr wichtiges Ziel. Im Rahmen der Beziehungsgestaltung kommt auch positives Verstärken in Form von Lob und gezielter Zuwendung bei therapieförderlichem Verhalten des Klienten zum Einsatz. Inhaltlich verwendet der Therapeut in der Psychotherapie häufig Strategien wie Zusammenfassen und Rückmelden der Äußerungen des Klienten, Strukturieren von Informationen sowie Spezifizieren und Konkretisieren von Erfahrungen. Eine sehr bedeutsame therapeutische Haltung beschreibt der Sokratische Dialog, welcher auf die Definition, Überprüfung und Veränderung von problematischen Einstellungen und Überzeugungen des Klienten abzielt. Das geleitete Entdecken ist hierbei sehr wichtig. Eine gute Fallkonzeptionalisierung ist die Basis einer guten Behandlung. Darunter versteht man den Prozess, in welchem Therapeut und Klient zusammenarbeiten, um die Probleme des Klienten zu beschreiben, zu erklären, zu behandeln und die Wirksamkeit der Behandlung gemeinsam zu überprüfen.

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Kapitel 5

Klinisch-psychologische Basisintervention


Zusammenfassung

Klinisch-psychologische Interventionen werden aus diagnostischen Informationen abgeleitet und beruhen auf der Anwendung von Störungs- und Interventionswissen. Sie sind eingebettet in einen Behandlungsprozess, der durch die Interaktion mit dem Patienten gekennzeichnet ist und als Problemlöseprozess beschrieben werden kann. Zu den Basisinterventionen mit der am besten belegten Wirksamkeit gehören Techniken der kognitiven Umstrukturierung. Hierzu zählen u. a. die Identifikation von störungsbezogenen dysfunktionalen Überzeugungen durch Gedankentagebuch sowie deren Überprüfung durch Sokratischen Dialog und Verhaltensexperimente. Problemlösetrainings zielen darauf ab, den Prozess der Bewältigung von belastenden Problemen in systematische Schritte zu unterteilen und sind besonders günstig zum Abbau von Grübeln. Soziale Kompetenztrainings konzentrieren sich darauf, durch systematische Verhaltensübungen die Fähigkeit zu verbessern, sich in sozialen Situationen selbstsicher zu verhalten. Zu den Entspannungstrainings gehören Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training und Meditation; gemeinsames Ziel ist die Umstellung auf eine uniforme körperliche Entspannungsreaktion; darüber hinaus werden spezifische psychologische Effekte wie Gelassenheit, Bewusstseinserweiterung oder Achtsamkeit angestrebt. Exposition beinhaltet die Annäherung an problematische, z. B. angstauslösende Situationen und das Unterlassen von Vermeidungsverhalten. Nach dem traditionellen Habituationsmodell zielt die Konfrontation auf eine Gewöhnung ab; in Verhaltensexperimenten werden hingegen die angstbezogenen Überzeugungen überprüft.

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Kapitel 6

Prävention


Zusammenfassung

Prävention zielt durch gezielte Maßnahmen und Angebote darauf ab, Gesundheit von Personen oder Populationen zu fördern und das Neueintreten einer Krankheit (Inzidenz) oder unerwünschter psychischer oder physischer Zustände in der Zukunft zu verhindern oder ihr Risiko zu mindern. Es werden je nach Interventionszeitpunkt und Adressaten der Präventionsmaßnahmen drei Ebenen der Prävention unterschieden: Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Universelle Präventionsmaßnahmen richten sich an die Gesamtbevölkerung, ohne bestimmte Auswahlkriterien zugrunde zu legen. Zielgruppenspezifische Maßnahmen nehmen eine Zielgruppenauswahl nach bestimmten Kriterien vor und richten sich an bestimmte Teile der Bevölkerung. Neben regulatorischen Maßnahmen und Anreiz- und Bestrafungsstrategien kommen bei präventiven Maßnahmen vorwiegend psycho- und sozioedukative Methoden zum Einsatz, z. B. Kompetenztrainings für Jugendliche. Die gesetzlichen Grundlagen von Präventionsmaßnahmen sind in den Sozialgesetzbüchern verankert. Inhaltlich basieren die Intervention auf Gesundheitsverhaltensmodelle, die versuchen, das Gesundheitsverhalten von Menschen zu erklären, vorherzusagen und daraus Implikationen für gezielte Verhaltensveränderungen abzuleiten. Gesundheitsrelevantes Verhalten beinhaltet dabei sowohl das Ausführen von Handlungen, die für die Gesunderhaltung günstig sind, als auch das Vermeiden von Handlungen, die gesundheitsgefährdend sind. Statische Gesundheitsmodelle beschreiben die Motivation zur Verhaltensänderung zu einem bestimmten Zeitpunkt, dynamische Gesundheitsmodelle betrachten den Verlauf einer Verhaltensänderung als Prozess.

