Psychologische Diagnostik

Kapitelübersicht


Kapitel 1

Definitionen, Aufgaben und Rahmenbedingungen der psychologischen Diagnostik


Überblick

Psychologische Diagnostik ist mitunter normativ wirksam und auf gesellschaftliche Werte bezogen. Auch wenn Personen oft im Fokus stehen, kann sich die psychologische Diagnostik prinzipiell auch auf Organisationen, Nationen oder auch andere Lebewesen (z. B. Tiere) beziehen. Eine wissenschaftlich fundierte psychologische Diagnostik kann nicht naiv davon ausgehen, dass die zu diagnostizierenden, psychologischen Merkmale schlichte Realitäten wären. Vielmehr sind die zu diagnostizierenden Merkmale psychologische Konstrukte, also Konstruktionen von Wissenschaftlern, die nach bestimmten Regeln, an der Empirie orientiert, erfolgen. Wissenschaftlich ausgebildete Vertreter der psychologischen Diagnostik sollten die diagnostizierten Individuen vor übertriebenen Selbst- und Fremdzuschreibungen, die sich aus einer essenzialistischen Interpretation der Merkmale ergeben, schützen. Psychologische Diagnostik beinhaltet die empirisch basierte Schätzung der Ausprägung und Veränderung psychologischer Konstrukte bei Merkmalsträgern sowie die möglichst genaue Klassifikation der Merkmalsträger in Gruppen mit ähnlichen psychischen Merkmalen. Dabei werden transparente, wissenschaftliche und ethische Standards berücksichtigt und es erfolgt eine kompetenzbasierte, theorie- bzw. regelgeleitete Integration und Interpretation der Informationen mit dem Ziel der Beantwortung diagnostischer Fragestellungen. Aufgrund der hohen Relevanz, die die auf der Grundlage der psychologischen Diagnostik zu treffenden Entscheidungen für die Gesellschaft und die betroffenen Individuen haben, ergibt sich, dass eine Reihe ethischer und rechtlicher Rahmenbedingungen beim diagnostischen Arbeiten beachtet werden müssen. Die rechtliche Beurteilung diagnostischen Arbeitens erfolgt nicht systematisch, sondern vollzieht sich anhand einzelner, sich teilweise widersprechender Urteile bzw. Urteilsbegründungen. Der Grund dafür ist, dass im Rahmen psychologischer Diagnostik oftmals verschiedene Rechtsgüter abzuwägen sind. Psychologische Diagnostik ist grundsätzlich nicht als eine Verletzung der im Grundgesetz garantierten Persönlichkeitsrechte anzusehen, dennoch kann eine derartige Verletzung im Einzelfall eintreten, vor allem dann, wenn die psychologische Diagnostik an einem Testanden unfreiwillig vollzogen wird oder wenn wissenschaftliche Minimalstandards nicht eingehalten werden. Andererseits kann eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch die Freiwilligkeit der Teilnahme an den Untersuchungen aufgehoben werden.

 

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Kapitel 2

Psychologische Diagnostik als Prozess


Überblick

In diesem Kapitel werden verschiedene Definitionen des diagnostischen Prozesses dargestellt und die wesentlichen Phasen des diagnostischen Prozesses beschrieben. Vor dem Hintergrund der verschiedenen Prozessmodelle wurden in den letzten Jahren Richtlinien diskutiert, die die wesentlichen, gemeinsamen Aspekte des diagnostischen Prozesses integrieren. Das daraus hervorgegangene integrative Prozessmodell wird ausführlich diskutiert und für die relevanten Phasen grafisch veranschaulicht. Des Weiteren werden in diesem Kapitel Strategien der Urteilsbildung ausführlich beschrieben und zwei Modelle der Entscheidungsfindung vorgestellt – das kompensatorische und das konjunktive Modell. Während das kompensatorische und konjunktive Modell darauf fokussieren, wie Informationen im Rahmen der Entscheidungsfindung gewichtet werden, geht es bei der Darstellung des paramorphen Modells um die Analyse des Vorgehens, das diagnostische Sachverständige wählen, um zu einer diagnostischen Entscheidung zu gelangen. Die gewählten Entscheidungsregeln stehen somit bei der Betrachtung des paramorphen Modells im Vordergrund. Dabei wird aufgezeigt, dass Klassifikationsprozesse im Rahmen diagnostischer Entscheidungen durch computerbasierte Entscheidungsregeln Zusammenfassung sinnvoll unterstützt werden können. Im Ergebnis des diagnostischen Entscheidungsprozesses werden vor allem zwei Arten diagnostischer Entscheidungen unterschieden – die terminale und die investigatorische Entscheidung. Beide Entscheidungsarten werden anhand diagnostischer Beispiele veranschaulicht. Schließlich werden im Bereich der Kognitiven Psychologie und der Klinischen Psychologie beschriebene Verzerrungstendenzen dargestellt, die beim Abruf, der Wiedergabe und der Verarbeitung von Informationen sowohl aufseiten des diagnostischen Sachverständigen als auch aufseiten des Diagnostizierten auftreten können.

