Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie

Glossar


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Gewohnheiten

Gewohnheiten sind einfache, automatisierte Verhaltensprogramme, die man sogar dann abspulen kann, wenn es keinen besonderen Spaß macht (das Zähneputzen am Morgen macht vielen Leuten auch dann keine Probleme, wenn sie mal keine besondere Lust dazu haben). Die Wahrnehmung von Objekten wird innerhalb der Persönlichkeitspsychologie einer ähnlich elementaren Systemebene zugeordnet und kann eine enge Kooperation mit der intuitiven Verhaltenssteuerung eingehen.

Ich

Das Ich ist in Freuds Strukturmodell eine weitgehend bewusste Instanz, die durch das logische Denken und Planen („Sekundärprozess“) charakterisiert ist. Heute wird besonders die reduktive Funktion des Ich-Bewusstseins hervorgehoben, die aus der Fülle der verfügbaren Erfahrung (des Selbst  das momentan für das Handeln Relevante auswählt (was zu dem Verlust der emotionalen Bedeutung, der Realisierbarkeitseinschätzung und des umfassenden persönlichen Sinns eines Ziels führen kann, wenn das Ich den Kontakt zu seiner umfassenden Erfahrungsbasis (dem Selbst) verliert.

implizit

Der Begriff implizit (wörtlich: „eingewickelt“) bedeutet ursprünglich: etwas meinen, was nicht direkt ausgedrückt ist. Entsprechend beruhen die Methoden, mit denen implizite Kognitionen oder Gefühle gemessen werden, nicht auf direktem Erfragen („Wie traurig fühlen Sie sich?“), sondern auf der Beobachtung indirekter Hinweise wie dem Priming-Effekt. Der Begriff „implizit“ wird in der Psychologie häufig auf Prozesse angewendet, die nicht bewusst zugänglich oder nicht mitteilbar sind (Bewusstsein garantiert aber nicht in jedem Fall die Explizierbarkeit).

impressionistisch

Impressionistisch kann man die Fähigkeit parallel verarbeitender („konnektionistischer“) Netzwerke nennen, Ungefährlösungen auch dann zu liefern, wenn die vorhandenen Informationen lückenhaft sind. Dieses Merkmal ist für sehr „intuitive“ Personen charakteristisch.

Individuation

Die Entwicklung des Menschen zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit nennt Jung Individuation. Sie ist (im Unterschied zu Freuds Stufenlehre) nicht auf die Kindheit beschränkt, sondern erstreckt sich über das ganze Leben: Zum „Individuum“ wird eine Person dadurch, dass sie auf verschiedenen Ebenen jeweils den unterentwickelten, unbewussten Gegenpol zur bewussten Psyche akzeptiert und ins bewusste Selbsterleben integriert (z. B. wenn ein Mann seine weiblichen Anteile zu integrieren lernt).

Intentionsgedächtnis

Absichtsgedächtnis

Intervallskalen

Messwerte bilden Intervallskalen, wenn über die gesamte Schwankungsbreite der Messwerte gleiche Intervalle zwischen den Messwerten gleiche Unterschiede in der zu messenden Größe anzeigen (z. B. müsste ein Messwertunterschied im „Intelligenzalter“ von 6 Monaten zwischen zwei Fünfjährigen denselben Intelligenzunterschied anzeigen, wie wenn sich zwei Zwölfjährige um 6 Monate im Intelligenzalter unterscheiden – was nicht der Fall ist: 6 Monate Rückstand machen im Alter von 5 viel mehr aus als im Alter von 12).

Introspektion

Introspektion ist eine persönlichkeitspsychologisch besonders relevante Form des Bewusstseins, bei der derselbe kognitive Inhalt bestimmten Systemen gemeinsam zur Verfügung steht: (1) dem Gedächtnis, das Erinnerungen zu dem jeweiligen Inhalt beisteuert, (2) dem Selbst, das die Bewertung hinsichtlich der persönlichen Bedeutung vermittelt, (3) dem Ich, das die Reflexion des Gewahrgewordenen ermöglicht (d. h. die Beziehung zwischen verschiedenen Repräsentationen des Gewahrgewordenen z. B. auf der Ebene des analytischen Ich und auf der Ebene des ganzheitlichen Selbst). Diese komplexen Formen des „sekundären“ Bewusstseins (Introspektion) spielen in der Persönlichkeitspsychologie eine größere Rolle als einfache Formen wie das Wachsein (er ist „bei Bewusstsein“ bzw. hat es verloren) oder das einfache, auf den aktuellen Moment beschränkte Gewahrwerden (awareness) von Wahrnehmungsinhalten („primäres Bewusstsein“ oder „phänomenales Erleben“).

intuitiv

Die Begriffe intuitiv und automatisch werden oft austauschbar verwendet. Mit beiden Begriffen soll hervorgehoben werden, dass keine zentralen Kontrollprozesse (bewusst oder unbewusst) eingreifen müssen (weil alle zur Ausführung notwendigen Parameter wie Ort und Zeit einer Bewegung bereits spezifiziert sind). Intuitive Verhaltensprogramme sind im Unterschied zu automatisch operierenden Routinen situationsseitig durch ein breiteres Spektrum von Kontextmerkmalen modulierbar (wie es z. B. für das Interaktionsverhalten von Müttern mit ihren Säuglingen gilt: Stern, 2006). Die kontextsensible Charakteristik intuitiver Prozesse kann durch Parallelverarbeitung in konnektionistischen Netzwerken erklärt werden.

