Lehrbuch Allgemeine Psychologie

Fragen zum 2. Kapitel


Frage 1

Welche zwei Funktionen haben Wahrnehmungsprozesse? Erläutern Sie ein Experiment, bei dem diese beiden Funktionen dissoziieren.


Antwort zu Frage 1

Ein Resultat des Wahrnehmungsprozesses ist eine bewusste Repräsentation über den Wahrnehmungsinhalt, d.h. der Wahrnehmende bildet einen phänomenalen Wahrnehmungseindruck über distale Reize aus. Die zweite Funktion ist die Steuerung des Verhaltens. In diesem Sinne dient Wahrnehmung (und auch Aufmerksamkeit) der Handlungssteuerung, und ist relevant für Bewegungskontrolle, Orientierung im Raum und Manipulation von Objekten.

Die beiden Funktionen der Wahrnehmung, phänomenale Wahrnehmung und Handlungskontrolle, können in Experimenten zum subliminalen Priming dissoziieren.

z.B. Experiment von Dehaene et al. (1998)

Versuchspersonen kategorisieren Ziffern als größer oder kleiner fünf. Vor jedem Zielreiz (Target-Ziffer) wird eine maskierte Ziffer (Prime; nicht bewusst wahrnehmbar) dargeboten, die entweder die gleiche Reaktion (kongruent) oder die andere Reaktion (inkongruent) als die Target-Ziffer erfordert (UV: Prime-Target-Kongruenz).

Versuchspersonen reagieren schneller (und weniger fehleranfällig), wenn der Bahnungs-Reiz (Prime) kongruent anstatt inkongruent zum Zielreiz (Target) ist, d.h. dieselbe anstatt die andere Reaktion verlangt, obwohl der Bahnungs-Reiz nicht bewusst wahrgenommen werden kann.



Frage 2

Die Dunkeladaptation verläuft nicht kontinuierlich, sondern weist den sogenannten Kohlrausch-Knick auf. Erläutern Sie die Versuchsanordnung zur Bestimmung der Dunkeladaptation. Skizzieren Sie die entsprechende Ergebnisabbildung inklusive des Kohlrausch-Knicks und erklären Sie das Ergebnis zur Unterschiede in den Rezeptorzellen.


Antwort zu Frage 2

Versuchspersonen befinden sich zunächst in einer hellen Umgebung, und dann wird es plötzlich dunkel. Variiert wird die Zeit in Dunkelheit (zwischen 0 und 30 min). Erfasst wird die Lichtempfindlichkeit (1 geteilt durch die notwendige Lichtstärke, so dass ein Reiz gerade eben wahrgenommen wird).

Abbildung 12Initiates file download

Die Lichtempfindlichkeit steigt zunächst stark an, erreicht jedoch nach ca. 5 min ein erstes Plateau. Nach ca. 10 min erfolgt ein weiterer steiler Anstieg der Lichtempfindlichkeit. Erklärt wird dies durch Unterschiede in der Geschwindigkeit und im Ausmaß der Dunkeladaptation von Zapfen und Stäbchen. Zunächst erfolgt die Aufnahme von Informationen durch Zapfen, da diese sehr schnell adaptieren. Jedoch ist deren Adaptation insgesamt eher gering (erstes Plateau). Die Stäbchen adaptieren deutlich langsamer, aber zu einem viel stärkeren Ausmaß. Deshalb gibt es einen zweiten steilen Anstieg der Lichtempfindlichkeit, sobald die Stäbchen genügend an Dunkelheit adaptiert sind.



Frage 3

Im Cueing-Paradigma von Posner werden sowohl endogene als auch exogene Aufmerksamkeitsverlagerungen aufgrund von Hinweisreizen (Cues) untersucht. Wie ist das experimentelle Vorgehen zur Untersuchung dieser beiden Arten von Aufmerksamkeitsausrichtungen? Welche Unterschiede in den Ergebnissen ergeben sich in Abhängigkeit vom Zeitverlauf zwischen Cue und Zielreiz?


Antwort zu Frage 3

Versuchspersonen sollen so schnell wie möglich reagieren (Entdeckungsaufgabe), wenn ein Zielreiz links oder rechts von der Fixation dargeboten wird. Ein Cue (Hinweisreiz) wird vor dem Zielreiz präsentiert und liefert Information darüber, ob der Zielreiz links oder rechts erscheinen wird. Die Information des Cues ist entweder valide (richtig) oder invalide (falsch). Verglichen mit einer Neutral-Bedingungen (Cue ohne Richtungsinformation) reagieren Versuchspersonen schneller bei validem Cue und langsamer bei invalidem Cue.


Bei exogener Aufmerksamkeitsauslenkung wird der Cue lateral an den möglichen Darbietungsorten des Zielreizes präsentiert und führt automatisch zur Verschiebung der Aufmerksamkeit. Bei endogenem Cueing wird der Cue zentral im Fixationspunkt präsentiert und erfordert die intentionale Verschiebung der Aufmerksamkeit.


Die Zeit zwischen Cue und Zielreiz (das SOA [Stimulus-Onset Asynchronie]) hat unterschiedlichen Einfluss beim endogenen und exogenen Cueing. Die Aufmerksamkeitsverschiebung beim endogenen Cueing braucht relativ viel Zeit; der Cue ist erst wirksam, wenn das SOA zwischen Cue und Zielreiz mind. 200 ms ist. Die Verschiebung der Aufmerksamkeit hält dann jedoch lange an, oft länger als 500 ms. Bei exogenen Cueing wirkt der Cue dagegen sehr schnell, schon nach wenigen Millisekunden, aber nur für ca. 200 ms. Bei längerem SOA zwischen Cue und Zielreiz dreht sich der Cueing-Effekt um – Versuchspersonen reagieren schneller nach invaliden als nach validen Cues. Dieser Effekt wird als Inhibition of Return (IOR) bezeichnet.



 

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