 

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Kapitel 3

Testgütekriterien I: Objektivität und Reliabilität


Überblick

Es werden die Gütekriterien Objektivität und Reliabilität beschrieben. Das Gütekriterium der Objektivität beschreibt das Ausmaß, in dem das Ergebnis einer diagnostischen Erhebung unabhängig vom Testleiter, von den Testsituationsmerkmalen, von den Rahmenbedingungen, von den Auswertern und von den interpretierenden Personen ist. Der Begriff „Objektivität“ kann den Eindruck erwecken, man könne Merkmale von Personen „objektiv“ messen, gemeint ist jedoch nur, dass man die spezifischen Störquellen, die von Personen und Situationen ausgehen, minimieren möchte. Es werden Durchführungsobjektivität (Unabhängigkeit von den Personen, die ein Verfahren anweisen bzw. durchführen, aber auch Unabhängigkeit vom Ort der Erhebung usw.), Auswertungsobjektivität (Unabhängigkeit von den Personen, die ein Verfahren auswerten) und Interpretationsobjektivität (Unabhängigkeit von den Personen, die die Ergebnisse eines Verfahrens interpretieren) unterschieden. Dem Bedürfnis nach Objektivität wird in der Regel mit einer Standardisierung der Durchführungs-, Auswertungs-, und Interpretationsbedingungen diagnostischer Inventare begegnet, wie sie in den Handanweisungen und Manualen der Inventare dargelegt werden. Die Reliabilität (auch Zuverlässigkeit) beschreibt die Messgenauigkeit eines diagnostischen Verfahrens bei einer Gruppe von Personen. Es geht dabei nur um die numerische Präzision der Messung, unabhängig davon, welches Konstrukt das diagnostische Verfahren misst. Die Reliabilität kann nur vor dem Hintergrund Zusammenfassung einer Testtheorie definiert und geschätzt werden. Ein sparsamer Rahmen von Annahmen, die zur Definition und Schätzung der Reliabilität erforderlich sind, wird durch die Klassische Testtheorie (KTT) gegeben. Darüber hinaus sind die Annahmen der KTT eine Grundlage dafür, „wahre Werte“ anhand der Mittelung gemessener
Werte zu schätzen. Auch wenn die Darstellungen in der Literatur dazu nicht einheitlich sind, so sind doch die Annahmen der KTT prinzipiell testbar. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit denen man versuchen kann, den Annahmen der KTT gerecht zu werden. Daher gibt es unterschiedliche Koeffizienten zur Schätzung der Reliabilität (z. B. Retest-Reliabilität, Paralleltest-Reliabilität, Testhalbierungs-Reliabilität, Cronbachs Apha). Es gibt auch über die KTT hinausgehende Testtheorien, die man in der Regel als „Item-Response-Theorien“ bezeichnet.

 