Präventionsmaßnahmen orientieren sich an den besonderen Bedürfnisse und Problemlagen der verschiedenen Altersgruppen; so werden beispielsweise Maßnahmen für Kinder und Jugendliche an deren altersspezifisch vorliegende Risikofaktoren angepasst. Eine Evaluation dieser Maßnahmen umfasst die Prüfung auf Wirksamkeit, Sicherheit und Kosten unter Berücksichtigung ökonomischer, ethischer und juristischer Aspekte. Die Ergebnisse dieser Evaluationen werden meist als HTA-Berichte veröffentlicht.

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Kapitel 7

Rehabilitation


Zusammenfassung

Maßnahmen zur medizinischen Rehabilitation chronisch Kranker stellen ein volkswirtschaftlich wichtiges Element der Gesundheitsversorgung dar. Das Hauptziel der Rehabilitation bildet die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit eines Menschen, in der Terminologie der Rehabilitation ist damit die Aktivität und soziale bzw. berufliche Teilhabe, Hauptkomponenten des Klassifikationsmodells ICF, gemeint. Neben medizinische Maßnahmen zur Rehabilitation sind ebenfalls psychologische Methoden (Gesprächsgruppen, Verhaltenstrainings) im Hinblick auf ihre Effektivität ausreichend geprüft worden.

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Kapitel 8

Psychische Störungen am Arbeitsplatz


Zusammenfassung

Psychische Störungen zählen zu den Hauptursachen für Frühberentungen und Arbeitsunfähigkeit und stellen einen erheblichen gesellschaftlichen Kostenfaktor dar. Veränderungen der modernen Erwerbstätigkeit führen zu veränderten Arbeitsbedingungen, die eine Quelle für psychische und soziale Belastungen darstellen. Es lassen sich drei Hauptquellen für Stress am Arbeitsplatz beschrieben: die physikalisch-technologische Umwelt, die soziale Umgebung und die Person selbst. Zudem ergeben sich weitere Quellen von Stress durch die Interaktion dieser drei Hauptbereiche. In Zusammenhang mit hohen Arbeitsbelastungen kann es zu einer ausgeprägten emotionalen Erschöpfung kommen, die als Burnout-Syndrom bezeichnet wird. Insbesondere Menschen, die besonders engagiert sind, haben ein erhöhtes Risiko für ein Burnout. Als Beispiel für einen extremen sozialen Stressor kann Mobbing angesehen sehen werden, bei dem meist eine unterlegene Person wiederholt schikaniert wird. In Deutschland ist Mobbing mit 2,7 % ein häufiges Phänomen, das in bestimmten Branchen (wie z. B. dem Gesundheitsbereich) besonders häufig auftritt. Es können verschiedene  Formen des Mobbing unterschieden werden und strukturelle, motivierende und auslösende Faktoren für die Entstehung von Mobbing werden diskutiert. Als Folge von Mobbing können verschiedene psychosomatische Beschwerden angesehen werden. Zur Förderung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz kommt der Beratung eine wichtige Bedeutung zu. Spezielle Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (im amerikanischen als Employee Assistance Programms bezeichnet) sollen der Prävention von psychischen Störungen dienen und bestehende psychische Probleme reduzieren. Neben diesen allgemeineren Formen der betrieblichen Gesundheitsförderung ist Coaching eine Spezialform der Beratung. Coaching findet beispielsweise bei der Unterstützung von Führungskräften einen Einsatz. Abschließend werden vier Phasen des Coaching bei Führungskräften dargestellt (Datensammlung, Feedback, regelmäßige Coaching-Sitzungen und Evaluation).