Intuitive Verhaltenssteuerung

Intuitive Intuitive Verhaltenssteuerung beschreibt eine ganzheitlich-parallele (Parallelverarbeitung), sehr schnelle Komponente der Verhaltensbahnung, die weitgehend unabhängig ist von (1) bewusster Kontrolle (d. h. sie ist intuitiv), (2) von einzelnen auslösenden Objekten oder Reizen (d. h. sie kann auch spontan erfolgen), (3) von Bedürfnissen und Anreizen (d. h. sie funktioniert auch anreizunabhängig), (4) von starren Reaktionsgewohnheiten (d. h. sie ist flexibel) und die (5) über ein eigenes, bislang wenig erforschtes (weil unbewusstes) Wahrnehmungssystem verfügt (d. h. sie arbeitet „sensu-motorisch“).

Kategorien

Kategorien sind Klassen von Objekten, die semantisch (d. h. von ihrer Bedeutung her) zusammengehören (z. B. die Kategorien Mensch, Tier, Pflanze). Die Kategorienbildung beruht auf einem ähnlichen Vorgang wie die Objektwahrnehmung: Die Grenzen zwischen verschiedenen Kategorien werden ähnlich wie die von Objekten besonders betont, sodass die Zuordnung eines konkreten Objekts zu einer Kategorie (z. B. eines bestimmten Löwen im Zoo zur Kategorie „Tier“) ähnlich eindeutig ist wie die Zuordnung bestimmter Merkmale zu einem Objekt.

Kognition

Mit dem Begriff Kognition werden alle Prozesse zusammengefasst, die dem „Erkennen“ dienen, also der Aufnahme und Verarbeitung von Wissen über die Außen- und Innenwelt (z. B. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Denken).

komplexes System

Ein komplexes System ist nach Dörner charakterisiert (1) durch eine große Zahl interagierender Variablen (in der Simulation einer Kleinstadt können das durchaus mehrere tausend Variablen werden), (2) durch Intransparenz (d. h. die meisten Variablen kann man nicht direkt beobachten) und (3) durch Eigendynamik (viele Variablen ändern ihren Zustand sogar „von selbst“, d. h. ohne dass die Veränderung durch eine andere Variable verursacht wird).

Konstrukt (persönliches)

Unter einem persönlichen Konstrukt verstand Kelly ein Kriterium oder Schema, aufgrund dessen eine Person Menschen und Ereignisse interpretiert: Wer z. B. Menschen immer wieder danach beurteilt, wie dumm oder intelligent sie sind, verwendet das Konstrukt „Intelligenz“ mit einer großen Generalisierungsbreite (range of convenience).

Korrelationskoeffizient

Der Korrelationskoeffizient gibt die Stärke des Zusammenhangs zwischen je zwei Variablen an. Er kann variieren zwischen +1,0 (wenn ein perfekter gleichsinniger Zusammenhang besteht) und –1,0 (wenn eine Variable in exakt vorhersagbarer Weise sinkt, wenn die andere ansteigt). Eine Korrelation von Null weist darauf hin, dass es überhaupt keinen Zusammenhang zwischen den beiden Variablen gibt (oder dass sich unter verschiedenen Bedingungen positive oder negative Zusammenhänge zeigen, die sich ohne Kenntnis dieser Bedingungen aufheben).

Leistungsmotiv

Das Leistungsmotiv ist definiert durch das Bestreben, die eigenen Fähigkeiten durch selbstständige Auseinandersetzung mit einem Gütemaßstab zu demonstrieren und/oder zu entwickeln, z. B. durch die Bearbeitung von schwierigen Aufgaben (d. h. Aufgaben, die gelingen oder misslingen können).

Lernen

Lernen beschreibt in den behavioristisch geprägten Lerntheorien nicht wie im Alltag die komplexen Formen des Wissenserwerbs, sondern die Verstärkung mechanischer Verknüpfungen (Assoziationen) zwischen Reizen und Reaktionen durch klassisches Konditionieren (S-S-Verknüpfungen), Gewohnheitsbildung (S-R-Verknüpfungen) oder Belohnung und Bestrafung spontaner („operanter“) Reaktionen (sog. R-S-Verknüpfungen: weil Belohnung und Bestrafung „Reize“ (S) sind, die den spontanen Reaktionen (R) folgen).

lineare Kausalität

Von linearer Kausalität spricht man, wenn man eine „geradlinige“ (lineare) Verursachungsrichtung voraussetzt (z. B. Situation und Persönlichkeit bewirken das Verhalten, nicht umgekehrt).

Metanomie

Eine Metanomie nennt ein Teil aus einer Struktur zur Bezeichnung des Ganzen, was ein intuitives Verständnis des Gesamtzusammenhangs erkennen lässt („Ich will Mütze“ kann bedeuten: „Ich möchte wieder zum Spielplatz gehen“).

Metapher

Metaphern sind Vergleiche, die auf einer Strukturähnlichkeit beruhen („Mama gibt den Blumen zu trinken“ kann für „Sie gießt die Blumen“ stehen).

 

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