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Kapitel 4

Testgütekriterien II: Validität


Überblick

Validität, (auch „Gültigkeit“) einer Messung, ist zugleich das wichtigste und das am schwierigsten zu definierende Gütekriterium diagnostischer Verfahren. Validität beschreibt das Ausmaß, in dem eine Messung gemäß wissenschaftlicher Standards inhaltlich das (Konstrukt) abbildet, was diejenigen vermuten, die die Messung interpretieren und verwenden. Valide oder gültig ist somit nicht ein diagnostisches Verfahren oder ein Test an sich, sondern die Interpretation der Werte bzw. Ergebnisse und die Verwendung des Verfahrens. Die wichtigsten Validitätsarten sind die Inhalts- oder Kontentvalidität, die Kriteriumsvalidität und die Konstruktvalidität. Kontent- oder Inhaltsvalidität ist gegeben, wenn eine Menge von Items eine repräsentative Stichprobe aus einem den Anwender interessierenden Itemuniversum darstellt. Kontentvalidität wird in der Regel etabliert, indem ein Itemuniversum definiert wird, aus dem eine repräsentative Itemstichprobe gezogen wird. Auf diese Weise soll eine repräsentative Stichprobe von Items zu einer repräsentativen Abbildung der Inhalte führen. Eine Schwierigkeit bei der Etablierung der Kontentvalidität ist die Definition des Itemuniversums: Wenn man das Itemuniversum nicht begrenzen kann, d. h., wenn theoretisch unendlich viele verschiedene Messsituationen relevant sein könnten, gerät das Konzept der Inhaltsvalidität an seine Grenzen. Die Kriteriumsvalididierung ist die Bestimmung der Validität eines Verfahrens mit Hilfe der Korrelation mit einer
Zielvariable (= Kriterium). Die Kriteriumsvalidität ist oftmals eine entscheidende Grundlage für die praktische Verwendung psychodiagnostischer Verfahren, da man die Korrelation des Tests mit der Zielvariable für eine statistische Prädiktion der Zielvariable verwenden kann. Die Kriteriumsvalidierung ist u. a. dann interessant,
wenn es nicht möglich ist, ein Inventar als eine repräsentative Stichprobe von Items aus einem Itemuniversum zu konstruieren. Bei der Kriteriumsvalidierung kann man praktisch bzw. gesellschaftlich relevante Zielvariablen verwenden, die in der Regel als Außenkriterium bezeichnet werden. Bei der Konstruktvalidität geht es darum, in welchem Ausmaß die intendierten Merkmale sich in der Variabilität der Messungen niederschlagen. Insofern bilden psychologische Konstrukte den Ausgangspunkt für die Konstruktvalidität. Die für die psychologische Diagnostik in der Regel relevanten hypothetischen Konstrukte sind Dispositionskonstrukte, also Zuschreibungen von Eigenschaften zu Merkmalsträgern, in der Regel Personen. Konstruktvalidierung ist daher die Untersuchung probabilistischer Beziehungen zwischen Konstruktausprägungen von Merkmalsträgern, bestimmten Situationen und bestimmten Verhaltensweisen. Auch Inhalts- und Kriteriumsvalidität können
in den Kontext einer Konstruktvalidierung gestellt werden. 

 

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Kapitel 5

Nebengütekriterien und Wechselbeziehungen zwischen Gütekriterien


Überblick

Als Nebengütekriterien werden hier die Zumutbarkeit, Akzeptanz, Testökonomie und der Nutzen beschrieben. Zumutbarkeit bezieht sich darauf, dass die körperlichen, zeitlichen und mentalen Belastungen, die mit einem diagnostischen Verfahren für jeden einzelnen Probanden bzw. Testanden verbunden sind, als zumutbar angesehen werden können. Zumutbarkeit ist damit an gesellschaftlichen Grundwerten sowie an Konventionen orientiert. Die Zumutbarkeit bezieht sich auf alle Wirkungen des diagnostischen Instruments auf den Probanden und schließt damit auch die Zumutbarkeit der Umgangsformen der Versuchsleiter und die Zumutbarkeit eventueller Rückmeldungen ein. Die Akzeptanz eines diagnostischen Verfahrens bezieht sich darauf, ob die Probanden bzw. Testanden in Befragungen spontan positive, neutrale oder negative Werturteile über das Verfahren abgeben. Insofern wird die Akzeptanz vermutlich auch durch die Aspekte beeinflusst, die bereits unter Zumutbarkeit aufgeführt wurden. Dennoch geht es bei der Akzeptanz – im Gegensatz zur Zumutbarkeit – um empirisch nachweisbare Bewertungen der Testanden. Testökonomie bezieht darauf, dass die zeitlichen Belastungen sowie die direkten und indirekten monetären Belastungen für den Anwender eines Verfahrens bzw. für den Auftraggeber im Verhältnis zum Nutzen in einem vertretbaren Rahmen bleiben. Im Prinzip betrifft die Testökonomie die Zumutbarkeit des Verfahrens für den Anwender oder den Auftraggeber. Nutzen, Nützlichkeit oder Utilität eines diagnostischen Verfahrens ist gegeben, wenn die Anwendung des Verfahrens insgesamt mehr positive als negative Konsequenzen erbringt. In der Literatur findet man die Begriffe „Nutzen“, „Nützlichkeit“ und „Utilität“ als Synonyme. Im Folgenden wird der Begriff „Nutzen“ verwendet. Eine spezifischere Form von Nutzen besteht in der Erhöhung der Anzahl korrekter Klassifikationen von Personen in entscheidungsrelevante Kategorien. Ein Beispiel dafür ist die Erhöhung der Anzahl geeigneter Personen in einem Unternehmen durch psychodiagnostische Verfahren der Eignungsbeurteilung. Die Erhöhung korrekter Klassifikationen von Personen als geeignet oder ungeeignet hängt dabei nicht allein von der Kriteriumsvalidität des diagnostischen Verfahrens ab. Der Grund dafür besteht darin, dass der Nutzen sowohl vom Validitätskoeffizienten, der Basisrate und der Selektionsrate abhängt. Schließlich wurde auch die Transformation von Validitätskoeffizienten in monetären Nutzen unter Berücksichtigung relevanter Rahmenbedingungen vorgeschlagen und praktiziert.