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Kapitel 9

Paarberatung und Mediation


Zusammenfassung

Dieses Kapitel behandelt den Ablauf und die Interventionsstrategien von Paargesprächen im Rahmen verschiedener Behandlungssettings (Einzeltherapie, Paartherapie, Mediation). Während der ersten Sitzung richtet der Therapeut sein Augenmerk auf die Exploration von vier Themenbereichen (Belastung und Probleme, Art der Abläufe und Muster, Erwartungen an die Therapie, Gemeinsamkeiten und Ressourcen), unter anderem mit der Absicht der Formulierung gemeinsamer Ziele in der Partnerschaft. Bereits im Vorfeld empfiehlt sich dazu ergänzend ein effektives Gewalt-Screening, da Gewaltproblematiken in Beziehungen häufig unterschätzt werden und die Betroffenen aus diversen Gründen vermeiden über diese Thematik zu sprechen. Bei der Planung und Implementation der Interventionsstrategien werden drei Gruppen von Interventionen unterschieden. Zum einen werden kognitivverhaltenstherapeutisch veränderungsorientierte Strategien angewendet, worunter Reziprozitätstechniken, Kommunikationstraining, Problemlösetraining und kognitive Techniken fallen. Diese Strategien haben das Ziel, direkt an den beziehungsstörenden Komponenten (wie Einstellung und dysfunktionale Verhaltensweisen) zu arbeiten und diese zu modifizieren. Ist das Paar jedoch beispielsweise aus emotionalen Gründen nicht dazu in der Lage sich zu verändern oder sind dessen Probleme momentan nicht lösbar, können als zweite Gruppe von Interventionen die sogenannten Akzeptanzstrategien helfen, das gegenseitige Verständnis zu vertiefen und möglicherweise den Grundstein für die veränderungsbezogenen Strategien zu legen. Eine dritte Gruppe von Interventionen, wie die emotionsfokussierte Paartherapie, versucht die emotionalen Hintergründe negativer Interaktionsprozesse zwischen den Partnern zu identifizieren, auszudrücken und zu bearbeiten. Die Wirksamkeit von Paartherapeutischen Ansätzen ist mit Effektstärken von .71 bis .95 belegt.

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Kapitel 10

Interkulturelle Aspekte in Beratung und Therapie


Zusammenfassung

Kulturelle Faktoren nehmen bei der Entstehung und dem Verlauf psychischer Störungen eine bedeutsame Rolle ein. So variiert die Häufigkeit psychischer Störungen deutlich in Abhängigkeit von den Erhebungsländern. Zudem lassen sich Störungen finden, die in bestimmten Kulturkreisen besonders häufig auftreten bzw. nur in bestimmten Kulturen anzutreffen sind. Auch wenn der Migration sehr unterschiedliche Gründe und Bedingungen zugrunde liegen, finden sich bei Migranten häufig spezifische Belastungen und psychische Störungen. Die komplexen Zusammenhänge zwischen dem kulturellen Hintergrund und psychischer Gesundheit werden anhand des Cultural Influences on Mental Health (CIMH)-Modells erläutert. Für den Umgang mit Patienten aus anderen Kulturen sind spezifische Kompetenzen notwendig. Neben der sprachlichen Adaption der Behandlung sollte auch der kulturelle Hintergrund bei der Planung der Interventionen entsprechend berücksichtigt werden. Insgesamt erweist sich die Behandlung von Personen mit einem Migrationshintergrund als effektiv. Zudem gibt es Hinweise, dass kulturspezifisch adaptierte Interventionen gegenüber einer Standardbehandlung überlegen sind. Dementsprechend sollten interkulturelle Kompetenzen in die Behandlung Eingang finden.

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Kapitel 11

Sucht und Abhängigkeit am Beispiel Alkohol


Zusammenfassung

Alkohol gilt als ältestes Rauschmittel der Menschheit und spielt im Sozialleben vieler Gesellschaften eine wichtige Rolle. Gegenüber den akzeptablen Formen des mäßigen Alkoholgenusses stehen die negativen Folgen eines anhaltenden übermäßigen Alkoholkonsums.

Differenziert wird zwischen schädlichem Alkoholgebrauch bzw. Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit. Als risikoarm gilt der Alkoholkonsum nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wenn Frauen maximal 20 g und Männer maximal 40 g Alkohol (5-mal pro Woche) genießen. Schädlicher Gebrauch/Missbrauch von Alkohol liegt nach WHO-Kriterien dann vor, wenn mit dem Konsummuster eine tatsächliche Gesundheitsschädigung (z. B. Depression) einhergeht.

