Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie

Glossar


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Schatten

Mit dem Begriff Schatten bezeichnet Jung die „dunklen“ Seiten des Wesens eines Menschen wie z. B. nicht eingestandene Tendenzen zu Habgier, Hass oder Neid, die eine im Selbsterleben und in der Selbstdarstellung liebenswürdige Person sich oft nicht eingestehen kann (geschweige denn die latente Bereitschaft, aus Rache zu morden, oder andere böse Seiten).

Selbst

Das Selbst ist der zentrale persönlichkeitspsychologische Begriff für die aus der gesammelten Lebenserfahrung (d. h. aus dem autobiografischen Gedächtnis) entwickelte Erfahrungsbasis, die eine umfassende Vernetzung mit Emotionen und Bedürfnissen aufweist. Dieses System kann wegen seiner Komplexität nicht vollständig expliziert werden, steht aber in den jeweils handlungsrelevanten Ausschnitten immer wieder dem explizierbaren Teil des Bewusstseins (d. h. des Ich) zur Verfügung. Das Selbst kann als die höchste Integrationsstufe paralleler („ganzheitlicher“) Verarbeitung betrachtet werden, auf der eine „persönliche“ Entscheidung sehr viele Gesichtspunkte berücksichtigen kann (z. B. eigene und fremde Bedürfnisse,Werte und Fähigkeiten).

Selbstberuhigung

Selbstberuhigung ist die Fähigkeit, negativen Affekt dadurch nachhaltig herunterzuregulieren, dass das auslösende Erlebnis mit der gesammelten Lebenserfahrung (dem Selbst) in Kontakt kommt (statt defensiv abgewehrt zu werden) und dadurch mit Hilfe von Prozessen wie Relativierung, Differenzierung und Sinnstiftung allmählich ins Selbst integriert wird (vgl. Selbstentwicklung).

Selbstentwicklung

Selbstentwicklung ist der Lernprozess des Selbst (Selbstwachstum, „Reifen“), der durch zunehmende Integration zunächst selbstfremder Erfahrungen erreicht wird (vgl. Individuation). Dieser Integrationsprozess erfordert einerseits die Offenheit auch für unangenehme Erfahrungen (diskrepanzsensitive Objekterkennung) und andererseits die Fähigkeit, solche Einzelerfahrungen allmählich mit der gesammelten Lebenserfahrung (dem Selbst) in Kontakt zu bringen.

Selbstkongruenz

Selbstkongruenz ist die Übereinstimmung zwischen Ich und Selbst (z. B. zwischen expliziten Zielen des Ich und impliziten Bedürfnissen, Motiven oder anderen selbstreferenziellen Inhalten).

Selbstkontrolle

Der Begriff der Selbstkontrolle beschreibt die in der westlichen Welt verbreitete Auffassung vom Willen. Sie ist nicht durch die Einbindung, sondern durch den Ausschluss möglichst vieler Kräfte charakterisiert, also mit der Disziplin des bewussten Ich vergleichbar, die alle Gedanken, Gefühle oder Handlungstendenzen ausfiltert oder sogar unterdrückt, die die Ausführung der aktuellen (bewussten) Intention gefährden.

Selbstmotivierung

Selbstmotivierung ist die Fähigkeit, den Verlust von positivem Affekt, wie er z. B. bei Enttäuschungen, Verlusterlebnissen oder unerledigten Absichten auftritt, durch Kontakt mit der gesammelten Lebenserfahrung (dem Selbst) nachhaltig gegenzuregulieren.

Selbstregulation

Die Selbstregulation ist eine Form der zentralen Koordination, die wie das Oberhaupt eines demokratisch geführten Unternehmens oder Landes möglichst viele Stimmen integriert (Gedanken, Emotionen, eigene und fremde Bedürfnisse und Werte, etc.), um zu Entscheidungen und Handlungsabsichten zu kommen, die möglichst viele Selbstanteile repräsentieren, sodass auch „Stimmen“, die bislang nicht integrierbar waren, zur emotionalen und kognitiven Unterstützung der Entscheidung bewegt werden können (Selbstmotivierung).

Selbststeuerung

Wille

sequenzielle Prozesse

Sequenzielle Prozesse sind Verarbeitungsvorgänge, die überwiegend oder ausschließlich in aufeinander folgenden Schritten erfolgen. Parallele Verarbeitung bedeutet dagegen, dass viele Informationen gleichzeitig verarbeitet werden (modellierbar durch konnektionistische Netzwerke).

Sinn

Sinn lässt sich definieren als eine komplexe kognitive Verweisungsstruktur, die eine oder mehrere Erfahrungen mit einer Vielzahl persönlicher Bedürfnisse, Ziele und Werte verknüpft. Wegen dieser Komplexität ist nach Frankl Sinn mit Hilfe des „bewussten“ analytischen Denkens allein nicht konstruierbar.

Stimmung

Emotionen treten im Erleben als Figur hervor, während Stimmungen den Hintergrund des bewussten Erlebens bilden, der von einer Vielzahl von einzelnen Emotionen beeinflusst werden kann.

subaffektiv (auch „prä-affektiv“)

Ein Prozess, der zeitlich bzw. phylogenetisch vor der Entstehung von Affekten postuliert wird (z. B. Bedürfnis) und neuroanatomisch unterhalb („sub“) der für Affekte relevanten Hirnregionen lokalisiert wird.

subkognitiv (auch „prä-kognitiv“)

Ein Prozess, der zeitlich bzw. phylogenetisch vor der Entstehung höherer Kognitionen angesiedelt wird (neuroanatomisch: „subcortikal“).

 

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