 

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Kapitel 6

Messinvarianz, Testfairness und Normen


Überblick

In diesem Kapitel wurden solche Konzepte behandelt, die für die Handhabung diagnostischer Information für verschiedene Personengruppen geeignet sind. Das erste behandelte Konzept ist die Messinvarianz. Messinvarianz liegt vor, wenn sich die interindividuellen Unterschiede in einem meist kontinuierlichen Merkmal (= intendiertes Konstrukt) unabhängig von einer Gruppenzugehörigkeit in den gemessenen Variablen (z. B. Items) niederschlagen. Die gemessenen Variablen sollen nicht die Gruppenzugehörigkeit, sondern allein die Merkmalsausprägung abbilden. Wenn in den betrachteten Gruppen Mittelwertsunterschiede der Merkmalsausprägung bestehen, sollen die gemessenen Variablen eben genau diese Mittelwertsunterschiede der Merkmalsausprägung zwischen den Gruppen abbilden, aber nicht in anderer Weise von der Gruppenzugehörigkeit beeinflusst werden. Besonders deutlich wird der Grundgedanke der oben dargestellten Messinvarianz am sogenannten „Differential-Item-Functioning“, das eine Verletzung der Messinvarianz für einzelne Items beschreibt: Differential-Item-Functioning (DIF) liegt vor, wenn ein Item unterschiedliche Messeigenschaften in verschiedenen Gruppen aufweist, ganz unabhängig davon, ob sich die beiden Gruppen im gemessenen Merkmal bzw. Konstrukt unterscheiden. Im Gegensatz dazu liegt prädiktive Invarianz vor, wenn sich die interindividuellen Unterschiede in einem meist kontinuierlichen Prädiktor unabhängig von einer etwaigen Gruppenzugehörigkeit in dem Kriterium niederschlagen. Eine Verletzung der prädiktiven Invarianz wird als Test-Bias (als Gegenstück zur Testfairness) bezeichnet. Test-Bias bedeutet, dass Personen – wegen ihrer Gruppenzugehörigkeit – aufgrund des Prädiktors (Tests) keine ihrer Eignung entsprechende Chance haben, ausgewählt zu werden. Diese Definition schließt auch eine gemessen an der Eignung überhöhte Chance der Auswahl ein. Normen sind erforderlich, um die konkreten Werte einzelner Personen in den Kontext einer repräsentativen Referenzgruppe einzuordnen. Normen sind Maßeinheiten, in die man die Rohwerte verschiedener diagnostischer Verfahren transformieren kann, um sie vergleichbar zu machen und um sie in den Kontext einer möglichst repräsentativen Referenzgruppe einzuordnen. Darüber hinaus können gruppenspezifische Normen, also getrennte Normen für verschiedene Personengruppen, verwendet werden. Gruppenspezifische Normen können sowohl die Reliabilität als auch die Validität eines Testergebnisses vermindern oder erhöhen. Sie können auch den Test-Bias vermindern oder erhöhen. Denn durch die gruppenspezifischen Normen werden gerade diejenigen Unterschiede eliminiert, die für die Gruppen spezifisch sind. Ob man dadurch den Gruppen eher gerecht wird, hängt von den Gruppenunterschieden im Kriterium ab.