Von Alkoholabhängigkeit wird dann gesprochen, wenn bei den Betroffenen unangenehme Zustände körperlicher oder psychischer Art bei Beendigung des Alkoholkonsums auftreten (Entzugssyndrom) oder sie mit dem Alkoholtrinken nicht aufhören können (Kontrollverlust), obwohl sie sich selbst oder anderen Menschen immer wieder erheblichen Schaden zufügen. Die Folgeschäden der Alkoholabhängigkeit manifestieren sich auf mehreren Ebenen. Einerseits können psychische Probleme und Störungen wie Aggressivität, Depressionen oder Gedächtnisstörungen auftreten. Andererseits zeigen sich auf sozialer Ebene oft Konflikte in der Arbeit und in der Partnerschaft sowie der Verlust von Freunden. Darüber hinaus kommt es zu körperlichen Folgeschäden wie z. B. Krampfanfälle, Blutarmut, oder Leberzirrhose.

Die Entstehung der Alkoholabhängigkeit wird im Wesentlichen durch drei Herangehensweisen erklärt: (1) intrapsychische (z. B. dysfunktionale Kognitionen: Alkohol gilt als Hilfsmittel zur Problemlösung), (2) psychosoziale (z. B. Einfluss der gestörten Alkoholkonsumkultur) und (3) neurowissenschaftliche Erklärungsmodelle (z. B. Suchtgedächtnis auf Gehirnebene).

Die Beratung Betroffener besteht in einem Motivationsaufbau zur Alkoholreduktion bzw. -abstinenz. Miller und Rollnick (1999) entwickelten hierfür die „Motivierende Gesprächsführung“ (Motivational Interviewing). Diese fokussiert sowohl auf den Aufbau von Veränderungsmotivation (ohne Druckerzeugung) als auch auf die Erarbeitung von Veränderungszielen und -wegen. Dabei sollen Beratende bestimmte Basisprinzipien berücksichtigen: Einfühlungsvermögen, vorwurfsfreie Haltung, Förderung des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten, Entwicklung von Diskrepanzen etc.

Ziele der ambulanten und stationären Rehabilitation von Menschen mit Alkoholabhängigkeit sind das Erreichen und Erhalten der Abstinenz, die Behandlung körperlicher und psychischer Störungen sowie eine Wiedereingliederung in den beruflichen, familiären und gesellschaftlichen Kontext. Zur Rehabilitation von Menschen mit Alkoholabhängigkeit stehen verschiedene zeitlich gestaffelte Programme zur Verfügung; im Idealfall die drei Angebote: Entzug unter ärztlicher Aufsicht, Entwöhnungsprogramme sowie Nachsorge einschließlich Wiedereingliederung. Konkrete Rehabilitationsmaßnahmen, deren empirische Wirksamkeit als gesichert gilt, sind u. a. Gruppentherapie, Soziales Kompetenztraining, Gemeindeprogramme und Paar- und Familieninterventionen. Darüber hinaus können Betroffene Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker (AA) besuchen.

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Kapitel 12

Psychische Probleme älterer Menschen: Beratung und Rehabilitation


Zusammenfassung

Altern und Alter sind immer wichtiger werdende Anwendungsbereiche klinisch-psychologischen Wissens, für die in den nächsten Jahrzehnten erweitere berufliche Einsatzgebiete für Psychologen vorherzusehen sind. Zusammengefasst geht es um Angebote für Wohlbefindensprobleme beim Altern und bei chronischen Krankheiten sowie um Interventionen für die häufigsten Störungsgruppen im Alter: Depressionen und Demenzen. Das Kapitel zeigt, dass weit über die Verfahrensansätze der herkömmlichen Therapie perspektiven (z. B. kognitiv-verhaltenstherapeutisch, systemisch) hinaus, weitere Theorien und Modelle im Bereich der Altersprobleme und -interventionen herangezogen werden, in diesem Fall aus der Lebensspannenpsychologie (z. B. Mo dell der selektiven Optimierung mit Kompensation) und der Gerontologie (z. B. Validationsansatz bei Dementen).

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