Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie

Glossar


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Absicht

Eine Absicht ist eine Handlung, an deren zukünftige Ausführung sich eine Person gebunden fühlt. Absichten werden (im Unterschied zu Zielen) gebildet, wenn die Ausführung einer eigentlich durchführbaren Handlung emotionale Überwindung kostet (Selbstmotivierung).

Absichtsgedächtnis

Das Absichtsgedächtnis (Intentionsgedächtnis) unterscheidet sich vom Arbeitsgedächtnis in zwei Funktionsmerkmalen: Es hält erstens (wie in Fusters Experimenten bei Primaten dokumentiert) unerledigte Handlungen statt wahrgenommene sensorische Reize aufrecht und es hat zweitens eine Hemmungskomponente, die das Denken und Planen vom Handeln abkoppelt, um ein Zeitfenster für die Suche nach einer geeigneten Handlung oder für das Warten auf eine günstige Gelegenheit zu schaffen.

Affekte

Affekte (und Emotionen) sind Melder der Reduzierung oder Vergrößerung von Mangelzuständen (d. h. von Bedürfnissen): Positiver Affekt meldet die erwartete oder erreichte Befriedigung eines Bedürfnisses, seine Hemmung zeigt die Frustration eines Bedürfnisses an; negativer Affekt meldet das Vorhandensein eines vermeidungsorientierten Bedürfnisses (z. B. einer lebensbedrohlichen Hungerintensität oder einer Gefahr). Bedürfnisse haben einen unbewussten, subkognitiven und subaffektiven Kern und lassen sich als Diskrepanz zwischen einem organismischen Sollwert und einem durch entsprechende Fühler registrierten Istwert definieren.

Akkommodation

Akkommodation (Gegenteil: Assimilation) lässt sich aus heutiger Sicht (z. B. auch in konnektionistischen Modellen) als ein diskontinuierliches Anpassen einer Wissensstruktur an neue Umweltgegebenheiten interpretieren (z. B. wenn ein Kind das Greifschema um ein Schöpfschema erweitert, weil es Wasser nicht „greifen“ kann).

Anreiz

Anreize entstehen aus der Verknüpfung einer Objektrepräsentation mit einem Affekt, der im Zusammenhang mit der Befriedigung oder Frustration eines Bedürfnisses aufgetreten ist. Ein Anreiz ist eine externe Quelle der Verhaltenskontrolle, deren Wirkung durch die Antizipation (Erwartung) verstärkender Verhaltensfolgen erklärt wird (Verstärkung).

Assimilation

Assimilation (Gegenteil: Akkommodation) lässt sich ähnlich wie bei Piaget als Anwendung einer vorhandenen Wissensstruktur (z. B. eines Schemas) auf die Umwelt verstehen, wobei Lernen allmählich unter weitgehender Beibehaltung vorhandener Wissensstrukturen erfolgt (in parallelen Netzwerken entspricht das der allmählichen Veränderung der Verknüpfungsgewichte).

Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit ist eine besondere Form der Intensivierung (Verstärkung) kognitiver Repräsentationen. Verschiedene Formen der Aufmerksamkeit verwenden unterschiedliche Kriterien bei der Entscheidung, wann eine Information verstärkt werden soll (z. B. abhängig davon, ob sie zielkongruent oder zieldiskrepant ist).

automatisch

Mit dem Begriff der Automatisierung von Verhaltensroutinen wird eine Form der nicht an kontrollierte (oder bewusste) Prozesse gebundenen Verhaltenssteuerung bezeichnet, die wegen ihrer Bindung an spezifische Objekte ein relativ zuverlässiges und gleichförmiges Verhalten auslöst (Gewohnheiten). Automatisierte Prozesse können sich aufgrund der Kontextabstraktion der Objektwahrnehmung nicht so flexibel wie die intuitive Verhaltenssteuerung an variierenden Kontextmerkmalen orientieren.

Autonomie

Mit Autonomie meinen Vertreter des humanistischen Ansatzes (z. B. Rogers; Maslow; Deci & Ryan) die Freiheit, aus der Fülle des Selbst, d. h. aus der Gesamtheit (wholeness) eigener und fremder Bedürfnisse und Werte, schöpfen zu können, ohne dass selbstfremde Kräfte diese Freiheit einschränken (z. B. Kontrolle durch andere Personen oder innere Zwänge). Diese Freiheit ermöglicht weitestgehende Kongruenz zwischen dem eigenen Verhalten und allem, was der Selbstverwirklichung dienlich ist (Selbstkongruenz).