 

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Kapitel 7

Verzerrungstendenzen


Überblick

Die Anfälligkeit insbesondere von Q(uestionnaire-)Daten für Verzerrungstendenzen aufseiten des Diagnostizierten bzw. Befragten wird bereits seit den 1930er Jahren beschrieben, so dass sich die Differenzierung und Untersuchung von Verzerrungstendenzen inzwischen zu einem wichtigen Forschungsfeld im Bereich der psychologischen Diagnostik entwickelt hat. Da Verzerrungstendenzen beachtliche Implikationen für diagnostische Entscheidungen und damit Anwendungskontexte der psychologisch-diagnostischen Arbeit haben, werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Verzerrungstendenzen mit spezifischen Skalen in mehrdimensionalen Persönlichkeitsfragebögen, aber auch mit speziell zur Erfassung von Verzerrungstendenzen entwickelten Inventaren, gemessen werden können. Des Weiteren können Verzerrungstendenzen bei der Beantwortung von Fragebögen anhand von Antworttendenzen identifiziert werden. Darüber hinaus wird die Wahl bestimmter Antwortformate als eine Möglichkeit dargestellt, die Wahrscheinlichkeit von Verzerrungstendenzen zu reduzieren. Ein für die psychologisch-diagnostische Arbeit sehr vielversprechender und sich zunehmend etablierender Zugang stellt die Erfassung von Verzerrungstendenzen mittels indirekter Messverfahren (z. B. implizite Assoziationstests, die Erfassung psychophysiologischer Merkmale mittels Elektroenzephalogramm) dar. Hinausgehend über die psychometrischen und quasi-experimentellen Möglichkeiten, Verzerrungstendenzen bei Testanden zu erfassen, wird die Relevanz von Verzerrungstendenzen für Veränderungen der Konstruktvalidität ebenso besprochen wie das Potenzial und die Grenzen, die mit dem Phänomen „faking“ bei diagnostischen Entscheidungen in beruflichen, medizinischen und edukativen Kontexten verbunden sind. 

 

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Kapitel 8

Psychometrische Einzelfalldiagnostik


Überblick

Die zufallskritische Absicherung individueller Testwerte spielt im Rahmen psychologischer Begutachtungen eine große Rolle. Dabei können verschiedene Kennwerte wie Konfidenzintervalle und kritische Differenzen für individuelle Testwerte bestimmt werden. Mit der zufallskritischen Absicherung individueller Testwerte wird den Annahmen der Klassischen Testtheorie Rechnung getragen, dass individuelle Testwerte nicht messfehlerfrei ermittelt werden können. Um jedoch zu zuverlässigen diagnostischen Aussagen und Schlussfolgerungen auf der Basis individueller Testwerte zu gelangen, sollte in psychologischen Gutachten und Stellungnahmen angegeben werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein individueller Testwert in einem bestimmten Vertrauensbereich (Konfidenzintervall liegt) liegt, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich der Testwert einer Person von dem Testwert einer anderen Person unterscheidet oder mit welcher Wahrscheinlichkeit sich zwei Skalenwerte einer Person voneinander unterscheiden. Darüber hinaus werden im Rahmen von Stärken-Schwächen-Analysen von Personenmerkmalen auch Testprofile erstellt und hinsichtlich Höhe, Streuung und Gestalt beurteilt. Auch für diese Beurteilungen ist eine statistische Absicherung möglich und in diagnostischen Prozessen wünschenswert. Vor diesem Hintergrund werden auch statistische Kennwerte wie beispielsweise die euklidische Distanz und Ähnlichkeitsindizes für den Vergleich von Individualprofilen aufgezeigt. Da im Rahmen diagnostischer Entscheidungen die Messgenauigkeit, mit der diagnostische Informationen erhoben werden, eine wesentliche Rolle spielt, sollte beim Einsatz diagnostischer Inventare auf die Robustheit der Reliabilitätskennwerte geachtet werden. Dies schließt einerseits ein, dass Reliabilitätskennwerte in hinreichend großen Stichproben (N > 300) erhoben wurden oder die Robustheit der Reliabitätskennwerte auf der Basis von Reliabilitätsgeneralisierungen metaanalytisch untersucht wurde. Andererseits sollte unter Berücksichtigung des ersten Axioms der Klassischen Testtheorie beim diagnostischen Arbeiten auch die Bestimmung von Konfidenzintervallen für Reliabilitätskoeffizienten in Betracht gezogen werden, um vor allem, wenn Reliabilitätskoeffizienten in kleineren Stichproben erhoben wurden, einschätzen zu können, in welchem Bereich die Messgenauigkeit liegt.

