Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie

Verständnisfragen zum 1. Kapitel


Frage 1

Welche Beziehungen gibt es zwischen den Begriffen Motivation, Emotion und Persönlichkeit?


Antwort zu Frage 1

Emotionen zeigen „Bedürfnisschicksale“ an: Positive Emotionen entstehen, wenn bestimmte motivationale Zustände wie Bedürfnisse oder Ziele befriedigt bzw. erreicht wurden (oder wenn dies schneller oder besser als erwartet geschah), während negative Emotionen dann entstehen, wenn Bedürfnisse frustriert bzw. Ziele nicht (oder nicht so schnell und gut wie erwartet) erreicht werden. Bereits die Unterscheidung von (subkognitiven) Bedürfnissen und (kognitiven) Zielen macht deutlich, dass Emotion und Motivation (d. h. Bedürfnisrelevantes) auf verschiedenen Systemebenen der Persönlichkeit entstehen können: Der Begriff der Persönlichkeit beschreibt die Gesamtheit aller Funktionsebenen des Gesamtsystems, die für das Erleben und Verhalten relevant sind.



Frage 2

Geben Sie mindestens drei Gründe an, warum es trotz Inkonsistenz des Verhaltens über verschiedene Situationen hinweg stabile Dispositionen geben kann.


Antwort zu Frage 2

Auch bei einer starken Ausprägung der betreffenden Disposition (z.B. einer fröhlichen Grundstimmung) kann das entsprechende Verhalten oder Erleben (z.B. die positive Stimmung) über verschiedene Situationen hinweg mal stärker, mal schwächer (oder auch einmal gar nicht) auftreten, selbst wenn die Stärke dieser Disposition sich nicht ändert. Gründe dafür können sein: Erstens die Situationsspezifität der Disposition (d. h. eine Interaktion zwischen Personen und Situationen: die Disposition wird bei verschiedenen Personen in unterschiedlichen Situationen angeregt); zweitens die Motivationsdynamik (die fröhliche Grundstimmung kommt z. B. in einer Situation nicht zum Ausdruck, weil momentan etwas Schlimmes passiert ist – und nicht etwa, weil die individuell stark ausgeprägte Disposition zur Fröhlichkeit schwächer geworden ist); drittens kann es sein, dass hochinferente Prozesse (wie Ziele, Erwartungen, Motive) das Verhalten nicht steuern können, weil die Top-Down-Modulation geschwächt ist (was z. B. bei übermäßigem Stress passiert und Regression genannt wird). Dadurch kann passieren, dass die kohärenzbildende und stabilisierende Wirkung höherer Systemebenen (auf Emotionen, Gedanken etc.) ausfällt.



Frage 3

Was sind typische Haupteffekte und Wechselwirkungen in der Persönlichkeitspsychologie?


Antwort zu Frage 3

Eine unabhängige Variable hat einen Haupteffekt auf eine abhängige Variable (z.B. auf die Leistung), wenn die (Leistungs-)Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausprägungen der unabhängigen Variable (z. B. verschiedene Lärmpegel oder Medikamente) über alle Personen und Bedingungen (d. h. andere unabhängige Variablen) hinweg verallgemeinert werden können. Eine Wechselwirkung liegt vor, wenn die Wirkung einer Variable (z. B. verschiedener Medikamente oder einer therapeutischen Maßnahme) von der Ausprägung einer anderen Variable (z. B. von Person zu Person oder zu verschiedenen Tageszeiten) unterschiedlich ist (also nicht verallgemeinert werden kann).

 



Frage 4

Erläutern Sie an einem Beispiel, wie man zeigen kann, dass zwei korrelierende Messverfahren Unterschiedliches messen (Kritik des Konzepts der konvergenten Validität).


Antwort zu Frage 4

Der Körpergröße und dem Gewicht liegen unterschiedliche Dimensionen zugrunde. Trotzdem besteht eine hohe Korrelation. Auch unterschiedliche psychologische Dimensionen können korrelieren. Die Dimensionen Impulsivität und Geselligkeit wurden wegen ihrer Korrelation zu dem Faktor „Extraversion“ zusammengefasst. Dass sie Unterschiedliches messen, konnte man dadurch aufzeigen, dass sie nicht immer dasselbe Verhalten vorhersagen (was aufgrund ihrer theoretischen Unterschiedlichkeit eigentlich auch nicht verwundert): Effekte von Stimulantien (erregungssteigernden Psychopharmaka) haben unterschiedliche Effekte auf die Leistung von hoch und niedrig impulsiven Personen, nicht aber auf die Leistung von hoch und niedrig geselligen Menschen.

 



Frage 5

Was versteht man unter Modulation und welche Wirkung haben die drei persönlichkeitspsychologisch wichtigsten Neurotransmitter?


Antwort zu Frage 5

Modulation ist die Beeinflussung der Aktivierung verschiedener Hirnregionen durch Neuromodulatoren, die neurochemisch mit bekannten Transmittern identisch sind. Die Wirkung von Dopamin ist oft mit positivem Affekt verbunden und wirkt verhaltensbahnend (auf der Ebene der Gewohnheiten, der Anreizmotivation und des Willens). Noradrenalin wirkt erregungssteigernd (d. h. aktiviert z. B. sensorische Systeme, senkt Wahrnehmungsschwellen, macht „wacher“ usw.). Serotonin wirkt zunächst verhaltenshemmend (wobei die Langzeitwirkung im Gesamtsystem aufgrund gegenregulatorischer Prozesse das Gegenteil von der kurzfristigen Wirkung an den Synapsen sein kann).

 



 

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