Bedürfnis

Ein Bedürfnis ist eine organismische (d. h. neurobiologisch instantiierte, aber nicht notwendigerweise kognitiv repräsentierte) Ist-Sollwert-Diskrepanz, z. B. zwischen dem erwünschten und dem tatsächlichen Blutzuckerspiegel oder dem erwünschten und dem tatsächlichen Ausmaß an zwischenmenschlichem Kontakt (wie er z. B. durch Berührung signalisiert wird).

Begriffe

Begriffe lassen sich durch ihre hierarchischen Beziehungen und ihre Elemente von anderen Begriffen abgrenzen, z. B. ist ein Stuhl ein Möbelstück („Oberbegriff“), von dem es verschiedene Typen wie Gartenstuhl und Küchenstuhl gibt („Unterbegriff“), das an Elementen wie vier Beinen und einer Sitzfläche etc. von anderen Möbelstücken abgrenzbar ist (vgl. Pseudobegriffe oder Vorbegriffe).

Behaviorismus (methodologischer)

Der methodologische Behaviorismus lässt im Unterschied zum (methodologischer) radikalen Behaviorismus theoretische Begriffe (z. B. hypothetische Konstrukte wie Kognition und Emotion) zu, aber eigentlich nur, wenn sie möglichst direkt operationalisierbar sind, d. h. an Messoperationen verankert werden können.

Bewusstsein

Bewusstsein ist eine Form der mentalen Repräsentation, durch die Informationen verschiedenen Verarbeitungssystemen gleichzeitig oder wechselseitig zur Verfügung stehen (vgl. die von Baars verwendete Metapher einer zentralen Informationstafel). Die wechselseitige Beteiligung verschiedener Repräsentationssysteme (z. B. Denken und Fühlen; bildhaft-analoge und analytisch-begriffliche Formate) hat den Vorteil, dass sich bei auftretenden Schwierigkeiten mehrere Systeme an der Lösungsfindung beteiligen können und dass die beteiligten Systeme eine zunehmend umfassende und integrative Erkenntnisleistung erbringen. Persönlichkeitspsychologisch ist die Unterscheidung von primärem und sekundärem Bewusstsein relevant (Introspektion).

Bewusstseinsbildung

Bewusstseinsbildung bedeutet das Entstehen („Emergenz“) immer umfassenderer Integrationen von Erfahrungslandschaften, die aus der Wechselwirkung zwischen einer ganzheitlichen (parallel-distribuierten) und einer analytischen (auf das Wesentliche reduzierenden) Erkenntnisform zustande kommt (dialektischer Bewusstseinsbegriff).

Definition

In Kellys Theorie persönlicher Konstrukte bedeutet Definition die analytische Präzisierung eines Begriffs. Um eine zwanghafte Verengung und Fixierung von Begriffen zu vermeiden, muss die Definition in einem ausgewogenen Verhältnis zur Extension stehen (d. h. zur Ausweitung von Begriffen).

Differentielle Psychologie

Die Differentielle Psychologie untersucht individuelle Unterschiede Psychologie in kognitiven, emotionalen oder motivationalen Prozessen, die für die Persönlichkeit relevant sind.

Emotion

Emotionen sind erlebniszentrierte Antworten des Organismus, welche die Relevanz eines Erkenntnisgegenstandes für die Befriedigung von Bedürfnissen widerspiegeln (z. B. nach den Kriterien „förderlich“ oder „hinderlich“) und verschiedene kognitive und motivationale Systeme im Sinne einer optimalen Bedürfnisbefriedigung aktivieren oder hemmen. Der Begriff der Emotion wird meist umfassender als der Affektbegriff verwendet (d. h. er geht über die Zweiteilung von positivem und negativem Affekt hinaus) und bezeichnet ein großes Spektrum von differenzierten Gefühlen, die außer der positiven oder negativen Affektkomponente auch bewusste oder unbewusste kognitive Interpretationen enthalten (z. B. ist mein Stolz ein positiver Affekt, der auf der Auffassung beruht, dass „ich“ eine Leistung aufgrund meiner eigenen Fähigkeit zustande gebracht habe).

Extension

Extension bedeutet in Kellys Theorie der persönlichen Konstrukte die Ausweitung eines Konstrukts, die auch semantisch weiter entfernte Anwendungsmöglichkeiten einschließt (z. B. wenn ein Regenschirm noch der Kategorie der Kleidungsstücke zugeschrieben wird).

Faktorenanalyse

Die Faktorenanalyse ist ein statistisches Verfahren, das in einer Korrelationstabelle die Entdeckung von Variablengruppen („Faktoren“) erleichtert, innerhalb derer die Variablen höher miteinander korrelieren als mit Variablen außerhalb der jeweiligen Gruppe.

Funktionsanalyse

Die Funktionsanalyse versucht, aus beobachtbaren Phänomenen zugrunde liegende Mechanismen zu erschließen, die sich weitgehend der direkten Beobachtung entziehen.

 

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