 

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Kapitel 9

Psychologische Begutachtung


Überblick

Psychologische Begutachtungen stellen ein genuines Anwendungsbeispiel für das Durchlaufen eines diagnostischen Prozesses dar. Psychologische Begutachtungen haben typischerweise beachtliche persönliche, monetäre und institutionelle Implikationen für die begutachteten Personen. Psychologische Begutachtungen finden in verschiedenen Teildisziplinen der Psychologie mit recht unterschiedlichen juristischen Bezügen statt. Analog zu den Richtlinien, die für die Realisierung des diagnostischen Prozesses entwickelt wurden, wurden in den letzten Jahren zunehmend Qualitätsmerkmale fachlich-adäquater psychologischer Gutachten diskutiert und herausgearbeitet. Vor diesem Hintergund wird in der Literatur auch der Detailliertheitsgrad der diagnostischen Informationen in psychologischen Gutachten kontrovers diskutiert. Über verschiedene Lehrbücher zur psychologischen Begutachtung hinweg ist inzwischen ein Konsens zur formalen Gestaltung psychologischer Gutachten festzustellen, dessen Realisierung auch an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich empfohlen wird. Psychologische Begutachtungen setzen allerdings nicht nur die Einhaltung formaler Gestaltungsstandards voraus, sondern erfordern auch eine hohe fachliche Expertise, was den Einsatz fachlich adäquater psychologischer Inventare (z. B. Persönlichkeits- oder Leistungsinventare) und Erhebungsmethoden (z. B. entscheidungsorientiertes Gespräch, strukturierte Interviews, Beoachtung) betrifft. Mit Ausnahme weniger Studien ist die Qualität der Informationsverarbeitung für konkrete psychologische Begutachtungssituationen bisher wenig untersucht, so dass für die Vermittlung von Qualitätsstandards und die Vermeidung von Verzerrungstendenzen an dieser Stelle auf empirische Befunde aus dem Bereich der klinischen und statistischen Urteilsbildung verwiesen wird, die im Kontext des diagnostischen Prozesses ausführlicher behandelt wurden.

 

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Kapitel 10

Qualitätsbeurteilung in der psychologischen Diagnostik


Überblick

Die Menge und Vielfalt der inhaltlichen und methodischen Gesichtspunkte, die bei fachgerechter psychologischer Diagnostik relevant werden, legen Zusammenfassungen nahe. Derartige Zusammenfassungen können den Charakter wissenschaftlicher Standards erhalten, wenn sich viele Wissenschaftler auf bestimmte Zusammenfassungen inhaltlicher und methodischer Gesichtspunkte einigen. Beispiele für derartige Zusammenfassungen mit normativem Charakter sind die Standards for Educational and Psychological Testing (American Educational Research Association/ American Psychological Association), die DIN 33430 zu Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen, sowie die ISO 10667 Assessment service delivery – Procedures and methods to assess people in work and organizational settings. Eine Reihe fachpolitischer Initiativen stützen sich auf die DIN 33430, etwa für den Nachweis diagnostischer Kompetenzen durch eine Personenlizensierung oder eine Qualitätsbeurteilung bzw. Rezension diagnostischer Verfahren. Alle genannten Qualitätsstandards betonen die Relevanz der Testgütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität und thematisieren auch die Qualität der Normierungen sowie vor allem eine transparente Dokumentation der Informationen, die für die Beurteilung der Qualität der diagnostischen Verfahren relevant sind. Die vielfältigen Aussagen der DIN 33430 werden anhand der Checkliste DIN Screen illustriert und auf einen Persönlichkeitsfragebogen angewendet und dabei kritisch diskutiert.

 

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